Science-Fiction im Alltag 30. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Technik.Tags: Japan, Roboter, Science Fiction, Zukunft
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Für uns vermeintlich so weit fortgeschrittene Europäer sind längst nicht alle Entwicklungen der modernen Technik alltäglich. Zwar gehören in Westeuropa ein oder mehrere Computer, Autos mit Einparkunterstützung oder halbautomatische Bürogebäude zu jenem Luxus, den sich zwar längst nicht jeder leisten kann, den man aber immer öfter im antrifft. Wenn jedoch über automatische Toiletten und Roboterstaubsauger gesprochen wird, dann fast immer mit einer gewissen ungläubigen Miene. Klar, die Entwicklung solcher Systeme ist weit fortgeschritten, aber im Haus hat man sowas noch nicht. Jedenfalls in Europa. In Japan ist nicht nur die Forschung weiter, auch die Akzeptanz der neuen Technik ist größer.
Aus dem Fernsehen kennen wir diese Berichte, die uns von Brennstoffautos, elektrischen Haustieren und Altenpflegerobotern berichten. Sehr populär auch hierzulande: die tanzende Robotergarde.
Bei all diesen Meldungen vergisst man schnell, dass das nicht nur zum Vergnügen durch den Bouldevardblätterwald rauscht. In Japan meint man diese Spielereien total ernst. Und so darf es auch nicht
verwundern, wenn das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie verkündet, bis 2025 Service-Roboter in die Gesellschaft integrieren zu wollen. Damit sind auch keineswegs nur die kleinen kugeligen Saug- und Putzmaschinen gemeint, die es schon bis nach Europa geschafft haben. Die Haushalte in Japan oder Südkorea sollen über wahre Allrounder verfügen, die Fenster putzen und Essen machen, Vokabeln mit den Kindern üben und Störungen in der Haustechnik melden. Und wenn die Hausbewohner einmal ins Rentenalter kommen – in Japan werden bis 2025 über 25 Prozent der Bevölkrung 65 oder älter sein – werden spezielle Roboter die Pflege übernehmen.
Das diese Integration von Maschinen in das tägliche Leben so stattfinden wird – das klingt für Europärer
wohl eher nach Science-Fiction. Allerdings spricht einiges dafür. Die Shinto-Religion, der 84 Prozent der japanischen Bevölkerung angehören, ist vom Animismus geprägt, wonach alle Lebewesen, die Natur und sogar Dinge so etwas wie eine Seele haben. Somit war elektronisches Spielzeug für Japaner nie so fremdartig und steril, wie es vielleicht auf viele Eorpäer gewirkt hat. In Deutschland tun sich die Kirchen ja schon schwer, Haustieren eine Seele zu gönnen. Während manche Menschen ihren Autos Namen geben, haben in Ostasien Computer, Spielzeug und andere Dinge selbstverständlich Namen. Im Westen hingegen drehen derartig subjektivierte Elektrowesen in Filmen oftmals durch – siehe I, Robot oder auch Frankenstein als Prototypen eines Cyborgs. Und in Matrix versklaven uns unsere hiflreichen Maschinen.
Die Angst vor diesen Entwicklungen wird hier wohl auch weiterhin verindern, dass Roboter so eine bedeutende Rolle im Alltag spielen dürfen. Und ehrlich gesagt: Auf die Toilette gehe ich immer noch ganz gerne selber.
Quelle:
Nicht gerade berauschend… 29. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Gesellschaft.Tags: Alkohol, Bayern, Deutschland, Gesellschaft, Jugendliche, Kirchweih, Rausch, Suff, Volksfest, Wodka
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…finde ich besoffene Jugendliche bzw. Kinder. Einerseits sind die Folgen für den gemeinen Passanten ergo meine Wenigkeit unter Umständen nicht prickelnd. Wer will schon andauernd angepöbelt werden, Körperflüssigkeiten (und hoffentlich bleibt es bei Flüssigkeiten!) ausweichen und über Alkoholleichen stolpern!? Andererseits sind die Folgen für den Betrunkenen auch nicht angenehm. Wenn er das zweifelhafte Glück im Unglück erfährt, den Black-Out durch zu viel Alkohol, weiß er wenigstens nichts mehr von all den Peinlichkeiten.
Nicht gerade ehrlich ist der Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft. Da wird in regelmäßigen Abständen nach mehr Erziehung, strengeren Gesetzen und Strafen gerufen – und gleichzeitig werben immer noch sehr junge Mädchen mit dem Bier in der Hand für Veranstaltungen aller Art. Eine Flasche Cola würde ebenfalls vermitteln, wie trendy die nächstbeste Party ist – aber natürlich würde sie den Bierbrauereien nicht weiterhelfen. Ein anderes, viel gewichtigeres Problem ist aber dieses zweifelhafte Verhältnis zu Alkohol, das viele Erwachsene an den Tag legen: Besonders auf dem Land ist ein „normaler“ Rausch, gerade wenn er nur durch Bier entsteht, nichts verwerfliches. Ganz sanft werden den Kids die Leviten gelesen, mit einem Augenzwinkern wird auf die möglichen Folgen verwiesen. Aber ein bisschen Spaß muss und darf sein, klar. Es ist eben kein Wunder, dass gerade in ländlichen Gebieten die Saufarty in Zelten und Sporthallen nach wie vor populär sind – vielleicht nicht für 50-Cent, aber dann eben für einen Euro.
In meiner Region ist gerade Kirchweihsaison. Jedes Wochenende in einem anderen Kuhkaff, mal mit Autoscooter und mal nur im Zelt oder Biergarten. Wie so oft in den letzten Jahren gab es auch dieses Jahr einige Ausschreitungen; von Maßkrügen zertrümmerte Schädel beispielsweiße oder randalierende 14-jährige, sturzbetrunkene Mädchen. Models, die genau so jung aussehen, werben in den Zeitungen und auf Plakaten für billiges Bier und in der zweiten Zeile für die Bands, die auftreten. Mich wunderm diese Probleme nicht, ist es doch in vielen Familien okay, auch mit 14 mal ein Bier zu trinken – den mit 14 wird man konfirmiert und ist in der Kirchengemeinde vollwertiges Mitglied. So erleben nicht wenige Jugendliche kurz nach dem ersten Abendmahl auch den ersten Vollrausch – freilich nicht durch Hostien und Wein, sondern durch das russische Dreigestirn: Jelzin, Gorbatschow und Puschkin – alles Wodkamarken.
(aus dem Mitteilungsblatt Wendelstein)
Früher, da war alles besser. Wirklich? Ich glaube, dass sich gerade auf dem Land auch früher Jugendliche besoffen haben. Das wurde manchmal wohl geduldet, gibt und gab es doch Väter, die durchaus mit Stolz verfolgen, was der Nachwuchs alles in sich schütten kann. Freilich gab und gibt es dafür ein paar hinter die Löffel, aber mit dem Zusatz, dass es bis zum 16 oder 18. Geburtstag ja nicht mehr so lange hin ist. Ich habe solche Geschichten oft genug mitverfolgen können. Und wenn die Eltern ihren Sprösslingen den Alkohol für die Party auch noch bis ins Haus tragen – da wundert mich wirklich nichts mehr.
