Weltenbasteln I 23. Juni 2008
Posted by frischmax in Weltenbasteln.Tags: Erschaffen, kreativ, Micronation, Mikronationen, Onlinestaat, Staat, System
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In den letzten Tagen habe ich mir eine Art Herrschaftssystem ausgedacht. Mit der Zeit soll das natürlich einmal eine ganz neue Staatsform werden. Und wenn sie funktioniert, wäre das schon ganz toll. Denn außer eine Welt zu erschaffen habe ich mittlerweile noch etwas Anderes vor. Wenn Alles gut geht, könnte sich aus diesem Gebilde eine Mikronation entwickeln. Da mir meine Stammnation Ozeania zur Zeit nur Sorgen und keinen Spaß mehr macht, spiele ich mit dem Gedanken, einfach selbst einen virtuellen Staat aufzumachen. Hier aber nun der unausgegorene Entwurf:
Ich finde, es schaut schon ganz gut aus, so als Skizze. Natürlich sind die ganzen internen Vorgänge wie Wahlen, Modi, Regelungen etc. noch nicht ausgedacht – kommt noch. Ich muss mich heute erst einmal an meiner Kreativität ergötzen.
Wenn ich dieses System in einer Micronation umsetzen kann (Ach, der Begriff ist noch nicht bekannt? Ich erkläre es bei Gelegenheit einmal.), stellt es dem potentiellen Teilnehmer eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, über die der User Einfluss auf die Politik nehmen kann.
Einmal ist da der 3. Stand, der die üblichen demokratischen Institutionen wie Wahlen und Parlamente oder Parteien großräumig umgeht. Vielmehr können alle (männlochen) Bürger des dritten Standes in die „Priesterschule“ aufgenommen werden, von der aus sie sich hocharbeiten bis in eine Art Kurie aus Priestern. Diese sollen dann beratschlagen und mit absoluter Mehrheit Entwürfe für Gesetze oder Ähnliches verabschieden. Das geht dann an den Hohepriester, der über göttliche Weisheit verfügt und daher das letzte Wort hat. Da das ein bisschen unfair wäre, möchte ich eine Art Regel einführen, die ihm die Anwendung dieser Überlegenheit nur in begrenztem Maß gestattet – eine Spielleitung wird das beobachten und den Gottesmann eventuell des Amtes entheben.
Der 2. Stand geht einen relativ demokratischen Weg, die Bürger wählen hier letzten Endes Repräsentanten, die, in Parteien organisiert, im Haus des 2. Standes sitzen und Mehrheiten finden müssen, um letzten Endes Gesetze über den Kanzler in den hohen Rat einbringen zu können – mit zwei Stimmen ist dieser abder dem Geistlichen unterlegen.
Der 1. Stand verzichtet auf Parteien. Hier sprechen sich die Repräsentanten untereinander ab, Entwürfe bedürfen einer einfachen Mehrheit um über den Gesanten in den hohen Rat eingebracht zu werden. Auch der 1. Stand verfügt über nur 2 Stimmen und muss spätestens hier mit den anderen beiden Vertretern zusammenarbeiten.
Klingt toll, oder? Klingt kompliziert, oder? Klingt….hm, ziemlich konfus. So ganz durchschaue ich mich selbst noch nicht. Aber ich arbeite daran. Und wenn dieses System Sinn ergibt, irgendwann in hoffentlich baldiger Zukunft, wid daraus vielleicht ein tolles Spielchen.
Die Anfänge der Romantik 23. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Literatur.Tags: Deutschland, Romantik, Herder, Goethe, Geschichte, Völker, Humanität
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Im Hinblick auf das Studium der Germanistik und Geschichte, dass ich im Herbst aufnehmen möchte, kann es ja nichts schaden, wenn ich mich schonmal ein wenig mit dem Stoff beschäftige, der mich die nächsten Jahre begleiten wird. Immerhin liegt meine Zeit im Deutsch-Leistungskurs schon über ein Jahr zurück; seitdem bin ich der Literatur nicht mehr so nahe gekommen, wie ich es gern gehabt hätte.
