Science-Fiction im Alltag 30. Juni 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Technik.Tags: Japan, Roboter, Science Fiction, Zukunft
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Für uns vermeintlich so weit fortgeschrittene Europäer sind längst nicht alle Entwicklungen der modernen Technik alltäglich. Zwar gehören in Westeuropa ein oder mehrere Computer, Autos mit Einparkunterstützung oder halbautomatische Bürogebäude zu jenem Luxus, den sich zwar längst nicht jeder leisten kann, den man aber immer öfter im antrifft. Wenn jedoch über automatische Toiletten und Roboterstaubsauger gesprochen wird, dann fast immer mit einer gewissen ungläubigen Miene. Klar, die Entwicklung solcher Systeme ist weit fortgeschritten, aber im Haus hat man sowas noch nicht. Jedenfalls in Europa. In Japan ist nicht nur die Forschung weiter, auch die Akzeptanz der neuen Technik ist größer.
Aus dem Fernsehen kennen wir diese Berichte, die uns von Brennstoffautos, elektrischen Haustieren und Altenpflegerobotern berichten. Sehr populär auch hierzulande: die tanzende Robotergarde.
Bei all diesen Meldungen vergisst man schnell, dass das nicht nur zum Vergnügen durch den Bouldevardblätterwald rauscht. In Japan meint man diese Spielereien total ernst. Und so darf es auch nicht
verwundern, wenn das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie verkündet, bis 2025 Service-Roboter in die Gesellschaft integrieren zu wollen. Damit sind auch keineswegs nur die kleinen kugeligen Saug- und Putzmaschinen gemeint, die es schon bis nach Europa geschafft haben. Die Haushalte in Japan oder Südkorea sollen über wahre Allrounder verfügen, die Fenster putzen und Essen machen, Vokabeln mit den Kindern üben und Störungen in der Haustechnik melden. Und wenn die Hausbewohner einmal ins Rentenalter kommen – in Japan werden bis 2025 über 25 Prozent der Bevölkrung 65 oder älter sein – werden spezielle Roboter die Pflege übernehmen.
Das diese Integration von Maschinen in das tägliche Leben so stattfinden wird – das klingt für Europärer
wohl eher nach Science-Fiction. Allerdings spricht einiges dafür. Die Shinto-Religion, der 84 Prozent der japanischen Bevölkerung angehören, ist vom Animismus geprägt, wonach alle Lebewesen, die Natur und sogar Dinge so etwas wie eine Seele haben. Somit war elektronisches Spielzeug für Japaner nie so fremdartig und steril, wie es vielleicht auf viele Eorpäer gewirkt hat. In Deutschland tun sich die Kirchen ja schon schwer, Haustieren eine Seele zu gönnen. Während manche Menschen ihren Autos Namen geben, haben in Ostasien Computer, Spielzeug und andere Dinge selbstverständlich Namen. Im Westen hingegen drehen derartig subjektivierte Elektrowesen in Filmen oftmals durch – siehe I, Robot oder auch Frankenstein als Prototypen eines Cyborgs. Und in Matrix versklaven uns unsere hiflreichen Maschinen.
Die Angst vor diesen Entwicklungen wird hier wohl auch weiterhin verindern, dass Roboter so eine bedeutende Rolle im Alltag spielen dürfen. Und ehrlich gesagt: Auf die Toilette gehe ich immer noch ganz gerne selber.
Quelle:

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