Manchmal komme ich mir echt komisch vor. Ich rede über den Umgang Alkohol, wie es nur noch uncoole Sittenwächter mit akuter Moralinüberproduktion tun – behaupten jedenfalls manche. Ich bin jetzt 20, ich hatte meinen ersten Rausch mit 15 1/2, und das nach einem Bier und einem halben Glas Wein. Und ich hatte keine Nachteile dadurch, dass ich mit 12 noch keinen Kotankt zu Alkohol suchte. Ich bin gestolpert, habe gelallt und habe mich irgendwann schlafen gelegt – weil es für mich die Hölle
ist, wenn ich mich nicht mehr klar verständigen kann und ich nicht so wirken kann, wie ich es möchte. Außerdem rede ich gerne und mit einer schweren Zunge geht das nicht so schnell. Vielleicht sind das die Gründe dafür, dass ich mich noch nie richtig besoffen habe. Wozu auch? Ein bisschen angetrunken sein, okay, enthemmt und macht lustig. Aber das sollte nicht zu häufig passieren. Ich verstehe nicht, wie manche Leute zu dem Schluss kommen, ohne Alkohol funktioniere keine Party. Und dann gibt es diese Gruppe, die entweder zu viel und „gar nix“ trinkt – das ist dann für mich auch kein normaler Bezug zu Alkohol.
Ich glaube, es wird immer Leute geben, die nicht wissen, wann sie genug haben. Die sich besaufen wollen, die das brauchen. Das ist schade und traurig, lässt sich aber nicht ganz verhindern. Ein großer Schritt wäre es jedoch, Alkohol auch und gerade in Bayern von der Liste der Grundnahrungsmittel zu streichen. Auf Volksfesten und Kirchweihen eben nicht Nachsicht walten zu lassen sondern sich an die Gesetzeslage zu halten. Wir haben nämlich Richtlinien vom Staat – nur werden die ja auch schon nicht eingehalten. Den sichersten Schutz, so meine Erfahrung, bietet ohnehin nur der eigene Verstand. Wen man „nein“ sagen kann, lebt man nämlich auch ganz gut.
Informationen:
Wo viel Geld ist… 29. Juni 2008
Posted by frischmax in Politik, Weltweit.Tags: Bill Gates, Foundation, Gates Foundation, Gesellschaft, Impfstoff, Melinda Gates, Stiftung
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…da ist auch Schatten. Diese leichte Abwandlung der bekannten Redensart ist wohl nur schwer anzufechten. Geld regiert vielleicht die Welt. Lenken tun sie aber Menschen – die für Geld entscheiden, in welche Richtung die Reise geht. Als wäre das nicht bedenklich genug, bringt auch der altruistische oder gar planlose Einsatz von Geld beinahe zwanghaft Nachteile mit sich – selten treffen die freilich den, der es ausgibt.
Nun wird ja gerne und oft gefordert, „die Reichen“ sollen doch bitteschön ihr Geld den Armen geben. Schließlich gibt es mehr als genug und die reichsten Menschen der Welt können vermutlich niemals all ihre Finanzkraft auf einmal freisetzen, da das jeden Markt und möglicherweise die betroffene Nation gehörig aus dem Gefüge reißen würde. Abgesehen davon: Wofür will man es denn ausgeben, wenn man alles hat, was es für Geld zu kaufen gibt.
So oder so ähnlich hat vielleicht Bill Gates gedacht, als er 1994 die „William H. Gates Foundation“ gründete. Stiftungen zu gründen ist nicht erst seit damals ein beliebter Zeitvertreib der Reichen. Natürlich nicht aus purer Nächstenliebe sondern auch wegen der Steuervorteile, die das so investierte Vermögen betreffen. Doch der Einsatz von Geld, dass eine stets in der Kritik stehende Firma abwirft, über eine scheinbar neutrale Organisation hat noch weitere positive Auswirkungen. Denn wenn die Einrichtung auch noch den eigenen Namen trägt, gewinnt man auch noch Prestige für das Parken von Geld.
So zynisch und negativ möchte ich die 1999 in „Bill & Melinda Gates Foundation“ umbenannte Stiftung nicht sehen. Ich bin keiner von denen, die alle finanzkräftigen Firmen und Menschen als Personal des Teufels ansehen. Ich glaube, dass viele wirklich für eine gute Sache (zu) arbeiten (glauben). Und wenn man sich ansieht, was der einstige Nerd mit seiner neuen altem Arbeitsstelle bewirkt, gibt es da zunächst wenig zu meckern: Landwirtschaftliche Entwicklung, Zugang zu Krediten und Versicherungen, Informationstechnologie – all das wird zwischenzeitlich mit Geld der mächtigsten Stiftung der Welt in Dritte-Welt-Ländern aber auch in Lettland oder Rumänien gefördert. Weitere Gebiete sind zum Beispiel die Forschung an Impfstoffen und die Bereistellung von Medikamenten sowie die Förderung der Bildungsinfrastruktur in den USA. [1] Dabei fließen enorme Mengen Geld. Die Frage ist nur, und hier kommen die Schattenseiten ins Spiel, wann fließt Geld von der „Bill & Melinda Gates Stiftung“?
Gerade in Bill Gates Heimatland verweisen Kritiker oftmals auf die Aktivität der Stiftung im Bildungssektor.
Der ist chronisch unterfinanziert – ohne Fundraising und wohlgesonnene Firmen oder Privatpersonen können Schulen selten eine optimale Lernumgebung bieten. Wenn nun eine Schule beispielsweise Linux einsetzen würde, weil dieses System in der Anschaffung günstig ist und Geld für andere Bereiche frei wird – kann diese Schule dann überhaupt hoffen, Geld von einer Stiftung zu bekommen, die auch durch Microsoft finanziert wird? Und wie sieht es aus mit Politikern, die es nicht schaffen die so wichtigen Gelder dieser Stiftung zu bekommen? Ob absichtlich oder nicht, ob direkt oder indirekt: Das viele Geld bringt einige Fragen mit sich.
