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Der Segen der modernen Technik? 21. Juni 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Technik.
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Technik – was würden wir ohne Computer, iPod, Navigationssysteme und Handy nur machen? Diese Dinge gehören in Deutschland beinahe zur Grundausstattung eines Menschen, der auf dem aktuellen Stand sein möchte. Und es geht immer weiter: das neue iPhone erscheint demnächst, neue Spielekonsolen ziehen in regelmäßigen Abstönden die Jugend in ihren Bann, das Fernsehen wird total digital….und wann fahren eigentlich die Autos endlich selbstständig zum Ziel?

Beim Automobil klappt es vielleicht noch nicht ganz, aber U-Bahnen fahren schon in einigen Städten (z.B. Lyon, Paris) relativ selbstständig. Und auch in Deutschland hat diese neueste Entwicklung in der Optimierung des Nahverkehrs jetzt Einzug gehalten: das kleinste und jüngste U-Bahnnetz in Nürnberg wird nun auf einer Strecke von den neuen führerlosen Zügen befahren. Ich bin, auch wenn ich mich nicht damit auskenne, doch ein Fan von jedweder komplizierter Technik. Ich bewundere diese Errungenschaften. Doch muss man auch nach dem Nutzen fragen dürfen: Was bringt eine vollautomatisierte U-Bahn?

  • Zu allererst fallen die eingesparten Fahrer ins Auge: Auf Dauer muss der Verkehrsbetreiber also keine Fahrer mehr schulen, einstellen und bezahlen. In Nürnberg werden zwar keine Fahrer entlassen. Aber die, die nach und nach wegfallen, arbeiten nun als – ich nehme an: gering bezahlte – Servicekräfte auf dem Bahnsteig.
  • Der Kosten-/Nutzenfaktor insgesamt dürfte ebenfalls ein dickes Pro darstellen: der Computer arbeitet effizienter als jeder Fahrer, und das bei höherer Taktdichte und ohne Nachtarbeitszuschlag. Die Züge können jetzt im 100 Sekunden Takt fahren.
  • Da das Softwaresystem keine Schrecksekunde kennt, dürfte es auch weniger Unfälle geben; wenn die Technik funktioniert.
  • Ausschlagebend in Nürnberg war auch, dass ohnehin neue Fahrzeuge angeschafft werden mussten.

Alles schön und gut. Die Pro-Argumente sind nachvollziehbar und nützen dem unternehmen sowie den Fahrgästen. Und ein Prestigeobjekt hat Nürnberg nun auch erfolgreich abgeschlossen – nach zweijähriger Verzögerung. Der Standort Deutschland hat ein weiteres Leuchtturmprojekt. Doch, bei aller Freude, was bedeutet denn die Möglichkeit, bei voller Fahrt in einen Tunnel starren zu können, wirklich?

Ich sehe da so einige negative Auswirkungen. Tatsöächlich ist es doch so, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Fahrer, Sicherheitskräfte – mit den automatischen Zügen wird die Videoüberwachung ausgeweitet – und auch die Mitarbeiter in der Leitstelle werden weniger werden. Früher hattte man mehrere qualifizierte Arbeitskräfte, um die Technik zu überwachen. Heute ist es fast umgekehrt: Der Computer regelt alles, und mensch schaut ab und an nach dem Rechten. Und da ist der größe Haken:

  • Wenn das Sytem streikt, weswegen auch immer: Die Beeinträchtigungen können alle Größenordnungen erreichen; von „behebarer Schaden“ bis hin zum Totalausfall. Früher wurde der Fahrer getauscht oder kruz war repariert. Heute muss der IT-Techniker oder EDV-Mann möglicherweise lange nach dem Fehler in einem solch komplexen System suchen.
  • Derartige Fehler kommen auch nach jahrelangen Testphasen verdächtig oft vor.

Auch bei meiner (unvollständigen) Auflistung wird klar: Die Vorteile überwiegen. Aber die wenigen gravierenden Nachteile haben es in sich, wenn sie denn eintreten. Früher gab es viele Fehlerquellen bei Mensch und Technik, die sich summierten. Heute gibt es weniges, was schief gehen kann. Aber wenn….

Insofern: Technik ist schön und gut. Aber irgendwie bleibt ein mulmiges Gefühl, wenn man sich auf hochkomplizierte Konstruktionen verlassen muss, von denen wir nichteinmal mit absoluter Sicherheit sagen können, ob die Erfinder selbst sie ganz durchauen können.

Das Asterix-Gefühl 21. Juni 2008

Posted by frischmax in Deutschland.
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Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten.

