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Man kann es auch übertreiben 1. Juli 2008

Posted by frischmax in Deutschland.
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Beim Oeffinger Freidenker stieß ich vorhin auf folgende Begebenheit in Braunschweig. Der Name der Stadt ist fast schon symptomatisch für folgende kurze Geschichte: Ein Kreuzworträtsel in der Braunschweiger Zeitung hatte als Lösungswort die ehemalige Bezeichnung für Schaumküsse, “Negerkuss”. Nun gut, ich persönlich benutze das Wort Neger nicht, weil ich es plump und beleidigend finde. Abgesehen davon, dass aber “Neger” in seiner amerikanischen Gangstaschreibweise “Nigga” (und von Dunkelhäutigen verwendet) gar ehrehrbietend und nicht Beschimpfung gemeint sein kann, ist das Lösungswort eben “Negerkuss” und nicht Neger. Man könnte es bei diesem kurzen gedankengang belassen und sich wichtigen Aufgaben zuwenden. Zum Beispiel dem Kampf gegen Rassismus an den Stellen, wo er in seiner ganzen Hässlichkeit zu Tage tritt. Manche Menschen haben aber zu viel Zeit oder meinen es einfach zu gut: Die AG Kolonialismus im Braunschweiger Friedensbündnis nahm sich der Sache an und wies die Zeitung darauf hin, dass “Neger” ein unschönes Wort ist. Das das nicht falsch ankommt: Ich bin sehr dafür, dass man rassistische Tendenzen im Keim erstickt. Etwa, wenn sich Kinder als Neger beschimpfen oder, wie derzeit in Mode, als “Du Jude!”. Aber ich glaube nicht, dass eine Zeitung (die Kreuzworträtsel meines Wissens nicht selbst herstellt) ein furchtbarer oder fruchtbarer Boden für Rassenhass ist, wenn ein Kreuzworträtsel ohne jeden Bezug zu einem Vorfall, einem Bericht oder ähnlichem ein Wort beinhaltet, das früher in aller Munde war – und damals durchaus als rassistisches Wort! Insbesondere dann nicht, wenn der Chefredakteur das so nett erklärt:

Man muss den Teufel doch nicht auch noch da an die Wand malen, wo er gar nicht ist, oder? Und wenn man damit schon anfängt: Was ist mit der Mohrenapotheke um die Ecke? Und darf Braunschweig noch so heißen? Erstens beleidigt es dunkelhäutige Menschen – sollen die etwa alle schweigen? Und zweitens erinnert der Name auch an das braune Pack, dass “Neger” wirklich diskriminierend benutzt hat!

Scherz beiseite: Ich finde die Bemühungen dieser Bürgerinitiative gut und richtig. Und Fälle wie die rassistische Einlasspraxis mancher Diskothek sind es wert, angeprangert zu werden. Aber wenn solche Bemühungen dann nur noch sekundär wahrgenommen werden, weil sich Menschen mit einem für sie sicherlich todernsten Anliegen lächerlich machen – dient das keinesfalls der Sache, für die so viele in diesem Land kämpfen. Haben wir nicht weitaus gravierendere Probleme, als dass wir über den Namen eines schwarzen Schaumgebäcks, dass nicht mal besonders gut schmeckt, streiten müssen!?

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