Justice 19. Juni 2008
Posted by frischmax in Musik.Tags: House, Justice, Marketing, Musik, Stress, Techno
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Als ich vor zwei Wochen bei Rock im Park zumeist im strömenden Regen der Musik fröhnte, entdeckte ich auch eine mir bis Dato unbekannte Gruppe – Justice. Beinahe hätte ich sie verpasst, zum einen weil sie nur auf der kleinsten Bühne auftreten sollten und zum anderen, weil Justice sich für mich mehr nach Death-Metal oder viel Geschrei anhörte. Doch da die beiden DJs Gaspard Augé und Xavier de Rosnay direkt nach Roisin Murphy (dazu vielleicht bald mehr) dran waren, blieb ich und erlebte eine Überraschung: Das war ja Elektro-/Housemusik! Eine Stilrichtung, die man nicht unbedingt auf einem Rockfestival vermuten würde (okay, Roisin auch nicht^^). Jupiter sei Dank erlebte ich dann spät in der Nacht ein wahres Feuerwerkt tanzbarer Musik – für alles elektronische in dieser Hinsicht bin ich sowieso sehr empfägnlich, habe ich diese Strömungen doch erst seit kurzem in meine Sammlung aufgenommen.
Schon während der Umbauphase standen die Parkrocker bald vor einem großen, leuchtenden Kreuz nebst einigen zusätzlichen Boxen und jeder Menge Kabel und Computer. Da ich nicht wusste, dass es sich um DJs handeln würde, hielt ich das zunächst für Beleuchtungselemente und Show. Doch dann kamen die beiden harmlos aussehenden, fast schüchternen, Musiker und verschanzten sich hinter ihrem überdimensionalen Logo. Ein grooviger, zum religiösen Symbol passender Track eröffnete die Party.
Gerade weil ich in Sachen „Techno“ (ich weiß, grobe Verallgemeinerung) noch am Anfang stehe, habe ich so meine Probleme mit extrem eintöniger, fast nur aus Rhythmus bestehenden Songs – bei Justice ist diese Sorge unbegründet. Sie mixen auf ihrem Debütalbum wie auch live sehr kreativ und in meinen Augen unkonventionell; da sind durchaus klassische Phrasen und Themen oder eben Liedzeilen aus den 70ern. Der bisher größte Hit, „We are your Friends“ basiert hingegen auf einem gleichnamigen Stück einer Elektrorockband aus England, Simian. Durch diesen Discokracher beflügelt, zeichnen die beiden Jungs auch für Remixe bekannter Stars wie Justin Timberlake („LoveStoned„) oder Metallica („Master Of Puppets“) verantwortlich. Meine beiden liebsten Stücke sind „D.A.N.C.E“ und „DVNO“; in Sachen Melodie und Takt sind diese beiden Tracks enorm vielfältig – und tanzbar.
