Das ProSieben Sommerprogramm: Hirnverbrannt 25. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Fernsehen.Tags: Bauernhof, Collien, Elton, Fernsehen, Gülcan, Kuhmist, niveaulos, ProSieben, Simon, Simon vs. Elton, TV
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Man könnte diese Missgeburt eines Sommerprogramms ja mit der starken Sonneneinstrahlung und der Hitze erklären, die derzeit herrscht. Wenn man da nicht genug Flüssigkeit zu sich nimmt, kann es schnell passieren, dass das Hirn nicht mehr ordungsgemäß arbeitet. Allerdings verliert diese Theorie schnell an Stichhaltigkeit: Das ProSieben Sommerprogramm wird ja nicht jetzt entwickelt, sondern steckt vermutlich schon seit regnerischen Frühlings- oder gar Winterttagen in den Schubladen des Senders. Und außerdem zeigt ProSieben ja auch im Herbst gerne mal hirnverbrannten Schwachsinn. Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als anzunehmen, dass ProSieben eine neue Zielgruppe hat: Hirnverbrannte.
Oder wie sonst sollen diese beiden Sendungen erklärt werden, die das Münchner Unternehmen da, teilweise mit viel Selbstironie, anpreist? Eine mutwillige Verletzung ästhetischer Menschenrechte? Jedenfalls bewegen sich die aufeinander folgenden Sendungen „Gülcan und Collien“ sowie „Elton vs. Simon“ meines Erachtens in einer Grauzone des Geschmacks. Ich muss mal in Den Haag nachfragen, ob ProSieben sowas ungestraft darf.
Als ob Paris Hilton nicht reichen würde, als ob „Simple Life“ nicht schon schlimm genug gewesen wäre, mutet ProSiebenVolksverdummung dem ahnungslosen Zapper nun auch noch eine deutsche Variante des Ganzen zu. Schlimm genug, dass es auch in Deutschland Bauern gibt, die für Geld scheinbar alles tun, denen es vor nichts graut: Bauer Konrad und Familie haben sich zwar nicht die Pest oder Cholera, dafür aber Gülcan Kamps und Collien Fernandez eingehandelt – egal, was sie dafür bekommen: es wird den Schaden nicht wieder gutmachen können. Und so konnte man gestern beobachten, wie sich kesse Selbstvermarktungskünstlerinnen dümmer stellen als sie es tatsächlich sind. Mit High Heels kommt auf der Weide nicht weit, so das Fazit der ersten Folge. Echt? Wär’ ich nie drauf gekommen. Doch nicht nur die beiden Darstellerinnen bedienen die Klischees hervorragend. Auch die Quartiergeber geben die Bauerntölpel, die noch nie weiter als bis zum nachbarlichen Misthaufen gekommen sind, mit Bravour. Mit dem Unterschied, dass ihrer Zunft damit wirklich geschadet wird, anders als bei den beiden It-Girls, die ihrem Beruf nachgehen. Aber gut, es mus genug Menschen geben, denen diese Blosstellung gefällt.
Gleich im Anschluss kam dann das von ProSieben selbst mit „schrecklich“ und „gehört verboten“ beworbene „Elton vs. Simon“. Früher habe ich Spielshows ja mal gemocht – aber Elton vs. Simon ist ja auch keine
Spielshow, genaugenommen. Hindernisparcour mit Baggern, Aktzeichnungen von hässlichen Körpern, Badehosen ausstopfen – alles „Wettebwerbe“, die natürlich auf Niveaulosigkeit abzielen und anzüglich erscheinen sollen. Die niedern Instinkte mancher Zuschauer werden angesprochen, ohne dass dabei wirklich etwas gezeigt wird. Ganz großes Kino, echt. Auch hier gilt: Der Dumme ist nicht Elton, auch nicht Simon. Der Dumme ist derjenige, der sich das anschaut und nicht begreift, für wie doof er eigentlich verkauft wird. Eine Sendung, in der Männer Größenvergleiche zwischen ihren Geschlechtsteilen ziehen, würe nicht um 21:15 kommen und vermutlich auch nicht auf ProSieben. Auch würde wohl niemand zugeben, sich das anzusehen. Eine Sendung, in der Männer sich die Hose mit Münzgeld ausstopfen, um zu sehen, wer den „größeren Beutel“ hat – die läuft um 21:15 und zieht 13,5 Prozent der Zielgruppe in ihren Bann.