Auch die Arbeit der Stiftung an sich ist teilweise fragwürdig: Zwar fördert man die Entiwcklung und Herstellung neuer Medikamente und Impfstoffe gegen Aids, Malaria, Tuberkulose usw. Gleichzeitig besitzt die Foundation aber Anteile an Pharmakonzernen wie Pfizer oder Merck, die mit ihren Patenten stets die Entwicklung von billigen Generika behindert haben. Diese Widersprüchlichkeit gipfelt im „blind-eye investing“; 2007 wurden Vorwürfe laut, dass der vermögensschaffende Teil gegen den wohltätigen arbeitet indem er in Firmen investiert, die beispielsweise durch Abwässer Krankheiten verursachen, die ebenfalls mit
Stiftungsgeld bekämpft werden. [2] Wenn die linke Hand nicht weiß, was die Rechte tut…. Ebenfalls Anlass zur Sorge gibt der gigantische Kapitalstock von derzeit ca. 37 Milliarden Dollar. Durch diese enorme Finanzkraft geht in manchen Forschungsabteilungen scheinbar nichts mehr, wenn einmal kein Geld aus Seattle kommt – weil andere Geldgeber schlichtweg nicht so hohe Summen in ein Projekt stecken können. [3]
All das ist für die Armen, die von den Projekten sicherlich profitieren, relativ egal. Die Hilfe kommt an. Bleibt nur die Frage, ob sie irgendwann auch noch ohne die Hilfe einer einzigen Organisation leben können.
Quellen:
[1] Gates Foundation
[2] Dark cloud over good works of Gates Foundation (Los Angeles Times)
Ein Überfluss an Attraktionen 28. Juni 2008
Posted by frischmax in Kunst.Tags: Attraktion, New York, New York Waterfalls, Tourismus, Wasserfall
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Es gibt Städte, die suchen ständig neue Mittel und Wege, bekannter zu werden. Sie machen auf sich aufmerksam, um noch mehr Touristen anzulocken, was durch die Berichterstattung über den Ansturm wiederum Publicity erzeugt und durch zahlendes Publikum Geld in die Kassen der jeweiligen Kommune spült. Nun, es gibt sicherlich Städte, die unbedingt einen richtigen Blickfang brauchen, damit das mit dem Tourismus klappt: Dortmund, Wilhelmshaven oder Hoyerswerda beispielsweise (willkürliche Auswahl). Andere sind zwar bekannt für Berühmtheiten oder Gebäude, haben aber das Entscheidende nicht, dass Berlin, München oder Hamburg zu Touristenmagneten macht.
Worauf ich hinauswill: Es gibt genug Städte, denen das gewisse Etwas fehlt. Die hätten es nötig, sich mit einer Aktion so aufzupeppen, dass wenigstens kurzzeitig über sie berichtet wird. Nürnberg glänzte 2006 einige Wochen lang mit einem Stuhlturm – allerdings weniger durch das Kunstwerk als durch die Debatten über dessen Hässlichkeit – insofern wurden eher die Schildbürger bekannt als der Ort des Kunstwerks. Aber, wie heißt es so schön in der Welt der Medien: Auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Oder: Auch sinnlose Aktionen erregen Aufmerksamkeit. Und so gibt es immer wieder Kunstaktionen, die mittelgroßen deutsche Städten das Gefühl geben, zumindest in der Region eine Metropole mit allem drum und dran zu sein. Seht her, auch wir haben (hässliche) Skulpturen! Und wie gesagt: Für manche Städte ist das tatsächlich ein Quantensprung in der Selbstvermarktung.
Eine Stadt aber, sie liegt an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika, hat derartiges mit Sicherheit nicht nötig: New York. Der „Big Apple“ ist per se eine Attraktion. Die Leute kommen von überall her, auch ich würde bei der erstbesten Gelegenheit hinfliegen, um diese Stadt zu bewundern. Erst nach dem modernen Mythos vom 15-Millionen-Moloch kommen die beinahe sekundären Sehenswürdigkeiten: Manhattan mit seinem Hochhausgewirr, der Central Park, die unzähligen Museen, der Broadway, die Freiheitsstatue und so weiter. Wegen solchen Besonderheiten kommen Menschen auch in diese Stadt. Aber, und das scheint für die Verantwortlichen außer Frage zu stehen: Kommen Millionen Menschen wegen künstlichen Wasserfällen nach New York?
„The New York Waterfalls“ ist ein Projekt des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson, bei dem an vier eher unscheinbaren Stellen bis zu 35 Meter hohe Wasserfälle in den East River stürzen. Beispielsweise an einem Pfeiler der Brooklyn Bridge oder auf Governors Island. Natürlich ist das Ganze mit erheblichem technischen Aufwand verbunden: Starke Pumpen bringen das Wasser auf die riesigen Gerüste, die trotz der 150.000 Liter Wasser, die pro Minute herabstürzen, ziemlich stark hervorstechen. Wirklich natürlich oder wenigstens echt wirkt das Spektakel nicht – trotz der 15 Millionen Dollar, die es gekostet hat. Die nehmen sich gegen die 55 Millionen, die die Stadt New York als Mehreinnahme durch die Wasserfalltouristen erwartet, natürlich als sichere Investition aus.
Vermutlich werden die künstlichen Wasserfälle sogar mehr Einnahmen erzeugen, als geschätzt. Wenn wir schonmal hier sind, nehmen wir Die auch noch mit, werden sich viele Besucher denken. Allerdings werden wohl die Wenigsten mal kurz wegen hässlicher Gerüste, den die sieht man irgendwie besser als das Wasser, nach NY fliegen. Wozu braucht so eine Stadt so ein Kunstwerk? „Es ist ein Teil der Stadt“, soll Olafur Eliasson bei der Eröffnung gesagt haben. Ja, das ist es – bis es im Oktober abgebaut wird. Aber es wirkt, so aus der Ferne betrachtet, mehr wie ein Anhängsel, ein künstlicher Auswuchs als wie organisches, gewachsenes Gewebe der Stadt. Vielleicht, weil New York keine Kunstwerke braucht, die Öffentlichkeit erzeugen? Denn Der Big Apple ist sozusagen ein perpetuum mobile in Sachen Selbstvermarktung.
Vielleicht sehen sie ja besser aus, wenn sie angestrahlt werden. Vielleicht verschwinden dann die Gerüste wirklich hinter Wasser, dass aus der Luft zu fließen scheint. Ansonsten werden, wenn das Wasser zwischen 22:00 und 7:00 nicht fließt, die Gerüste für sich sprechen: die Stadt verändert sich, es wird gebaut und ständig entsteht neues. Und im Oktober wird man sehen: nichts ist für die Ewigkeit – in New York wird auch vieles wieder abgerissen. Aber: New York ist New York ist Magisch – ob mit oder ohne Wasserfall.