Diese weltbekannten Zeilen leiteten einst den ersten Comic von Asterix dem Gallier ein. Seitdem haben die von René Goscinny und Albert Uderzo ersonnenen Figuren viele Abenteuer bestanden, waren für Generationen von Kindern und Jugendlichen Bestandteil des Aufwachsens und sind den älteren Fans noch heute viel wert. Und das Weltweit -  in über 80 Sprachen wurde die Reihe übersetzt. Darunter Exotensprachen wie Altgriechisch, Latein oder Unterengadinisch. Alleine in Deutschland liegen einzelne Abenteuer in insgesamt 22 Dialekten vor. Asterix, das ist eine globalisierte Marke im besten Sinn.

Dennoch kann man gerade die anfangs zitierten Zeilen ganz anders interpretieren, wie es ein Artikel Zeit-Magazin Leben vormacht: Ist es nicht so, dass in einer globalisierten Welt sich einzelne Nationen oder Regionen genauso fühlen wie die fiktiven Gallier? Von Römern anderen Mächten umzingelt? Kurz davor, assimiliert zu werden und die kulturelle Identität zu verlieren? Matthias Stolz führt am Beispiel der deuschen Dialekte, die er wieder aufleben sieht vor, dass die eigenen Symbole und Errungenschaften wieder wichtig werden, wenn um uns herum alles nur noch eine Sprache spricht und einem Trend folgt. Um zu wissen, wer man ist, reicht es nicht Englisch zu sprechen von Morgens bis Abends und von Kindesbeinen an. Wissen, woher man kommt um zu wissen, wohin man geht, wie einst jemand (wer?) sagte.

Neben dieser Deutungsweise tauchen noch einige weitere auf: Ist es Zufall, dass in ganz Europa wie auch weltweit nationalistische, patriotische Strömungen wieder erstarken? Ich glaube nicht. Die Angst vor dem großen Ungetüm Globalisierung grassiert doch gerade in jenen Ländern, wo es jahrhundertealte Traditionen und eine meist noch längere Geschichte gibt. In Deutschland, Frankreich, Polen, Tschechien und vielen anderen Nationen des historischen Europas punkten Rechte gerne und oft mit EU- oder UN-feindlichen Standpunten. Und haben nicht die Iren den Lissabonvertrag abgelehnt, und ist daran nicht auch eine gewisse Unwissenheit und Angst beteiligt gewesen – Angst vor dem Verlust der nationalen Eigenständigkeit? All das ist irgenwo verständlich – in demokratischen Staaten darf man seine Meinung sagen und behaupten. Warum sollte das in einem Staatenbund aus demokratischen Nationen nicht gelten?

Eine weitere Sichtweise drängt sich mir mit der gerade stattfindenen EM auf: Warum ist Fußball gerade für die Deutschen immer so wichtig gewesen? Das Wunder von Bern bewies einer gerade erst wieder aufkeimenden Nation, die zuvor Vieles verloren hatte, dass Deutschland wieder zurück war auf der Landkarte, im Sport, in der Staatengemeinschaft. Auch heute sind Siege bei internationalen Events wohl ein Symbol dafür, dass man noch etwas wert ist, noch etwas kann. Insofern sind diese Siege wohl auch nicht verwerflich. Solange es sportlich bleibt.

Nicht nur im Sport, auch in anderen Disiplinen spielen kulturelle Eigenheiten der verschiedenen Teilnehmer eine große Rolle, Machen nicht Musiker, die auf Deutsch singen, in den letzten Jahren Furore? Haben wir nicht seit einiger Zeit eine „Neueste Deutsche Welle“ ? Diese Erfolge haben glücklicherweise jenen Stimmen den Wind aus den Segeln genommen , die sich für eine Quote für deutschsprachige Titel im Radio stark machen. Der Erfolg zeigt: Man muss die eigene Kultur oder Sprache nicht zwangsweise übervorteilen, um sie retten zu können. Vielmehr muss man sie gar nicht retten: Genug Menschen setzen sich ganz zwanglos dafür ein, dass andere ich für uns interessieren. Und nur so, nicht nur „Deutsche hören Deutsch“ findet ein Wettbewerb der kulturellen Identitäten statt, der letzlich allen Vorteile bringt. Freilich nicht jedem zu jeder Zeit – aber jeder wird an die Reihe kommen.

Schlussendlich können gerade wir Deutsche uns zur Zeit nicht als Gallier fühlen. Wie passt ein Asterix-Komplex in das Bild, dass wir und das Ausland von uns haben? Wir drehen Filme über unsere Vergangenheit, wir verkaufen die dunkelsten Kapitel der Geschichte mit hohem Gewinn ins Ausland, wir sind sportlich erfolgreich. Deutsche Technik – weltweit im Einsatz. Exportweltmeister. Deutsche an allen Ecken und Enden der Welt im Urlaub. Und so weiter. Da soll noch mal jemand behaupten, die Globalisierung würde uns bedrohen.