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Männer unter sich 4. Juli 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Gesellschaft, Nachgedacht.
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Machen Frauen so etwas einfach nicht oder wird es nur nicht publik?  Natürlich, man kennt das Gerede vom „Augen auskratzen“ und von bösen Intrigen, Verhaltensweisen also, die eigentlich immer mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung gebracht werden. Erst vor kurzem hat eine Freundin in meiner Gegenwart davon gesprochen, dass Männer ja viel direkter zueinander seien, im Guten wie im Schlechten. Wenn sich Männer verstehen, sind sie Kumpel, trinken Bier und reißen perverse Witze. Wenn ordentliche Dissonanzen auftauchen, hauen sie sich und gut ist es (jedenfalls wenn einer klar verliert). So weit jedenfalls die Theorie meiner Bekannten, die von positiven wie negativen Vorurteilen nur so strotzt. Abgesehen davon, dass ich mich nicht gerne in die Gruppe der „Männer“ einordnen lasse (und schon gar nicht in jene, die die Fäuste sprechen lässt), möchte ich einmal näher betrachten, was „Männer unter sich“ so alles treiben. Ausschlagebend dafür ist folgende Begebenheit:

Wie bei der Bundeswehr oder der Polizei, den Kärwabuam und unzähligen anderen Vereinen gibt es auch beim Inbegriff von männerbezogener Kameradschaft, der Feuerwehr, gewisse Traditionen. Von jährlichen Festen über spezielle Sprachcodes und Kleidung bis hin zu den Aufnahmeritualen, die am Anfang einer Vereinskarriere stehen. Ich war selbst kurzzeitig bei der örtlichen Feuerwehr – im Vergleich zu nachfolgender Story habe ich es aber gut erwischt, wie mir scheint: mit einer Taufe in voller Montur im örtlichen Fließgewässer wurde ich zum Mitglied. Die Feuerwehr in Oer-Erkenschwik würde sich mit solchen langweiligen Spielchen nicht zufrieden geben: Anwärter – also möglicherweise Jugendliche ab 14, bestätigt ist das aber nicht – wurden hier zwischen 2002 und 2004 nackt an Bierbänke gefesselt und mit Wasser bespritzt. Andere mussten sich ihr Geschlecht mit Schuhcreme einreiben lassen, eine junge Kameradin fühlte sich außerdem sexuell belästigt. Natürlich, auch ich kenne genug Menschen, die derartige Vorgänge lustig finden – und das auch im nüchternen Zustand. Ich empfinde solche Rituale hingegen ziemlich primitiv und abstoßend; nicht einmal Alkohol dürfte da als Entschuldigung gelten (was aber innerhalb solcher Vereine sicherlich oft genug anerkannt wird).

Interessant ist, dass in den meisten Fällen immer Männer andere Männer solchen körperlichen und psychischen Misshandlungen aussetzen. Das bekanntestes Beispiel ist wohl die Bundeswehr. Mir persönlich hat schon das offizielle Erscheinungsbild dieser Organisation gereicht, um zu verweigern: Psychischer Druck durch Anschreien, Drohungen, Kollektivsstrafen, Erniedrigung usw. gehören zum normalen Alltag eines Soldaten, auch und gerade in der Grundausbildung, wie es mir Bekannte bestätigt haben. Schreiende Erwachsene finde ich schon mal ziemlich lächerlich, Drohungen und Kollektivstrafen unnötig und dumm, Erniedrigungen sind zumindest an der Grenze der Legalität. In meinem Entschluss, den Wehrdienst nicht anzutreten, wurde ich durch die Vorfälle in manchen Kasernen, die bundesweites Medieninteresse auf sich zogen, nur noch bestärkt. Aber solche Geschehnisse kommen ziemlich oft vor:

Das sind Männer unter sich. Ich wüsste von keinem Fall, in dem Frauen sich so etwas untereinander antun. Mag sein, dass Intrigen und psychischer Terror dort Mittel der Wahl sind und die eigentliche Misshandlung in subtilerer Art und Weise stattfindet als bei einer Gruppe von Männern – Frauen treten als Täter in solchen Fällen jedenfalls nicht oft in Erscheinung.