Ich werde also nun in wahlloser Reihenfolge über Autoren und Epochen der deutschen Literatur schreiben. Wer weiß, vielleicht kommt am Ende eine zusammenhängende Serie dabei heraus. Für den Anfang muss die Romantik herhalten; dazu habe ich am meisten Muse (weil mir einige Bücher darüber vorliegen) und Lust. Beginnen möchte ich wenigstens dieses Mal am Anfang:
Johann Gottfried Herder gilt gemeinhin nicht als Vertreter der Romantik. Im Gegenteil, er gehört zum „klassischen Viergestirn“ der Weimarer Klassik, wird in einem Atemzug mit Goethe, Schiller und Wieland genannt. Auch reichen sein Leben und Werk nur knapp in die gefestigten Jahre der Romantik hinein. Und doch, bei Herder finden sich Denkweisen und Thesen, die erstmals grob umreißen, was die Romantiker später präziser formulieren werden. Doch zunächst passt Johann Gottfried sehr gut in die Klassik. Anstatt der religiösen Prägung zu folgen, die ihm seine Eltern mit auf den Weg gaben, studiert er nicht nur Theologie, zunächst gilt sein Interesse der Chirurgie, doch als er als Lehrer über ein gesichertes Einkommen verfügt, schließt sich Herder 1762 einem gelehrten Kreis an der Universität Königsberg ein, wo er Vorlesungen Kants lauscht. Astronomie, Metaphysik, Mathematik, Moralphilosphie – Herder bildet sich in vielen Disziplinen. Später werden die Klassiker fordern, dass der Mensch und die Gesellschaft sich durch Bildung, Ästhethik und Humanität weiterenwickeln. Herder ist hier mit seinem Lebenslauf Vorreiter. Sein Wissensdurst scheint so stark zu sein, dass ihm bald Ostpreußen zu beengend wird. Einen gesicherten Lebensstandard, den er in Riga als Gelehrter, Pfarrer und Mitglied der oberen Schicht hatte, gibt der Wissendsurstige 1769 auf und bricht mit dem Schiff gen Frankreich auf – der Heimat seiner literarischen Vorbilder Rousseau und d’Alembert.
Diese Reise ist es auch, die Herder auf gänzlich neue Gedanken brachte:
So denkt man, wenn man aus Situation in Situation tritt, und was gibt ein Schiff, das zwischen Himmel und Meer schwebt, nicht für weite Sphäre zu denken! [1]
Befreit vom gewohnten Alltag und den Gedankengebäuden seiner Idole und Lehrmeister, finden neue Ideen ihren Platz. Keine realen Abenteuer erlebt der junge Philosoph, dafür weitet sich der geistige Horizont:
Welch ein Werk über das menschliche Geschlecht! den menschlichen Geist! die Kultur der Erde! aller Räume! Zeiten! Völker! Kräfte! Mischungen! Gestalten! Asiatische Religion! und Chronologie und Polizei und Philosophie! Ägyptische Kunst und Philosophie und Polizei! Phönizische Arithmetik und Sprache und Luxus! Griechisches alles! Römisches alles! Nordische Religion, Recht, Sitten, Krieg, Ehre! Papistische Zeit, Mönche, Gelehrsamkeit! Nordisch-asiatische Kreuzzieher, Wallfahrter, Ritter! Christliche heidnische Aufweckung der Gelehrsamkeit! Jahrhundert Frankreichs! Englische, holländische, deutsche [⇐192][193⇒] Gestalt! – Chinesische, japonische Politik! Naturlehre einer neuen Welt! Amerikanische Sitten usw. – – Großes Thema: das Menschengeschlecht wird nicht vergehen, bis daß es alles geschehe! Bis der Genius der Erleuchtung die Erde durchzogen! Universalgeschichte der Bildung der Welt! [1]
In Straßburg trifft er auf den fünf Jahre jüngeren Goethe; Herder führt in an Homer, Shakespeare, Winckelmann, Klopstock und andere Größen heran. Eine zerbrechliche Freundschaft nahm ihren Anfang.
„Seine Einwirkung auf mich war groß und bedeutend.“ (Goethe über Herder) [2]
Goethe fühlte sich Herder unterlegen und Herder heißt längst nicht alle Werke seines Bewunderers gut. Von Herder konnte er nie eine „Billigung erwarten“, er konnte sich „anstellen wie er wollte“ [3].
