Der Motzer 2. Juli 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Politik.Tags: CDU, Grüne, Neue Soziale Marktwirtschaft, Oswald Metzger, SPD
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Ich habe ihn eigentlich nur durch seine amüsanten Talkshowauftritte kennen gelernt. Ich fand diesen kleinen Mann mit den raubtierartigen, hervorstechenden Zahnreihen und der komischen Hornbrille sehr lustig. Der echauffierte sich immer so arg, schien gleich im Studio herumzuhüpfen wie Rumpelstilzchen. Erst als ich jemanden fragte, ob dieser Typ mit seinem Programm auch mal in meiner Nähe gastiere, erfuhr ich, dass Oswald Metzger ein Politiker ist. Einige Tage nach dieser Erkenntnis wurde ich erneut vor den Kopf gestoßen: Der keifende Politiker mit der hässlichen Hornbrille wechselte nämlich zum zweiten Mal die Partei und hat heute eigentlich keine Funktion als Politiker. Heute weiß ich: Oswald Metzger ist ein klassischer Motzer.
Und so ist es eigentlich nicht einmal peinlich, dass ich ihn nicht als Politiker kannte. Denn außer für die Erfindung der Sportart „Extreme-Parteien-Hopping“, die sich bisher nicht durchgesetzt hat, ist der Schwabe nur dafür bekannt, dass er schimpfen kann wie ein Rohrspatz.
„Wir können doch heute schon bei Sozialhilfe-Biografien über Generationen beobachten, dass Menschen, die von Transfereinkommen leben, nicht aktiviert werden. Sozialhilfeempfänger werden keineswegs schöpferisch aktiv. Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen. Die wachsen dann verdickt und verdummt auf.“ – im Interveiw mit Hans-Peter Schütz, stern.de, 20. November 2007
Okay, er hatte ein paar Ämter: Ein Blick in die Wikipedia zeigt, dass der Rot-Grün-Schwarze schon Kreisrat, Gemeinderat und sogar beinahe Bürgermeister von Bad Schussenried war. Interessant ist, dass er in den fünf Jahren bei der SPD anscheinend keine politischen Ämter inne hatte – vielleicht, weil diese alte Partei schon über eine Diskussionskultur verfügte, die starke Egos entweder noch stärker machte oder – wie eventuell bei Metzger, überliefert ist da nichts – bremste. Für die damalige Krawall-und-Ökopartei saß er dann auch zwölf Jahre im Bundestag und wurde Mitglied des Haushaltsausschusses und haushaltspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er erwarb sich den Ruf eines Finanzexperten und neolibeale Speerspitze der Grünen.
Eine solche Haltung, die sich gegen die klassischen Prinzipien der SPD oder der Grünen stellte, führte dann auch zum Ende seiner Zeit bei den Grünen; er wechselte im März 2008 zur CDU. Da auf dem Nürnberger Parteitag ende 2007 sein Appell an die „wirtschaftspolitische Vernunft“ bei seinen Parteikollegen nicht erhört wurde, entschied er sich wegen dieser Niederlage wie vorher angekündigt zum Austritt. Bei der CDU wollte er per Direktmandat des Kreises Biberach zurück in den
Bundestag – allerdings fiel er gegen einen anderen Kandidaten bei der Aufstellung durch – mit 42 Prozent der Stimmen, was für ein Neumitglied ein hohes Ergebnis sein dürfte.
Was nun? Noch ein Parteiwechsel? Das dürfte schwer werden, jedenfalls wenn Metzger noch irgendwelche Ämter erreichen möchte. Vielleicht sollte er lieber seine bisherigen Aktivitäten vertiefen, und sich für die „Neue Soziale Marktwirtschaft“ einsetzen – Metzger fungiert dort als Berater. Überhaupt, genauso wie diese Initiative der Ludwig-Erhard-Stiftung es versteht, ihre wirtschaftsfreundlichen Positionen als notwenige Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft zu verkaufen, konnte sich Metzger erstaunlich lange als Grüner ausgeben. Aber, wie er selbst versichert: Geld ist dabei enorm hilfreich:
In seiner SPD-Zeit hat Metzger übrigens eine linksalternative Zeitschrift mit herausgegeben. Ihr Name: „Der Motzer“. WIe wäre es mit einer gleichnamigen Talkshow? Oder vielleicht gleich ein Comedyprogramm! Die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht, und der Verdienst auch nicht.

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