Ästhetik der Repräsentation 4. Juli 2008
Posted by frischmax in Architektur, Deutschland, Medien, Weltweit.Tags: Architektur, Berlin, Botschaft, US-Botschaft, USA
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Mehr als 20 Jahre Planungszeit, 14 Jahre Bauzeit und vermutlich über 100 Millionen Dollar hat es gekostet: Das neue repräsentative Botschaftsgebäude der USA in Berlin, direkt am Brandenburger Tor. Schon einmal residierte hier der Botschafter der mächtigsten Nation der Welt: im Palais Blücher. Jedoch hatte man damals wenig Glück mit dem Standort: Im Jahr des (aufgezwungenen) Erwerbs brannte das Gebäude aus und so nahmder Botschafter erst ab 1939, nach jahrelangem Wiederaufbau, die Arbeit auf um dann 1941 nach der deutschen Kriegserklärung einbestellt zu werden. Da das Gebiet um das Brandenburger Tor erst im sowjetischen Sektor und dann im Grenzgebiet lag, wurde der Bau 1957 abgerissen – vielleicht hat er dem DDR-Big-Brother die Sicht verstellt?
Nunja, zurück zum Thema: Vielleicht war es diese Erfahrung, dass ein Botschaftsgebäude teuer , repräsentativ, letzten Endes aber nicht im Einsatz war, die die USA dazu bewogen haben, es dieses Mal anders zu machen: Teuer und funktional. Und was für ein kollektiver Aufschrei geht da durch die Republik: Wie können sie nur, die Amerikaner!? Was erlauben die sich, an dieser Stelle so ein/e…
zu errichten?
Ganz ehrlich? Wir Deutschen sollten ganz vorsichtig sein, wenn es um Repräsentation im Ausland geht. Unsere Botschaften sind nicht gerade Schönheiten:
- Deutsche Botschaft Reykjavík
- Deutsche Botschaft Wellington
- Deutsche Botschaft Washington
Naja, “hübsch” ist das jedenfalls nicht. Diese Bauten könnten genauso gut ein Bürogebäude oder, siehe Wellingtonn, eine Schule in Deutschland sein. Aber geht es bei Botschaften denn überhaupt um Schönheit, Ästhetik, Eleganz? Ich glaube: eher nicht. Botschaftsgebäude sind zwar auch repräsentativ. Aber nicht umsonst finden Empfänge und wichtige Treffen meistens in anderer Umgebung statt. Auch wenn es für die neue US-Botschaft in Berlin als Schimpfwort gebraucht wird: Es ist tatsächlich ein Bürogebäude. Da wird gearbeitet und es steht nicht nur da, um fotografiert zu werden. Allerdings passt das Aussehen einfach zu dem, was die Vereinigten Staaten und vielmehr die Politik in den Augen vieler prägt: Weltpolizei, Angsthasen, Betonschädel, Bunkerbauer – das wird jetzt alles auf dieses Gebäude gebündelt. Dabei sind auch Deutsche Botschaften den gleichen Regeln unterstellt: Sicherheit, nochmal Sicherheit und Funktionalität. Wenn wir allerdings auf einige tatsächlich schöne Gebäude zurückgeifen können, dann meistens in jenen Ländern, die “wir” früher mal “hatten”.
Im Hinblick auf das Sommerloch ist es natürlich ein Segen, dass die Medien in Sachen “Bezeichnung für die US-Botschaft” einen wahren Kreativitätswettstreit ausfechten können. Mehr Potenzial hat die ganze Debatte allerdings auch nicht. Das Haus steht, da wird sich in den nächsten Jahrzehnten nichts mehr dran ändern. Und irgendwie ist es ja auch schön, dass die Berliner einen neuen Spitznamen in die illustrne Reihe von der “Schwangeren Auster” und der Kanzleramts-”Waschmaschine” einfügen können: Pancake.





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