„Hat mal jemand nen Spaten? Ich suche das Niveau!“
Darf man also die Verantwortung nur bei den Sendern sehen? Ich glaube: nein. Solange sich Zuschauer ür niveauloses Fernsehen finden, solange werden es sich gerade die Privatsender zweimal überlegen, ob sie mit geringemfinanziellen Aufwand und schlechter Qualität viel Gewinn machen oder mit hohen Investitionen und guter Qualität im Quotenloch versinken. Das Problem ist nur: Die Öffentlich-Rechten, die auch vom Zuschauer bezahlt werden, sind beinahe noch schlimmer: Sie investieren viel Geld in schlechte Qualität und verlieren beim Quotenvergleich.
Nein, ich plane keinen Amoklauf 25. Juni 2008
Posted by frischmax in Computerspiel, Deutschland.Tags: Amoklauf, Computer, E-Sport, Games Convention, Gewalt, Krieg, Paintball, Shooter, Spiel
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Diesen Spruch habe ich vor kurzem als Aufdruck auf dem T-Shirt eines Festivalbesuchers gesehen. Ich musste schon ein wenig schmunzeln und überlege mir ernsthaft, mir auch so etwas zu kaufen. schließlich ist es nur fair, seine Mitmenschen darauf hinzuweisen, dass man kein Amokläufer ist. Immerhin ist das ja potentiell jeder von uns, ausgenommen Kinder im nicht-waffenfähigen Alter.
Mein Lieblingssender Arte bereitete mir dann gestern Nacht auch ein wenig Freude, als er sich diesem Thema in einigen Sendungen widmete. Ganz spät lief die Dokumentation „Und tot bist du!“[1], die sich vorwiegend auf den realen und virtuellen Sport mit Waffen konzentrierte. Die ziemlich tendenziösen Fragestellungen und Kommentare des Sprechers führten abe rnicht zu einem negativen, tiefschwarzen Bild der angeklagten Fraktion. In meinen Augen haben sich die Vertreter der Paintball-, Geländekampf- und Counterstrikemannschaften recht gut geschlagen. Zwar muten diese Kriegsspiele mit Softairgewehren und Armeedress in verlassenen Kasernen auch für mich befremdlich an. Dieser Eindruck dürfte sich auch bei anderen Zuschauern noch verstärkt haben, als man erfuhr, das der Vereinschef ein ehemaliger NVA-Soldat ist. „Lebt der nicht einfach nur seine Fantasien aus?“, möchte man sich da fragen. Und bis zu einem gewissen Punkt ist das mit Sicherheit der Fall. Allerdings klärte sich im weiteren Verlauf des Films, dass der selbe Mann Sonderschullehrer ist und sich wirklich etwas bei diesem „Sport“ denkt. Denn es ist für die Beteiligten wirklich „nur“ Sport. Vereinssatzung, Regeln, Gemeinschaft – was andere im Schützenveein ausleben, erleben viele Menschen neuerdings bei Paintball und Co. Die Fans dieser Sportarten wissen um den schlechten Ruf und sind darum bemüht, dass extreme politische Gesinnungen und Waffennarren sowie psychisch labile Menschen nicht in ihre Vereine kommen – um den Ruf nicht noch weiter zu verschlechtern und um sich selbst zu schützen. Was in anderen Ländern der europäischen Union nämlich keine roßen Probleme verursacht, ist in Deutschland nach wie vor ein mittlerer skandal und bewegt sich noch immer in einer rechtlichen Grauzone: Paintball. Weil die Parcourbetreiber jederzeit zur Schließung gezwungen werden können, sollte ein Gericht so entscheiden, findet auch hier ein Umdenken statt. Der Prestige- und Imagegewinn soll vorwiegend durch Begriffsänderungen und harte Regeln gefördert werden. Die Waffe heißt Markierer, die Kugeln Bälle – und Krieg spielt hier sicherlich niemand. Freilich sind trotz der „Gewissenskontrollen“, die die Vereine mehr oder weniger streng durchführen, immer welche dabei, die es nicht so ernst nehmen mit der political correctness. Im Film tragen die dann Stirnbänder mit einem Aufdruck wie „Natural Born Killer“ und reden gleichzeitig von der Gewaltlosigkeit von Paintball – der Imagegewinn dürfte hier eher geringen Ausmaßes sein.