Mein Problem mit dem Nichtglauben 27. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Weltanschauung.Tags: Agnostiker, Agnostizismus, Atehismus, Christen, Clash of Religions, Islam, Nichtglauben, Religion, ungläubig
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Viele Menschen finden erstaunlich schnell eine Bezeichnung für ihr Weltbild, für ihren Glauben. Christlich nennen sich die Meisten in meinem Bekannten- und Freundeskreis, bei fast allen bedeutet der Begriff auch mehr oder weniger das Gleiche: „Standardchristen“ heutzutage sind friedfertig, weltoffen, tolerant und irgendwo ein bisschen gläubig, da es ja irgendetwas geben muss, dass vor dem Urknall war. So in etwa sieht das moderne Flickwerk aus Religion und Wissenschaft aus. Ich selbst handle sicherlich auch christlich – nur bezeichne ich mich nicht so. In den Urkunden steht „evangelisch“, in der Realität bin ich ziemlich ungläubig. Ich glaube nicht an eine höhere Macht, die bewusst eingereift oder eingegriffen hat. Ausschließen kann ich das nicht, aber die Existenz kann mir auch niemand beweisen. Eigentlich müsste ich also „konfessionslos“ oder besser „ohne Glaubensbekenntnis“ in die Papiere eintragen lassen und wo andere sich „christlich“ benehmen, müsste ich agnostisch bzw. atheistisch handeln.
So einfach ist es aber dann doch nicht. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Ich kann im Team arbeiten, ich kann gut mit anderen Menschen. Ich kann aber auch sehr gut mein eigenes Süppchen kochen, alleine. Das soll sagen: Ich lasse mich nicht gerne mit anderen in einen Topf werfen, um im Bild zu bleiben. Ich will für mich und andere immer klare Trennlinien anzeigen zwischen der Masse und dem Individuum. So ist es mit den vorhin genannten Begriffen auch. Als Christ wollte ich nicht mit den ganzen Christen in einen Topf geworfen werden, die darunter etwas völlig anderes verstehen als ich. Und als Ungläubiger möchte ich keinesfalls mit den Atheisten und Agnostikern über einen Kamm geschert werden.
Da gibt es nämlich Strömungen und Haltungen, die ich absolut nicht teile. Genauso wie manche evangelikal-fundamentalistische Christen einen „Clash of Religions“ anzetteln wollen, gibt es nämlich auch zweifelhafte Stimmen aus dem vermeintlich so objektiv urteilenden Lager der Atheisten: da wollen doch manche tatsächlich Religionen abschaffen. Andere treten Gläubigen mit Spott und Hohn gegenüber, diskriminieren religiöse Menschen aufgrund ihres Glaubens. Diese Attitüde kann ich gar nicht ab, ehrlich. Als offen Nichtgläubiger muss man sich oft anhören, ob man denn überhaupt so etwa wie eine Moral habe. Diese Frage ist natürlich schwachsinnig – Moral, Werte und Ethik sind und waren nie ausschließlich an Religionen gebunden. Genauso dumm ist es aber, den Anhängern vermeintlich überholter Weltanschauungen jegliche Vernunft abzusprechen – und manchmal gar das Recht, nach ihrem Weltbild zu leben.
Atheisten kritisieren oft das missionarische Gehabe der Weltreligionen, die Dogmen, die Denkverbote
und Fehlleistungen der Vergangenheit. Das ist durchaus berechtigt, ich prangere das oft genug an. Man darf aber nicht die gleichen Fehler wiederholen und sich selbst im Besitz der absoluten Wahrheit wähnen. Zwar ist Atheismus per se prinzipiell auch solchen Strukturen unterworfen, wie sie Religionen aufweisen. Denn wörtlich übersetzt ist Atheismus nur das Gegenteil von Theismus, also in manchen Interpretationen die dogmatische Vertretung des Nicht-Gottglaubens gegenüber den Anhängern des radikalen Gottglaubens. Doch diese Haltung wäre wenig fortschrittlich und wird den Prinzipien eines Atheismus nicht gerecht, den ich vertreten will.
Leider scheinen aber die Verbände der Freidenker und Konfessionslosen in Deutschland von solchen Stimmen, wie ich sie gerade dargestellt habe, dominiert zu werden. Meist geschieht diese radikale Ablehnung jedweden Glaubens und die Herabwürdigung der Anhänger von Religionen unter dem Vorwand, man müsse bei der Kritik heftig vorgehen um kleine Veränderungen zu provozieren. Offiziell will ja keiner die Religionen abschaffen – inoffiziell wird jedoch zumindest die Verbannung des Glaubens aus dem Öffentlichen Raum gefordert. Michael Schmidt-Salomon, der Vorstandssprecher der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung, tritt in Talkshows häufig wie ein Kardinal Meisner der Atheisten auf und wirft mit Vorwürfen gegen Kirche, Glauben und Gläubige nur so um sich und hebt „den Atheismus“ auf eine Stufe, die dieser meiner Meinung nach nicht innehaben sollte: Atheismus als Wissenschaftsreligion, als fundamentale Wahrheit, an die jeder vernunftbegabte Mensch einfach glauben muss. Auf die Frage, ob er ein Religionshasser sei, antwortete M. S. Salomon:
Die große Aufgabe der Aufklärung besteht darin, das Eine von dem Anderen zu trennen. Dies kann, so meine Überzeugung, nur dann gelingen, wenn Kritiker von „Außen“ ihre Position so klar wie möglich formulieren. Dies nämlich schafft erst die notwendigen Freiräume für innerreligiöse Reformprozesse. Pointiert formuliert: Ohne Marx, Nietzsche, Freud, Russell gäbe es auch keinen Schweitzer, Küng, Drewermann und auch keine Dorothee Sölle. Die Tragik des Islam besteht darin, dass es solche „Kritik von Außen“ bislang nicht in ausreichendem Maße gegeben hat. Deshalb stehen die Vertreter des „Euro-Islam“ momentan auch noch auf so verlorenem Posten. [1]
Auch hier ist eine gewisse Hybris zu erkennen: So wie sich Vertreter des Christentums und des Islams gerne herausnehmen, die jeweils andere Religion völlig zu Recht missionieren zu müssen, sich im Besitz eines göttlichen Auftrags wähnen, denken scheinbar manche Atheisten ganz ähnlich und sehen sich als Retter der Religionen – natürlich erst mal nur durch Reformen.
Und Reformen sich unbedingt nötigt, das steht außer Frage. Aber ich als toleranter und aufgeklärter Mensch glaube daran, dass jeder Mensch sich seine Weltanschauung aussuchen darf, solange er sie begründen kann, sie ihm nutzt und anderen nicht schadet. Ich glaube nicht an einen Gott, weil ich nach sorgfältiger Abwägung der Argumente zu diesem Schluss gekommen bin. Dieser „Glaube“ ist meine Privatsache, ich zwinge ihm niemanden auf. Und wenn Gläubige anderer Anschauungen mich nicht missionieren wollen und friedlich bleiben – ist das für mich kein Problem und geht mich als Privatsache des Anderen nichts an.
