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Berge und Mehr 13. Juli 2008

Posted by frischmax in Alltag, Nachgedacht.
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Unter den Gründen für das mehrtägige Nichtbloggen ist immerhin ein, wie ich finde, höchst akzeptabler: Ich habe mein erstes Gipfelkreuz in diesem Jahr bezwungen. Gestern ging es um 7:30 Uhr los in Richtung bayerische Voralpen und nach einem kleinen Frühstück im Auto ging es um kurz nach zehn Uhr auch schon steil bergauf in Richtung Schinder. Der Berg heißt wirklich so, eigentlich sind es sogar zwei: Der Österreichische und der Bayerische Schinder. In jedem Fall war es bis zum Kar, das die beiden trennt, eine ziemliche Schinderei, die schon eher an eine Bergtour als an eine Wanderung erinnert; für Letzteres sind die Voralpen ja eher bekannt. Kaum war der Gipfel kurzzeitg sichtbar, da zogen auch schon Wolken auf. Und so wurde die abschließende Kletterei dank klitschnasser Felsen und schmieriger Drahtversicherungen ganz schön anstrengend. Bis zum Gipfel war es nicht mehr weit, allerdings lag dieser nun im milchig-trüben Weiß der Wolken. Die schöne Aussicht, die ich mir im Tal noch als Antriebsfeder für die kommenden Anstrenungen ausgemalt hatte, entpuppte sich als gnadenlose Fehleinschätzung, als wir um 12:30 Uhr das Ziel erreichten.  Sichtweiten von unter zehn Metern sind im Gebirge allein aus Sicherheitsgründen schon nicht besonders toll, und wenn man gerade noch die Entfernung zum Abgrund einschätzen kann, ansonsten aber weder Tal noch Himmel sieht, ist das schon ein wenig enttäuschend. Immerhin leisteten uns zwei Bergdohlen beim Gipfelkreuz Gesellschaft – oder raubten uns unsere Brotzeit, wenn man es anders betrachtet. Nach dem Eintrag ins Gipfelbuch – wir waren die Zweiten an diesem Tag – ging es durch das weiße Nichts bergab. Doch umso weiter ich wieder sehen konnte, desto trüber schien das Wetter unter der Wolkendecke zu werden: Kurze Zeit später verwandelten Schauer und ein Gewitter den Abstieg in eine wahre Rutschpartie. Mit einer Einkehr in eine kleine Almhütte, in der uns Alm-Öhi und seine Frau höchstpersönlich Obdach gewährten, entgingen wir den größten Tropfen. Gegen 15:30 Uhr waren wir wieder beim Ausgangspunkt angelangt.

Es ist schon komisch. Ich bin an und für sich jeder übermäßigen körperlichen Anstrengung mehr als abgeneigt. Weder war ich als Kind in irgend einem Sportverein noch lege ich heute wert auf Fußball und Co. Das liegt zum einen sicherlich an meinen beiden linken Händen; die sind für handwerkliche und eben sportliche Aktivitäten nur bedingt geeignet. Bälle fangen oder werfen konnte ich nie besonders gut. Zum anderen frage ich bei Mannschaftssportarten sehr gerne mal nach dem Sinn des Ganzen, was die Mitspieler meistens nicht gerade zum Lachen bringt. Ganz anders verhält es sich aber mit dem Bergsteigen, Wandern und Klettern. Wenn ich Berge sehe, dann erwacht tatsächlich so eine Art Begeisterung in mir, was mich jedes Mal verwirrt. Was soll an durchgeschwitzter Kleidung schon so toll sein? Die erste halbe Stunde möchte ich dann auch am liebsten umdrehen, ab ins Auto und weg. Da ich vor allem am Anfang der Bergsaison total aus dem Training bin weil ich sonst ja keinen Sport treibe, denke ich in jeder dieser ersten Minuten nur an den Schmerz und an den baldigen Tod durch Erschöpfung, der mich praktisch jeden Moment ereilen müsste. Aber nach dieser Phase erwacht der Kampfgeist und der Spaß an der Sache. Irgendwann spüre ich meinen Körper gar nicht mehr, sehe eigentlich auch nicht aktiv den Weg, Das bedeutet: Total selbstversunken laufe ich stur dem Weg nach, aber eben ohne daran einen Gedanken zu verschwenden. Wenn es in endlosen Serpentinen oder Schotterfeldern steil bergauf geht, bin ich mit meinen Gedanken Überall nur nicht bei dem, was der Körper da gerade leisten muss. Das gefällt mir. Hat irgendwie etwas von Meditation. Das würde ich, genauso wie in den Sportverein gehen, nie freiwillig machen. Aber beim Bergsteigen und Wandern kommt das ganz von alleine, völlig zwanglos. Und Irgendwann stehe ich dann, nach ausführlichen Debatten mit mir selbst über Gott und die Welt, auf dem Gipfel. Das ist das Großartige: das man so neben sich stehen kann, dass man alles um sich herum vergisst und plötzlich fast wie von selbst alle Schwierigkeiten hinter sich gelassen hat. Da stört mich auch das weiße Nichts der Wolkenberge nicht, im Gegenteil: es inspiriert zu ganz neuen Gedanken während die fantastische Aussicht mich meistens auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Das Bergsteigen ist für mich also weniger Sport als eine Art reinigender Prozess. Das hat fast etwas buddhistisches, aber nach so einer Tour voller körperlicher Strapazen, wenn alle Glieder schmerzen und man nur noch ins Bett möchte, fühle ich mich zumindest im Kopf richtig…neu. Und bin bereit für mehr.