Und obwohl die beiden neuen Helden des französischen House gerade mal ein Album herausgebracht haben (es trägt den Namen – ganz kreativ: „Cross“) stecken sie schon im ersten handfesten Skandal. Nebst einigen sehr hübschen und ästhetischen Videos findet man im Internet einen Clip zum Track „Stress“. Mich hat er sofort an den Film „La Haine“ vo
n Matthieu Kassovitz erinnert. Und das ist kein Wunder, spielt doch das Video offensichtlich in Banlieues und zeigt exzessive Gewalt. Ich persönlich verstand das bisher nicht als Gewaltdarstellung per se sondern als „Hommage“ (in diesem Bezug vielleicht das falsche Wort) oder Bezugnahme auf gerade genannten Film über die Probleme der Banlieues. Aber in Frankreich stieß der Clip auf herbe Proteste; er läuft auf keinem Sender. Vermutlich genau weil er so sehr an die Banlieues erinnert, die Jahr für Jahr Herd schwerer Ausschreitungen sind [1]. Das alleine ficht mich nicht an; es ist das gute Recht eines Künstlers, Probleme nicht zu verschweigen sondern darauf aufmerksam zu machen – und das tut der dokumentarisch gehaltene Clip von Justice auf jeden Fall. Andere Deutungsweisen sehen allerdings rassistische Tendenzen, da zumeist dunkelhäutige die Gewalttäter sind. Das mag vielleicht verallgemeinernd sein, aber wenn man bedenkt, woher viele Einwohner der Banlieues stammen, relativiert sich diese Aussage. Freilich hat ein Videoclip nur in sehr begrenztem Rahmen die Möglichkeit, seine Inhalte genauer zu beleuchten als er es durch Bild und Ton tut. Für mich wäre das also auch noch vertretbar – wenn die Verantwortlichen sich entsprechend äußern würden. Das ist bisher aber noch nicht geschehen – jedenfalls nicht zu diesem Thema. Dafür sind Gerüchte im Umlauf, die den Clip ziemlich eindeutig als Marketingschachzug identifizieren: Die Jacken mit dem Bandlogo, die die Gewaltttäter im Clip tragen sollen bald zum Verkauf angeboten werden! Nun, das macht die Proteste der Fans und der Elektroszene, die zwar gerne im gleißenden Licht steht aber doch viel lieber „unkommerziell“ sein möchte, verständlicher.
Unabhängig davon: Die Musik von „Justice“ hat etwas, dass mich bewegt. Und wenn Musik das erreicht, kann sie so schlecht nicht sein.
Quellen:
[1] Spiegel
Gott spielen 19. Juni 2008
Posted by frischmax in Computerspiel, Weltenbasteln.Tags: Computerspiel, Erschaffen, Game, Gott, Kreatur, Spore
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Gestern habe ich noch vom Erschaffen ganzer Welten geschrieben. Und heute stolpere ich über ein Programm, mit dem man auch die Bewohner erschaffen kann – und man braucht dazu nicht wirklich lange, im Gegensatz zu den diversen ominösen Schöpfungsakten der Religionen, in denen die Genese zumeist Tage oder Wochen in Anspruch nimmt. Gut Ding will Weile haben – muss es aber nicht, wie der „Creature Creator“ beweist. Dieses Labor zum seit langem erwarteten Spiel Spore (ein Reim!) bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, mehr oder weniger abstruse Wesen zu erstellen. Wie wir es von Sims-Erfinder und federführendem Entwickler von Spore, Will Wright, gewohnt sind, kommt das Programm mit kinderbabyleichter Bedienung daher, quietschbunt und schön schräg. Die Schöpfung dauert hier nicht lange, schon gar nicht sieben Tage, und ausruhen muss man sich hinterher auch nicht.
Im Folgenden möchte ich gern einige meiner Kreationen präsentieren. Für einen Appetizer, denn sicherlich soll das Tool Spore wieder in die Medien und Köpfe bringen (es wird ja immerhin seit einigen Jahren entwickelt), bietet es auch ohne die kostenpflichtige Vollversion viele Möglichkeiten.
Das Sho’Kra, ein stromlinienförmiges und schlangenartiges Wesen. Die drei scharfen Mandibeln zerlegen die Nahrung, die die beiden Stielaugen erfassen, in mundgerechte und leicht zu verdauende Stückchen. Zwar wird das Sho’Kra mehrere Meter lang, erreicht dabei aber nur bis zu 30 cm Durchmesser. fsdDer Krokotyrex ist am ehesten mit dem irdischen Urzeitwesen Tyrannosaurus rex zu vergleichen. Große Klappe, dünne Ärmchen – aber ganz schön bissig. sfsf
Der Batzen. Der Name sagt alles und ist ganz sicher nicht phantasielos sondern schlichtweg bezeichnend.