Privatsache – das bedeutet aber auch, und hier teile ich in manchen Bereichen die Bestrebungen eines Schmidt-Salomon, den Öffentlichen Raum freizuhalten vom Einfluss der Religionen oder immerhin jeder Glaubensgemeinschaft gleich viel Einfluss zuzugestehen. Das ist ein schwieriger Balanceakt. Er wäre aber wünschenswert, da nur dann eine Koexistenz der Weltanschauungen überhaupt eine Chance bekommt. Und gerade die vermeintlich so vernunftbegabten, klugen Atheisten trauen sich nicht an diese Aufgabe, sondern wollen lieber eine dogmatische Lösung? Hm, irgendwie sind die also auch nicht weiter als die unfehlbaren Besitzer der absoluten Wahrheit, ganz gleich ob sie sie im Namen Jesu, Mohammeds oder Gottes verbreiten wollen.
Quelle:
[1] http://www.schmidt-salomon.de/homepage.htm
Polyphone Karnivoren 26. Juni 2008
Posted by frischmax in Kino.Tags: Film, Horrorfilm, Pflanzen, Ruinen, The Ruins
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Was der geneigte Cineast nicht alles erleben kann, wenn er sich einen Horrorfilm anschaut, von dessen Schwachsinnigkeit er eigentlich schon im Vorhinein überzeugt ist. Im Prinzip hat es so mit meinem Interesse für Horrorfilme auch angefangen: sich sattsehen an auf Zelluloid bzw. DVD gebannten Geschmacklosigkeiten. Ich glaube, der erste solche Film war Poltergeist, den ich mit 13 oder so heimlich geschaut habe – für einige Jahre war das dann auch der Einzige. Zu viel Angst. Ich kann mich aber daran erinnern, dass ich mit 16 in den Genuß von einem der unzähligen „Hellraiser“-Teile kam – und ihn zwar ziemlich brutal und ekelhaft fand, aber doch einige tiefenpsychologisch wie storytechnisch interessante Besonderheiten finden konnte. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Seit damals habe ich also unter dem Vorwand, mich über schlechte Filme amüsieren zu wollen, einige mehr oder weniger üble Machwerke über den Bildschirm flimmern sehen. Mit der Zeit ist mir dann aufgefallen, das es ab und an wirklich „gute“ Filme in diesem Genre gibt, wobei „gut“ hier entweder von der Handlung oder den Interpretationsmöglichkeiten ausgehend verliehen wird. Ebenfalls „gut“ sind für mich dann aber auch jene Filmchen, die durch unfreiweillige Situationskomik bestechen. Oder durch zwar kranke aber außergewöhnliche Ideen, z.b. fleischfressende, klingeltönende Pflanzen. Zu einer wahren Perle in diesem Subgenre möchte ich paar Worte verlieren:
„Ruinen“ läuft seit heute in den deutschen Kinosälen. Der Trailer verspricht dem Zuschauer alte
Mayatempel, die von ahnungslosen amerikanischen Touristen belästigt werden und sich folglich mit irgendeinem bösartigen, furchterregenden und blutigen Parasiten wehren, der die Charaktere befällt. So weit so gut, Plots von Horrorfilmen lassen sich meistens schnell erzählen. Der Film beginnt mit einer standarisierten Einführung der Personen in der sicheren Hotelanlage; man erfährt Namen und Studienfächer, was für den Film nicht wirklich wichtig ist. Obwohl, es sind deutsche Namen – also vielleicht diesmal keine Amis als Opfer? Ode will man auf dem deutsche Markt punkten? Egal. Da man im Urlaub mehr erleben will als Sex on the Beach beschafft man sich, was auch sonst, geheime Karten mit noch geheimeren Ruinen, die sonst nirgends verzeichnet sind. Auf dem Weg dorthin erleuchten Dialoge wie „Es gibt gar keinen richtigen Weg!“ das Dunkel des mexikanischen Dschungels. Ein paar botanische Besonderheiten, die leider nicht weiter erläutert werden – jedenfalls wären diese Pflanzen interessanter als die Dialoge – und eine mysteriöse Erscheinung von dreckigen Kindern später stehen die Studenten vor einer uralten Mayapyramide und laufen munter in das hüfthohe Gestrüpp, dass die Steine überwuchert. Wie aus dem Nichts tauchen einige Ureinwohner auf, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben als den Tempel zu bewachen, und töten den unwichtigsten weil nicht eingeführten Charakter weil dieser, so schaltet der Horrofilmkenner sofort, durch das Berühren der Pflanzen verflucht ist. Leider sind die Charaktere nicht so schlau und verstehen kein Mexikanisch, was die Situation noch erschwert. Also laufen sie immer weiter auf den höchsten Punkt des Tempels und streifen dabei alle die Pflanze.
Weil kein Ausweg in Sicht ist, das Satellitentelefon nicht geht und ein dunkler Gang das einzig erkundbare ist, stürzt der zweitunwichtigste Darsteller n denselben hinab und bricht sich nicht ein sondern zwei Beine. Die Rettungsaktion mit einem kaputten Seil hat das erste weibliche Opfer zur Folge: Bein angeknackst. Es muss also noch jemand runter – die zweite weibliche Person. Zusammen richten sie den armen Kerl moch mehr zu, weil sie keinen ersten Hilfe-Kurs belegt haben und ihm vermutlich das Kreuz brechen, als sie ihn am Kopf und an den Füßen packen. Immerhin können sie ihn ans Tageslicht ziehen, wo er seinem Tod entgegenblickt. Moment mal, hatte er nicht ein Telefon? Ach Mist, das liegt ja noch unten. Also flugs wieder rein – was so einfach nicht ist, denn die Pflanze scheint mit einem Mal lebendig geworden zu sein und ahmt – die Evolution die Drehbuchautoren bringen manchmal echt wahre Wunder zu Stande – den Klingelton nach. So finden die beiden Damen das Telefon erst spät und werden dabei immer wieder von der plötzlich auch noch hungrigen Blume angegriffen.
Der Rest ist denkbar einfach und wird im Film in ungefähr 25 Minuten abhandelt: Die Pflanze ist ziemlich gemein und kletter sogar in die Zelte, und da bevorzugt in die schlafenden Menschen. Einige Goreszenen müssen freilich noch her; so beschließt man ob der gähnenden Langeweile, die sich breit macht, dem Schwerverletzten die Beinchen abzumachen. Da das Taschenmesser zu klein ist, muss man diese erst mit Steinen brechen. Entgegen der Vermutung, der so geschundene wäre Querschnittsgelähmt und würde unterhalb des Beckens nichts mehr spüren, ist dem nicht so. Schließlich beendet die Kletterpflanze, die nun nicht mehr nur Klingeltöne sondern auch Schreie nachahmt, das Leid. Die Verbliebenen reiben sich gegenseitig mit Schuldzuweisungen auf, außerdem verteilt das Gewächs auch seltsame Parasiten, die das kleine Grüppchen zum Wahnsinn treiben.
Alles in allem: Kein guter Horrorfilm im Sinne einer akzeptablen Story oder guter Leistungen oder psychologischer Interpretationsmöglichkeiten. Aber: Diese Pflanze, das fand ich mal interessant. Beziehungsweise lustig. Warum heißt der Film eigentlich Ruinen? Ich finde „Polyphone Karnivoren (= mehrstimmige fleischfressende Pflanze)“ wäre mal ein richtig innovativer Titel.
