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Jack is back 24. Juni 2008

Posted by frischmax in Fernsehen.
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Das deutsche TV-Programm ist es meistens nicht wert, den Fernseher einzuschalten. Und selbst wenn ich auf meine 500 gespeicherten Satellitenprogramme aus ganz Europa zurückgreifen würde: gute Formate sind absolute Mangelware. Qualität im Fernsehen – das gibt es höchstens bei ARD (nach Mitternacht!), ZDF (spät Abends), einem der öffentlich-rechtlichen Digitalprogramme oder eben bei arte (ganztags!), 3-Sat und DW-TV. Aber ich mus zugeben: Immer nur intellektuell ansprechendes Fernsehen, das ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Manchmal sucht man die Zerstreuung, will einfach mal das Gehirn ein wenig herunterfahren. Aber wenn man sich dann Serien und Formate reinzieht, die dazu einladen sollten, sind diese schon wieder so stumpf und anspruchslos, dass der Geist ob dieser Anmaßung auf Hochtouren kommt. Doch, die Rettung naht, zumindest für ein paar Wochen: Jack Bauer rettet dieses Jahr nicht nur die Welt sondern auch meinen Fernsehabend, jedenfalls am Montag.

Okay, die Serie „24″ ist sicherlich keine besonders intelligente. Hau-Drauf-Action, die bösen Terroristen, ein kluger Präsident etc, das hat es alles schon mal gegeben und man kann es sich auch immer wieder halbjählich in den Kino-Blockbustern aus Hollywood ansehen. Ich gebe ohne weiteres zu, dass die ersten Staffeln mit dem verschwitzen, geplagten Mittvierziger sich außer durch die angebliche „Echtzeit“ (real werden ständig ganze Minuten „gestohlen“, da die Serie mit Werbeblöcken geplant wurde – sieht Jack bauer also auch ständig Werbeeinblendungen?) nicht sonderlich vom Hollywoodstandard abgehoben haben. Doch mit sinkenden Zuschauerzahlen verbessert sich in jeder neuen Staffel meiner Ansicht nach etwas Entscheidendes: Der Kerninhalt, also die USA als bedrohtes Land und die Frage, was man gegen Terroristen einsetzen darf, ohne selbst Werte zu verraten.

War Jack Bauer in der ersten Staffel noch der starke Held, der mit ungalublichen Taten konfrontiert wird (für mich eine Paralelle zu den USA, die aus scheinbar heiterem Himmel durch Terroranschläge getroffen werden – die erste Staffel wurde 2001 produziert!), wird er in der zweiten Staffel schon zum harten Hund, der nur noch wenige Entscheidungen hinterfragt – die schlimmen Ereignisse belasten ihn sehr.

Immer härter werden Jack Bauers Methoden, auch vor Folter schreckt der Agent nicht zurück. Schließlich kann er sogar (in Staffel drei) Rache üben an der Mörderin seiner Frau – doch verschafft ihm das Befriedigung? Der Getriebene gibt letzlich fast alles auf, was ihn als „Menschen“ ausmacht – Familie und Beziehungen – und existiert nur noch als einsame Kampfmaschine im Dienst für eine höhere Sache. Das diese höhere Sache mitunter höchst Zweifelhaft erscheint macht die Sache noch komplizierter.

Von Staffel zu Staffel, so scheint es mir, trauen sich die Drehbuchautoren die USA verletzlicher zu zeigen. Gleichzeitig kommt der Terror imme näher, wird immer realistischer. Waren es anfangs Atombomben und Viren, so sind jetzt schon Selbstmordattentäter in den USA unterwegs. Kritisch hinterfragen einige Charaktere das Verhalten der Regierung, die mehr und mehr zwischenKriegstreibern und Friedensstiftern zerrieben wird. Gestern konnte man zu Beginn von Staffel sechs sehen, wie Menschen auf der Straße von großen Bildschirmen (ganz in 1984-Manier) informiert werden, dass islamistische Terrorositen überall lauern können. Wenig später sehen sich die arabisch aussehenden Mitbürger mit Verdächtigungen konfrontiert. Ein Busfahrer lässt einen Moslem stehen, aus Angst, dieser sei ein Terrorist. Wenig später explodiert der Bus, als ein anderer Fahrgast die Bombe zündet. Aber auch der „John-Doe“ muss nun aber dem FBI Tür und Tor öffnen und persönliche Daten herausgeben.

Ich hoffe, dass diese Entwicklung weitergeht. Selten hat eine auf Action getrimmte Serie solche kritischen Inhalte, solche nachdenklich stimmende Momente. Und das ist, gerade weil „24″ hauptsächlich ein anderes Publikum hat als Arte und Co., sehr wichtig.