Wo viel Geld ist… 29. Juni 2008
Posted by frischmax in Politik, Weltweit.Tags: Bill Gates, Foundation, Gates Foundation, Gesellschaft, Impfstoff, Melinda Gates, Stiftung
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…da ist auch Schatten. Diese leichte Abwandlung der bekannten Redensart ist wohl nur schwer anzufechten. Geld regiert vielleicht die Welt. Lenken tun sie aber Menschen – die für Geld entscheiden, in welche Richtung die Reise geht. Als wäre das nicht bedenklich genug, bringt auch der altruistische oder gar planlose Einsatz von Geld beinahe zwanghaft Nachteile mit sich – selten treffen die freilich den, der es ausgibt.
Nun wird ja gerne und oft gefordert, „die Reichen“ sollen doch bitteschön ihr Geld den Armen geben. Schließlich gibt es mehr als genug und die reichsten Menschen der Welt können vermutlich niemals all ihre Finanzkraft auf einmal freisetzen, da das jeden Markt und möglicherweise die betroffene Nation gehörig aus dem Gefüge reißen würde. Abgesehen davon: Wofür will man es denn ausgeben, wenn man alles hat, was es für Geld zu kaufen gibt.
So oder so ähnlich hat vielleicht Bill Gates gedacht, als er 1994 die „William H. Gates Foundation“ gründete. Stiftungen zu gründen ist nicht erst seit damals ein beliebter Zeitvertreib der Reichen. Natürlich nicht aus purer Nächstenliebe sondern auch wegen der Steuervorteile, die das so investierte Vermögen betreffen. Doch der Einsatz von Geld, dass eine stets in der Kritik stehende Firma abwirft, über eine scheinbar neutrale Organisation hat noch weitere positive Auswirkungen. Denn wenn die Einrichtung auch noch den eigenen Namen trägt, gewinnt man auch noch Prestige für das Parken von Geld.
So zynisch und negativ möchte ich die 1999 in „Bill & Melinda Gates Foundation“ umbenannte Stiftung nicht sehen. Ich bin keiner von denen, die alle finanzkräftigen Firmen und Menschen als Personal des Teufels ansehen. Ich glaube, dass viele wirklich für eine gute Sache (zu) arbeiten (glauben). Und wenn man sich ansieht, was der einstige Nerd mit seiner neuen altem Arbeitsstelle bewirkt, gibt es da zunächst wenig zu meckern: Landwirtschaftliche Entwicklung, Zugang zu Krediten und Versicherungen, Informationstechnologie – all das wird zwischenzeitlich mit Geld der mächtigsten Stiftung der Welt in Dritte-Welt-Ländern aber auch in Lettland oder Rumänien gefördert. Weitere Gebiete sind zum Beispiel die Forschung an Impfstoffen und die Bereistellung von Medikamenten sowie die Förderung der Bildungsinfrastruktur in den USA. [1] Dabei fließen enorme Mengen Geld. Die Frage ist nur, und hier kommen die Schattenseiten ins Spiel, wann fließt Geld von der „Bill & Melinda Gates Stiftung“?
Gerade in Bill Gates Heimatland verweisen Kritiker oftmals auf die Aktivität der Stiftung im Bildungssektor.
Der ist chronisch unterfinanziert – ohne Fundraising und wohlgesonnene Firmen oder Privatpersonen können Schulen selten eine optimale Lernumgebung bieten. Wenn nun eine Schule beispielsweise Linux einsetzen würde, weil dieses System in der Anschaffung günstig ist und Geld für andere Bereiche frei wird – kann diese Schule dann überhaupt hoffen, Geld von einer Stiftung zu bekommen, die auch durch Microsoft finanziert wird? Und wie sieht es aus mit Politikern, die es nicht schaffen die so wichtigen Gelder dieser Stiftung zu bekommen? Ob absichtlich oder nicht, ob direkt oder indirekt: Das viele Geld bringt einige Fragen mit sich.
Auch die Arbeit der Stiftung an sich ist teilweise fragwürdig: Zwar fördert man die Entiwcklung und Herstellung neuer Medikamente und Impfstoffe gegen Aids, Malaria, Tuberkulose usw. Gleichzeitig besitzt die Foundation aber Anteile an Pharmakonzernen wie Pfizer oder Merck, die mit ihren Patenten stets die Entwicklung von billigen Generika behindert haben. Diese Widersprüchlichkeit gipfelt im „blind-eye investing“; 2007 wurden Vorwürfe laut, dass der vermögensschaffende Teil gegen den wohltätigen arbeitet indem er in Firmen investiert, die beispielsweise durch Abwässer Krankheiten verursachen, die ebenfalls mit
Stiftungsgeld bekämpft werden. [2] Wenn die linke Hand nicht weiß, was die Rechte tut…. Ebenfalls Anlass zur Sorge gibt der gigantische Kapitalstock von derzeit ca. 37 Milliarden Dollar. Durch diese enorme Finanzkraft geht in manchen Forschungsabteilungen scheinbar nichts mehr, wenn einmal kein Geld aus Seattle kommt – weil andere Geldgeber schlichtweg nicht so hohe Summen in ein Projekt stecken können. [3]
All das ist für die Armen, die von den Projekten sicherlich profitieren, relativ egal. Die Hilfe kommt an. Bleibt nur die Frage, ob sie irgendwann auch noch ohne die Hilfe einer einzigen Organisation leben können.
Quellen:
[1] Gates Foundation
[2] Dark cloud over good works of Gates Foundation (Los Angeles Times)

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