Quelle: Bild 2 und 3 von www.filmstarts.deDem Jubeltaumel trotzen 26. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland.Tags: Deutschland, EM, Euphorie, Fußball, Jubel, Taumel, Türkei
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Ich bin zwar nicht gläubig, möchte aber dennoch beichten: Ich habe das Spiel gestern Abend gesehen. Ich ließ den Fernseher einfach laufen und schaute beim Surfen und Zocken gelegentlich hin. Und immer dann, wenn irgendjemand in meinem kleinen Ort meinte, Raketen zünden zu müssen, Böller zu werfen oder laut zu Hupen. Entweder gibt es hier doch mehr Fußballfans als ich dachte oder es war ob des kollektiven Fernsehschauens so still, dass ich die paar Huper umso lauter hören konnte. Sei’s drum. Ich habe mich gefreut, dass die DFB-Auswahl weiter ist. Noch mehr habe ich mich allerdings darüber gefreut, dass die Medien das stetig expandierende Sommerloch nicht mit Krawallen seitens türkischer Fans füllen können – die gab es nicht. Wohl aber übten sich einige Deutsche in dem, was sie wohl unter „sportlicher Rivalität“ verstehen. Und so kannte der Jubel in Berlin und auf den unzähligen Fanmeilen keine Grenzen.
Keine Ahnung, ob ich Probleme mit meinen Emotionen habe oder irgendwie anders bin als Millionen Deutsche. Aber ich habe einfach nicht das Bedürfnis, bei Toren zu schreien. Ich brauche keine Deutschlandflagge, weder im Gesicht noch am Fenster. Ich weiß auch so, in welchem Land ich mich befinde. Deutschland – das ist für mich sicher in gewisser Weise Heimat. Ich mag vieles an diesem Land, manches kann ich aber auch nicht ausstehen. Ginge es darum, Bilanz zu ziehen, käme ich in der Summe wohl auf Null oder ein leichtes Minus. Ehrlich gesagt ist es mir aber egal. Es ist mir nicht wirklich wichtig, ob ein Sportler für Deutschland irgendwo gewinnt. Denn für mich ist das immer der Sieg des Teilnehmers oder der Mannschaft. Schön für ihn/sie, aber mich tangiert das nicht. Diese Haltung, die ich mir selbst auch nicht recht erklären kann und eigentlich gar nicht hinterfragen möchte, treibt regelmäßig Menschen in meinem Bekanntenkreis zur Weißglut. Aber das ist mir dann meistens genauso egal wie Sieg und Niederlage der Deutschen Nationalmannschaft.
Natürlich ist Freude berechtigt, wenn im Fußball eine Mannschaft gewinnt, die man unterstützt. Jedoch, bei allen Glücksgefühlen: Wen bejubelt ihr Fans denn eigentlich? Deutschland? Warum denn Deutschland? Spielt da nicht eine Fußballmannschaft, die weder „von Deutschland“ geschickt wurde noch dieses Land repräsentieren kann und soll? Umso unverständlicher, dass auch die staatliche Vertreterin Frau Merkel die Nationalelf bejubelt, die ja eigentlich eine DFB-Elf ist. Alles kleine Details, über die es sich nachzudenken lohnt. Deshalb empfehle ich an dieser Stelle zwei Artikel, die der scheinbar kollektiven Euphorie trotzen:
Ad Sinistram: Fußball, Schach oder Halma? – Egal, Hauptsache national!
Oeffinger Freidenker: Zum Fußball-Patriotismus
Das ProSieben Sommerprogramm: Hirnverbrannt 25. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Fernsehen.Tags: Bauernhof, Collien, Elton, Fernsehen, Gülcan, Kuhmist, niveaulos, ProSieben, Simon, Simon vs. Elton, TV
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Man könnte diese Missgeburt eines Sommerprogramms ja mit der starken Sonneneinstrahlung und der Hitze erklären, die derzeit herrscht. Wenn man da nicht genug Flüssigkeit zu sich nimmt, kann es schnell passieren, dass das Hirn nicht mehr ordungsgemäß arbeitet. Allerdings verliert diese Theorie schnell an Stichhaltigkeit: Das ProSieben Sommerprogramm wird ja nicht jetzt entwickelt, sondern steckt vermutlich schon seit regnerischen Frühlings- oder gar Winterttagen in den Schubladen des Senders. Und außerdem zeigt ProSieben ja auch im Herbst gerne mal hirnverbrannten Schwachsinn. Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als anzunehmen, dass ProSieben eine neue Zielgruppe hat: Hirnverbrannte.
Oder wie sonst sollen diese beiden Sendungen erklärt werden, die das Münchner Unternehmen da, teilweise mit viel Selbstironie, anpreist? Eine mutwillige Verletzung ästhetischer Menschenrechte? Jedenfalls bewegen sich die aufeinander folgenden Sendungen „Gülcan und Collien“ sowie „Elton vs. Simon“ meines Erachtens in einer Grauzone des Geschmacks. Ich muss mal in Den Haag nachfragen, ob ProSieben sowas ungestraft darf.
Als ob Paris Hilton nicht reichen würde, als ob „Simple Life“ nicht schon schlimm genug gewesen wäre, mutet ProSiebenVolksverdummung dem ahnungslosen Zapper nun auch noch eine deutsche Variante des Ganzen zu. Schlimm genug, dass es auch in Deutschland Bauern gibt, die für Geld scheinbar alles tun, denen es vor nichts graut: Bauer Konrad und Familie haben sich zwar nicht die Pest oder Cholera, dafür aber Gülcan Kamps und Collien Fernandez eingehandelt – egal, was sie dafür bekommen: es wird den Schaden nicht wieder gutmachen können. Und so konnte man gestern beobachten, wie sich kesse Selbstvermarktungskünstlerinnen dümmer stellen als sie es tatsächlich sind. Mit High Heels kommt auf der Weide nicht weit, so das Fazit der ersten Folge. Echt? Wär’ ich nie drauf gekommen. Doch nicht nur die beiden Darstellerinnen bedienen die Klischees hervorragend. Auch die Quartiergeber geben die Bauerntölpel, die noch nie weiter als bis zum nachbarlichen Misthaufen gekommen sind, mit Bravour. Mit dem Unterschied, dass ihrer Zunft damit wirklich geschadet wird, anders als bei den beiden It-Girls, die ihrem Beruf nachgehen. Aber gut, es mus genug Menschen geben, denen diese Blosstellung gefällt.