Warum aber sind Männer so grausam zueinander? Das Klischee scheint zu stimmen und es wird gerne eingesetzt: im Film, im Buch, im realen Leben. Wenn jemand die Wörter „Seife“ und „bücken“ benutzt, weiß jeder was damit gemeint ist (Ich werde auf diese unterste Ebene nicht weiter eingehen, aber das Geschrieben ist auch darauf anwendbar). Und gerade in den männlichsten Bereichen der Gesellschaft, (neben dem Fußball eben) in den  Vereinen, treten diese Verhaltensweisen zu Tage. Ich bin kein Verhaltensforscher und auch kein Psychologe. habe aber dennoch ein Vermutung. Vielleicht, und das ist nicht sehr schmeichelhaft für die Krone der Schöpfung, ist der Mensch einfach doch nicht so weit vom Tier entfernt, wie er es gerne wäre. Und dann ist möglicherweise der Mann im Speziellen den tierischen Trieben und Instinkten noch in vielen Situationen unterworfen. Somit wäre die Herabsetzung des Anderen nur ein Mittel, um die eigene Stellung zu verbessern. Oder, um zum Feuerwehrbeispiel zurückzukommen, um den Anderen, den Neuling, wissen zu lassen, wo der Hase lang läuft. Wer der Boss ist.  Die Gruppe lässt sich quasi wie ein Wolfsrudel einteilen und nach Raoul Schindlers Gruppendynamik erklären. Anführer, Spezialisten, Arbeiter und die Omega-Position, also das Opfer. Für mich erscheint diese Theorie, die sicherlich noch ausbaufähig ist und mit weiteren Argumenten untermauert werden muss, leider in vielen Fällen als sehr wahrscheinliche Erklärung. Ich habe es oft genug miterlebt, ich bin ein Mann. Und, ich bin nicht gerne nur unter Männern. Woher kommt das nur…?

Ästhetik der Repräsentation 4. Juli 2008

Posted by frischmax in Architektur, Deutschland, Medien, Weltweit.
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Mehr als 20 Jahre Planungszeit, 14 Jahre Bauzeit und vermutlich über 100 Millionen Dollar hat es gekostet: Das neue repräsentative Botschaftsgebäude der USA in Berlin, direkt am Brandenburger Tor. Schon einmal residierte hier der Botschafter der mächtigsten Nation der Welt: im Palais Blücher. Jedoch hatte man damals wenig Glück mit dem Standort: Im Jahr des (aufgezwungenen) Erwerbs brannte das Gebäude aus und so nahmder Botschafter erst ab 1939, nach jahrelangem Wiederaufbau, die Arbeit auf um dann 1941 nach der deutschen Kriegserklärung einbestellt zu werden. Da das Gebiet um das Brandenburger Tor erst im sowjetischen Sektor und dann im Grenzgebiet lag, wurde der Bau 1957 abgerissen – vielleicht hat er dem DDR-Big-Brother die Sicht verstellt?

Nunja, zurück zum Thema: Vielleicht war es diese Erfahrung, dass ein Botschaftsgebäude teuer , repräsentativ, letzten Endes aber nicht im Einsatz war, die die USA dazu bewogen haben, es dieses Mal anders zu machen: Teuer und funktional. Und was für ein kollektiver Aufschrei geht da durch die Republik: Wie können sie nur, die Amerikaner!? Was erlauben die sich, an dieser Stelle so ein/e…

zu errichten?

Ganz ehrlich? Wir Deutschen sollten ganz vorsichtig sein, wenn es um Repräsentation im Ausland geht. Unsere Botschaften sind nicht gerade Schönheiten:

Naja, „hübsch“ ist das jedenfalls nicht. Diese Bauten könnten genauso gut ein Bürogebäude oder, siehe Wellingtonn, eine Schule in Deutschland sein. Aber geht es bei Botschaften denn überhaupt um Schönheit, Ästhetik, Eleganz? Ich glaube: eher nicht. Botschaftsgebäude sind zwar auch repräsentativ. Aber nicht umsonst finden Empfänge und wichtige Treffen meistens in anderer Umgebung statt. Auch wenn es für die neue US-Botschaft in Berlin als Schimpfwort gebraucht wird: Es ist tatsächlich ein Bürogebäude. Da wird gearbeitet und es steht nicht nur da, um fotografiert zu werden.  Allerdings passt das Aussehen einfach zu dem, was die Vereinigten Staaten und vielmehr die Politik in den Augen vieler prägt: Weltpolizei, Angsthasen, Betonschädel, Bunkerbauer – das wird jetzt alles auf dieses Gebäude gebündelt. Dabei sind auch Deutsche Botschaften den gleichen Regeln unterstellt: Sicherheit, nochmal Sicherheit und Funktionalität. Wenn wir allerdings auf einige tatsächlich schöne Gebäude zurückgeifen können, dann meistens in jenen Ländern, die „wir“ früher mal „hatten“.

Deutsche Botschaft Prag
Deutsche Botschaft Prag

Im Hinblick auf das Sommerloch ist es natürlich ein Segen, dass die Medien in Sachen „Bezeichnung für die US-Botschaft“ einen wahren Kreativitätswettstreit ausfechten können. Mehr Potenzial hat die ganze Debatte allerdings auch nicht. Das Haus steht, da wird sich in den nächsten Jahrzehnten nichts mehr dran ändern. Und irgendwie ist es ja auch schön, dass die Berliner einen neuen Spitznamen in die illustrne Reihe von der „Schwangeren Auster“ und der Kanzleramts-“Waschmaschine“ einfügen können: Pancake.