Den ehrlichsten Eindruck haben bei mir die E-Sportler hinterlassen. Die Doku zeigte hierzu den Verein
N!Faculty, der (nicht nur) Counter-Strike-Spieler organisiert. Zu Wort kamen die Vorsitzenden des Vereins, unter ihnen: Polizisten. Sie wollen mit ihrer Idee die isolierten und gefährdeten Spieler, die vor dem PC vereinsamen und mit dem Töten und in der Waffe neue Freunde finden, abholen und in eine geregelten Vereins- und Mannschaftssituation bringen. Ein guter Ansatz, denn ohne Zweifel gibt es Spieler, die stark gefährdet sind, irgendwann den Realitätssinn zu verlieren.
Die Debatte ist schwierig. Vor allem, wenn man selbst solche Spiele spielt. Wer mich kennt, kennt mich als friedliebenden, freundlichen Menschen (hoffe ich jedenfalls). Ich war nicht beim Bund, mit der Begründung, dass ich Gewalt und Waffen verabscheue. Ich war Zivi. Und trotzdem: Ich spiele Shooter, ich spiele Ballerspiele. Weil, und das gebe ich zu, es Spaß macht. Das ist nichts verwerfliches, es geht nämlich genau darum, was Spaß macht: Nicht das Töten an sich, nicht das Blut das oft herumspritzt. Mir jedenfalls machen andere Bestandteile dieser Spiele Spaß: die Grafik – meistens sind es die Spiele ab 18, die die tollste Spielmgebung haben. Die Taktik – in vielen Spielen geht es doch eher darum, selbst nicht getroffen zu werden. Das werde ich oft genug, und deswegen versuche ich, andere Wege herauszufinden. Gewinnen – ja, auch darum geht es. Wo denn nicht? Im Schützenverein geanuso wie bei Räuber- und Gendarm! Jedenfalls war ich als Kind immer lieber Räuber – ich wollte mich verstecken und nicht gefunden werden und so gewinnen. Beim Völkerball war ich meistens unter den Letzten, die getroffen wurden. Diese Reihe ließe sich beliebig erweitern und fortsetzen. Es gibt einen Unterschied zwischen Ballerspiel und Ballerspiel. Und es ist vollkommen richtig, dass viele dieser Spiele ab 18 sind. Ich habe erst mit 16 Spiele ab 16 gespielt. Und mit 18 dann die für Erwachsene. Ich finde nicht, dass ich einen Dachschaden habe. Jedenfalls keinen größeren als andere Menschen, die nicht mal solche Spiele spielen.
ICh würde es deshalb begrüßen, wenn man zu einer vernünftigen Diskussion finden würde bei der Frage, ob und wie schädlich Ballespiele sind. Ich fasse zusammen:
Ja, Ballerspiele können gefährlich sein. Genau so wenig wie ein zehnjähriger Rauchen oder Saufen sollte, sollte er Spiele spielen, die nicht für sein Alter geeignet sind. Im Schützenverein sollte man keine Leute aufnehmen, die einen Schrank voller Waffen haben und das bei jeder Gelegenheit betonen müssen - labile Personen sollten keine Killerspiele spielen. Niemand sollte es als einziges Hobby haben, mit seinem Luftgewehr auf eine Zielscheibe zu schießen. Keiner, vor allem Kinder und Jugendliche, sollten unbeaufsichtigt und grenzenlos vor dem PC sitzen.
Ich bin mir sicher: Jeder Mensch, für den ein Spiel eben nur ein Spiel ist und der unabhängig davon Familie, Freunde und andere Hobbys hat – für den wird ein Spiel immer nur ein Spiel sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Quelle:
[1] Arte