Gleich im Anschluss kam dann das von ProSieben selbst mit „schrecklich“ und „gehört verboten“ beworbene „Elton vs. Simon“. Früher habe ich Spielshows ja mal gemocht – aber Elton vs. Simon ist ja auch keine
Spielshow, genaugenommen. Hindernisparcour mit Baggern, Aktzeichnungen von hässlichen Körpern, Badehosen ausstopfen – alles „Wettebwerbe“, die natürlich auf Niveaulosigkeit abzielen und anzüglich erscheinen sollen. Die niedern Instinkte mancher Zuschauer werden angesprochen, ohne dass dabei wirklich etwas gezeigt wird. Ganz großes Kino, echt. Auch hier gilt: Der Dumme ist nicht Elton, auch nicht Simon. Der Dumme ist derjenige, der sich das anschaut und nicht begreift, für wie doof er eigentlich verkauft wird. Eine Sendung, in der Männer Größenvergleiche zwischen ihren Geschlechtsteilen ziehen, würe nicht um 21:15 kommen und vermutlich auch nicht auf ProSieben. Auch würde wohl niemand zugeben, sich das anzusehen. Eine Sendung, in der Männer sich die Hose mit Münzgeld ausstopfen, um zu sehen, wer den „größeren Beutel“ hat – die läuft um 21:15 und zieht 13,5 Prozent der Zielgruppe in ihren Bann.
„Hat mal jemand nen Spaten? Ich suche das Niveau!“
Darf man also die Verantwortung nur bei den Sendern sehen? Ich glaube: nein. Solange sich Zuschauer ür niveauloses Fernsehen finden, solange werden es sich gerade die Privatsender zweimal überlegen, ob sie mit geringemfinanziellen Aufwand und schlechter Qualität viel Gewinn machen oder mit hohen Investitionen und guter Qualität im Quotenloch versinken. Das Problem ist nur: Die Öffentlich-Rechten, die auch vom Zuschauer bezahlt werden, sind beinahe noch schlimmer: Sie investieren viel Geld in schlechte Qualität und verlieren beim Quotenvergleich.
Nein, ich plane keinen Amoklauf 25. Juni 2008
Posted by frischmax in Computerspiel, Deutschland.Tags: Amoklauf, Computer, E-Sport, Games Convention, Gewalt, Krieg, Paintball, Shooter, Spiel
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Diesen Spruch habe ich vor kurzem als Aufdruck auf dem T-Shirt eines Festivalbesuchers gesehen. Ich musste schon ein wenig schmunzeln und überlege mir ernsthaft, mir auch so etwas zu kaufen. schließlich ist es nur fair, seine Mitmenschen darauf hinzuweisen, dass man kein Amokläufer ist. Immerhin ist das ja potentiell jeder von uns, ausgenommen Kinder im nicht-waffenfähigen Alter.
Mein Lieblingssender Arte bereitete mir dann gestern Nacht auch ein wenig Freude, als er sich diesem Thema in einigen Sendungen widmete. Ganz spät lief die Dokumentation „Und tot bist du!“[1], die sich vorwiegend auf den realen und virtuellen Sport mit Waffen konzentrierte. Die ziemlich tendenziösen Fragestellungen und Kommentare des Sprechers führten abe rnicht zu einem negativen, tiefschwarzen Bild der angeklagten Fraktion. In meinen Augen haben sich die Vertreter der Paintball-, Geländekampf- und Counterstrikemannschaften recht gut geschlagen. Zwar muten diese Kriegsspiele mit Softairgewehren und Armeedress in verlassenen Kasernen auch für mich befremdlich an. Dieser Eindruck dürfte sich auch bei anderen Zuschauern noch verstärkt haben, als man erfuhr, das der Vereinschef ein ehemaliger NVA-Soldat ist. „Lebt der nicht einfach nur seine Fantasien aus?“, möchte man sich da fragen. Und bis zu einem gewissen Punkt ist das mit Sicherheit der Fall. Allerdings klärte sich im weiteren Verlauf des Films, dass der selbe Mann Sonderschullehrer ist und sich wirklich etwas bei diesem „Sport“ denkt. Denn es ist für die Beteiligten wirklich „nur“ Sport. Vereinssatzung, Regeln, Gemeinschaft – was andere im Schützenveein ausleben, erleben viele Menschen neuerdings bei Paintball und Co. Die Fans dieser Sportarten wissen um den schlechten Ruf und sind darum bemüht, dass extreme politische Gesinnungen und Waffennarren sowie psychisch labile Menschen nicht in ihre Vereine kommen – um den Ruf nicht noch weiter zu verschlechtern und um sich selbst zu schützen. Was in anderen Ländern der europäischen Union nämlich keine roßen Probleme verursacht, ist in Deutschland nach wie vor ein mittlerer skandal und bewegt sich noch immer in einer rechtlichen Grauzone: Paintball. Weil die Parcourbetreiber jederzeit zur Schließung gezwungen werden können, sollte ein Gericht so entscheiden, findet auch hier ein Umdenken statt. Der Prestige- und Imagegewinn soll vorwiegend durch Begriffsänderungen und harte Regeln gefördert werden. Die Waffe heißt Markierer, die Kugeln Bälle – und Krieg spielt hier sicherlich niemand. Freilich sind trotz der „Gewissenskontrollen“, die die Vereine mehr oder weniger streng durchführen, immer welche dabei, die es nicht so ernst nehmen mit der political correctness. Im Film tragen die dann Stirnbänder mit einem Aufdruck wie „Natural Born Killer“ und reden gleichzeitig von der Gewaltlosigkeit von Paintball – der Imagegewinn dürfte hier eher geringen Ausmaßes sein.
Den ehrlichsten Eindruck haben bei mir die E-Sportler hinterlassen. Die Doku zeigte hierzu den Verein
N!Faculty, der (nicht nur) Counter-Strike-Spieler organisiert. Zu Wort kamen die Vorsitzenden des Vereins, unter ihnen: Polizisten. Sie wollen mit ihrer Idee die isolierten und gefährdeten Spieler, die vor dem PC vereinsamen und mit dem Töten und in der Waffe neue Freunde finden, abholen und in eine geregelten Vereins- und Mannschaftssituation bringen. Ein guter Ansatz, denn ohne Zweifel gibt es Spieler, die stark gefährdet sind, irgendwann den Realitätssinn zu verlieren.