Nunja, ein kurzweiliger Zeitvertreib, der Lust macht auf mehr. Schön für EA-Games, dass sie mit dem kostenpflichtigen Editor auch schon vor Erscheinen des Spiels ordentlich Geld machen können. Seit Erscheinen vor zwei Tagen wurden mehr als (momentan) 400.000 Wesen erstellt; schätzungsweise zwei neue Kreaturen pro Sekunde kommen hinzu. Und das bei einer Demo – mit dem Volltitel „Spore“ dürfte EA dann im Herbst mindestens soviel Geld machen wie seinerzeit mit Sims – bedeutet das, dass auch Spore mit Add-Ons noch in Jahren Geld scheffeln wird? Ich bin mir da fast sicher.
Wer wird Deutscher? 19. Juni 2008
Posted by frischmax in Politik.Tags: Deutsch, Einbürgerung, Intelligenz, Politik
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Zu einer Zeit, da ich das langsame Abschwellen der Quiz-Welle im deutschen Fernsehen sehr begrüße, scheint dieses einstige Ratefieber auf unseren lieben Staat überzugreifen. Okay, Hessen war da viel schneller – aber ganz ehrlich; wer will schon nach Hessen auswandern!?
Und so soll es nun auch einen bundesdeutschen, einheitlichen Multiple-Choice-Test geben, an dem man dann einwandfrei wird feststellen können, ob jemand „deutsch genug“ ist für eine Einbürgerung. Schauen wir uns doch mal an, wie die Fragen lauten könnten:
Wie viele Bundesländer hat die Bundesrepublik Deutschland? A) 14 B) 15 C) 16 D) 17 Die parlamentatische Opposition im Bundestag… A)…kontrolliert die Regierung. B)…entscheidet, wer Bundesminister wird. C)…bestimmt, wer im Bundesrat sitzt. D)…schlägt die Regierungsschefs der Länder vor. In Deutschland sind Jugendliche ab 14 Jahren strafmündig. Was heißt das? Wenn Jugendliche gegen das Gesetz verstoßen, A) bekommen Eltern dieselbe Strafe.
B) werden sie bestraft.
C) bekommen sie keine Strafe. D) werden sie wie Erwachsene behandelt. Die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen heißt A) Köln
B) Dortmund
C) Düsseldorf
D) Aachen Wann wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet? A) 1933
B) 1945
C) 1949
D) 1990
Okay, ich gebe es zu: Ich habe jede der fünf Fragen richtig beantwortet, und das auf Anhieb. Sollte ja nicht so schwer sein. Für jemanden, der das deutsche Elite-Bildungssystem durchlaufen hat. In meinem Fall ist es sogar das bayerische; ich könnte also auch noch beantworten von wann bis wann König Ede der I. über Bayern herrschte.
Was mich umtreibt: Es ist freilich richtig, dass Einbürgerungsanwärter ein wenig über das Land wissen, in dem sie leben wollen oder müssen. Bei gebildeten Ausländern aus reichen Nationen dürfte das kein Problem werden. Aber wie sieht es mit notleidenden Emigranten aus? Nicht unbedingt Flüchtlinge, aber eben ärmere Auswanderer? Auch die sollten Bescheid wissen, was Deutschland für ein Land ist. Werden sie auf diesen Test ausreichend vorbereitet werden. Und, noch viel wichtiger: Weiß man durch diesen Test wirklich etwas über Deutschland, das auch entscheidend ist? Ich glaube eher nicht. Es werden Fakten abgefragt, die irgendwo für das tiefere historische Verständnis wichtig sind – aber so weit stößt der Test ja gar nicht vor. Müsste nicht eher das kulturelle Verständnis, die Sitten und Rechte, anerkannte Normen abgefragt werden? Aber lässt sich so etwas überhaupt prüfen – und falls ja, mit einem Multiple-Choice-Test?
Schlussendlich muss ich doch noch auf die vielen Menschen verweisen, die aus einem unerfindlichen Grund schon gewonnen haben und sich „Deutsche“ nennen dürfen. Vermutlich haben sie die Joker geschickt eingesetzt. Obwohl….wohl eher nicht, bei dieser Intelligenz:
Und nochmal, weils so schön ist weh tut.