Goethe holt Herder schließlich doch ein. Allerdings wohl nur in der Ankunft am Weimarer Musenhof. Hierhin ruft der Dichterfürst Herder als Superintendenten; ist es verwunderlich, dass auch hier eine Aubfruchstimmung umsich griff, in der Goethe, Lorenz, Klinger und Schiller ihre „wilden Jahre“ zu feiern wussten und das „starke Leben“ priesen? Ganz wie Herder Jahre zuvor ließen sie „das Genie“ in sich frei. Die bessere Anlage in jedem Menschen musste nur frei strömen können, so glaubten die Stürmer- und Dränger. Das idol war hingegen mit anderen Dingen beschäftigt, die erst eine Literaturepoche später wieder auftauchen sollten, und zwar um einiges heftiger. Mit dem Gedanken, dass Natur, Geschichte und Kultur allesamt einer Entwicklung unterliegen, griff er den Romantikern (und nicht nur ihnen) weit vorau. Das alle Stufen dieser Entwicklung ihre Berechtigung haben, dass nicht ein verlorenes Paradies in einer ungewissen Vergangenheit das Ideal sein muss. Das in dieser Entwicklung Erreichte ist für Herder das „Lebensmilieu“, das sich der Mensch erschafft. Erst die modernen Anthropologen werden so weit gehen und den Menschen als „kulturschaffendes Mängelwesen“ sehen – bei Herder finden sich jedoch schon Grundzüge dieser These [4]. Diese Kulturen, die sich jedes Volk selbst schafft, zieht ihn an, sie interessiert ihn. Seine Sammlung von Volksliedern verschiedener Nationen und Völker dient dem Gedanken der „Pluralität der Volksgeister“, er will die Anderen besser verstehen. Das Herder dies absolut nicht in dem Sinne Verstand, den heute Rechtsextreme nutzen um ihren Rassismus zu verschleiern (Pluralität ist bei ihnen die Trennung von Ethnien und Nationen) wird an folgendem Eintrag in seinen „Briefen zur Beförderung der Humanität“ deutlich:
Offenbar ist’s die Anlage der Natur, daß wie ein Mensch, so auch ein Geschlecht, also auch ein Volk von und mit dem andern lerne, unaufhörlich lerne, bis alle endlich die schwere Lektion gefaßt haben: »Kein Volk sei ein von Gott einzig auserwähltes Volk der Erde; die Wahrheit müsse von allen gesucht, der Garte des gemeinen Bestens von allen gebannt werden. Am großen Schleier der Minerva sollen alle Völker, jedes auf seiner Stelle, ohne Beeinträchtigung, ohne stolze Zwietracht wirken. [5]
Die Vielfalt ist wichtig, voneinander lernen statt sich bekämpfen – Humanität in Reinform – und ein bisschen Romantik, weil das gerade zu dieser Zeit noch nicht realisierbar schien. Oder deswegen, weil Herder trotzdem daran glaubte.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass Herder nicht nur mit seinem eigenen biografischen Aufbruch auf die Romantiker gewirkt hat – und auch auf die beiden vorausgehenden Strömungen des Sturm- und Drang und der Klassik. Auch die Anerkennung der anderen Völker, die Wertschätzung des „alten“ Liedguts, der Traditionen – all das findet sich in der romantischen Umsetzung in Märchen, Erzählungen und Theorie wieder. Herder sah die Französische Revolution anfangs wie die Romantiker als Aufbruch, als notwendigen Ausbruch. Und genau wie sie erschrakauch der Verfechter von Humanität angesichts des brutalen Verlaufs.
Rüdiger Safranski bringt Herders Bedeutung für die Romantik schließlich gekonnt auf den Punkt:
„Und darum kann man von Herders Gedanken auf offener See sagen: sie sind schon romantisch, weil sie uns einstimmen auf das Schaukeln der Dinge im Strom der Zeit.“ [6]
[1] http://www.zeno.org/Literatur/M/Herder,+Johann+Gottfried/Theoretische+Schriften/Journal+meiner+Reise
[2] http://www.literaturatlas.de/~lc2/goethe_uber_herder_1770.htm
[3] [4] [6] http://www.amazon.de/Romantik-deutsche-Aff%C3%A4re-R%C3%BCdiger-Safranski/dp/3446209441
[5] http://www.zeno.org/Literatur/M/Herder,+Johann+Gottfried/Theoretische+Schriften/Briefe+zur+Bef%C3%B6rderung+der+Humanit%C3%A4t/Vierte+Sammlung