Die Debatte ist schwierig. Vor allem, wenn man selbst solche Spiele spielt. Wer mich kennt, kennt mich als friedliebenden, freundlichen Menschen (hoffe ich jedenfalls). Ich war nicht beim Bund, mit der Begründung, dass ich Gewalt und Waffen verabscheue. Ich war Zivi. Und trotzdem: Ich spiele Shooter, ich spiele Ballerspiele. Weil, und das gebe ich zu, es Spaß macht. Das ist nichts verwerfliches, es geht nämlich genau darum, was Spaß macht: Nicht das Töten an sich, nicht das Blut das oft herumspritzt. Mir jedenfalls machen andere Bestandteile dieser Spiele Spaß: die Grafik – meistens sind es die Spiele ab 18, die die tollste Spielmgebung haben. Die Taktik – in vielen Spielen geht es doch eher darum, selbst nicht getroffen zu werden. Das werde ich oft genug, und deswegen versuche ich, andere Wege herauszufinden. Gewinnen – ja, auch darum geht es. Wo denn nicht? Im Schützenverein geanuso wie bei Räuber- und Gendarm! Jedenfalls war ich als Kind immer lieber Räuber – ich wollte mich verstecken und nicht gefunden werden und so gewinnen. Beim Völkerball war ich meistens unter den Letzten, die getroffen wurden. Diese Reihe ließe sich beliebig erweitern und fortsetzen. Es gibt einen Unterschied zwischen Ballerspiel und Ballerspiel. Und es ist vollkommen richtig, dass viele dieser Spiele ab 18 sind. Ich habe erst mit 16 Spiele ab 16 gespielt. Und mit 18 dann die für Erwachsene. Ich finde nicht, dass ich einen Dachschaden habe. Jedenfalls keinen größeren als andere Menschen, die nicht mal solche Spiele spielen.
ICh würde es deshalb begrüßen, wenn man zu einer vernünftigen Diskussion finden würde bei der Frage, ob und wie schädlich Ballespiele sind. Ich fasse zusammen:
Ja, Ballerspiele können gefährlich sein. Genau so wenig wie ein zehnjähriger Rauchen oder Saufen sollte, sollte er Spiele spielen, die nicht für sein Alter geeignet sind. Im Schützenverein sollte man keine Leute aufnehmen, die einen Schrank voller Waffen haben und das bei jeder Gelegenheit betonen müssen - labile Personen sollten keine Killerspiele spielen. Niemand sollte es als einziges Hobby haben, mit seinem Luftgewehr auf eine Zielscheibe zu schießen. Keiner, vor allem Kinder und Jugendliche, sollten unbeaufsichtigt und grenzenlos vor dem PC sitzen.
Ich bin mir sicher: Jeder Mensch, für den ein Spiel eben nur ein Spiel ist und der unabhängig davon Familie, Freunde und andere Hobbys hat – für den wird ein Spiel immer nur ein Spiel sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Quelle:
[1] Arte
Jack is back 24. Juni 2008
Posted by frischmax in Fernsehen.Tags: 24, Action, Fernsehen, Jack Bauer, Serie, Terrorist, TV
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Das deutsche TV-Programm ist es meistens nicht wert, den Fernseher einzuschalten. Und selbst wenn ich auf meine 500 gespeicherten Satellitenprogramme aus ganz Europa zurückgreifen würde: gute Formate sind absolute Mangelware. Qualität im Fernsehen – das gibt es höchstens bei ARD (nach Mitternacht!), ZDF (spät Abends), einem der öffentlich-rechtlichen Digitalprogramme oder eben bei arte (ganztags!), 3-Sat und DW-TV. Aber ich mus zugeben: Immer nur intellektuell ansprechendes Fernsehen, das ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Manchmal sucht man die Zerstreuung, will einfach mal das Gehirn ein wenig herunterfahren. Aber wenn man sich dann Serien und Formate reinzieht, die dazu einladen sollten, sind diese schon wieder so stumpf und anspruchslos, dass der Geist ob dieser Anmaßung auf Hochtouren kommt. Doch, die Rettung naht, zumindest für ein paar Wochen: Jack Bauer rettet dieses Jahr nicht nur die Welt sondern auch meinen Fernsehabend, jedenfalls am Montag.

Okay, die Serie „24″ ist sicherlich keine besonders intelligente. Hau-Drauf-Action, die bösen Terroristen, ein kluger Präsident etc, das hat es alles schon mal gegeben und man kann es sich auch immer wieder halbjählich in den Kino-Blockbustern aus Hollywood ansehen. Ich gebe ohne weiteres zu, dass die ersten Staffeln mit dem verschwitzen, geplagten Mittvierziger sich außer durch die angebliche „Echtzeit“ (real werden ständig ganze Minuten „gestohlen“, da die Serie mit Werbeblöcken geplant wurde – sieht Jack bauer also auch ständig Werbeeinblendungen?) nicht sonderlich vom Hollywoodstandard abgehoben haben. Doch mit sinkenden Zuschauerzahlen verbessert sich in jeder neuen Staffel meiner Ansicht nach etwas Entscheidendes: Der Kerninhalt, also die USA als bedrohtes Land und die Frage, was man gegen Terroristen einsetzen darf, ohne selbst Werte zu verraten.
War Jack Bauer in der ersten Staffel noch der starke Held, der mit ungalublichen Taten konfrontiert wird (für mich eine Paralelle zu den USA, die aus scheinbar heiterem Himmel durch Terroranschläge getroffen werden – die erste Staffel wurde 2001 produziert!), wird er in der zweiten Staffel schon zum harten Hund, der nur noch wenige Entscheidungen hinterfragt – die schlimmen Ereignisse belasten ihn sehr.

Immer härter werden Jack Bauers Methoden, auch vor Folter schreckt der Agent nicht zurück. Schließlich kann er sogar (in Staffel drei) Rache üben an der Mörderin seiner Frau – doch verschafft ihm das Befriedigung? Der Getriebene gibt letzlich fast alles auf, was ihn als „Menschen“ ausmacht – Familie und Beziehungen – und existiert nur noch als einsame Kampfmaschine im Dienst für eine höhere Sache. Das diese höhere Sache mitunter höchst Zweifelhaft erscheint macht die Sache noch komplizierter.
Von Staffel zu Staffel, so scheint es mir, trauen sich die Drehbuchautoren die USA verletzlicher zu zeigen. Gleichzeitig kommt der Terror imme näher, wird immer realistischer. Waren es anfangs Atombomben und Viren, so sind jetzt schon Selbstmordattentäter in den USA unterwegs. Kritisch hinterfragen einige Charaktere das Verhalten der Regierung, die mehr und mehr zwischenKriegstreibern und Friedensstiftern zerrieben wird. Gestern konnte man zu Beginn von Staffel sechs sehen, wie Menschen auf der Straße von großen Bildschirmen (ganz in 1984-Manier) informiert werden, dass islamistische Terrorositen überall lauern können. Wenig später sehen sich die arabisch aussehenden Mitbürger mit Verdächtigungen konfrontiert. Ein Busfahrer lässt einen Moslem stehen, aus Angst, dieser sei ein Terrorist. Wenig später explodiert der Bus, als ein anderer Fahrgast die Bombe zündet. Aber auch der „John-Doe“ muss nun aber dem FBI Tür und Tor öffnen und persönliche Daten herausgeben.
Ich hoffe, dass diese Entwicklung weitergeht. Selten hat eine auf Action getrimmte Serie solche kritischen Inhalte, solche nachdenklich stimmende Momente. Und das ist, gerade weil „24″ hauptsächlich ein anderes Publikum hat als Arte und Co., sehr wichtig.

