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Die Ärzte in Nürnberg 14. Juli 2008

Posted by frischmax in Musik.
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Als die „Jäzzfest-Tour 2008″ vor etwas über einem halben Jahr angekündigt wurde, spielte ich schon mit dem Gedanken, mir eine Karte für das Nürnberger Konzert zu kaufen. Jedoch war die Eis-Arena mit immerhin über 10.000 Plätzen kurz nach Verkaufsstart im Januar restlos belegt. Es galt also, schnell zu handeln. Flugs klapperte ich die Kartenweiterverkäufer ab und wurde bei einem Wiederverkaufsportal im Internet fündig – und ersteigerte zwei Karten für nur wenig mehr als den Normalpreis. Allerdings Sitzplätze, da die Plätze auf dem Parkett ungleich mehr gekostet hätten (100 Euro und mehr).

Letzten Mittwoch war es dann soweit: Die Ärzte spielten in Nürnberg und ich erlebte mein erstes Konzert dieser Band, die sich gerne als die Beste der Welt bezeichnet. Zum Einlass um 19:00 standen wir in der Halle und versuchten unser Glück, vielleicht doch aufs Parkett zu kommen. Aber die hatten doch tatsächlich vor jedem Eingang zu den einzelnen Rängen, Ebenen und eben zum Innenraum Kontrollen aufgestellt. Also nahmen wir im 2. Rang aber in der ersten Reihe platz. Nicht das Gelbe vom Ei, aber andererseits eine ungwohnte Perspektive, so von schräg oben auf Bühne und Akteure zu schauen. Und die Pogo-Attacken im Publikum unten sehen von Oben ganz schön übel aus.

Nach einer sehr komischen Vorband namens Blowfly (der Typ sah irgendwie ziemlich alt aus; Recherchen ergaben: Er ist über 60 und besingt diverse sexuelle Praktiken, dazu sind bekannte Melodien arrangiert) folgte eine Umbauphase, sodass die Ärzte gegen 21:30 loslegten. Der Song „Himmelblau“ vom aktuellen Album „Jazz ist anders“ erklang bereits, als die Ärzte noch hinter einem die ganze Bühne verhüllenden Vorhang mit dem Aufdruck „Achtung1 Jazz!“versteckt waren. Wie ich mir schon gedacht hatte, fiel dieser dann zum Höhepunkt des Openers. Nach einer kurzen Begrüßung und einem weiteren Stück begann das „Entertainment“: Mehr oder weniger lustige Sprüche über Nürnberger Bratwürste erfreuten wenigstens die Masse im Innenraum, auf den Rängen war es eher still – kein Wunder, erstens sind es nicht umsonst Sitzplätze (für die ältere Generation) und zweitens saßen mein Kollege und ich wohl zwischen Ärzte-Neulingen. Ich hatte bis zu diesem Abend zwar kein Konzert besucht, aber die Texte und Sprüche der drei Mediziner konnte ich ganz gut. Running Gag des Abends wurde das, was die Ärzte aus einem Werbebanner der Firma Mister und Lady Jeans machten:

„Misterlady – gibt es wohl tatsächlich nur Nürnberger und keine Nürnbergerinnen? Ja, es heißt ja auch Nürnberger Bratwürste!“

Naja, ich hab schon lauter gelacht. aber ich erwarte mir von Popkonzerten eigentlich auch keine hochgeistige Unterhaltung. Bei den Ärzten gehen immerhin die Texte der Lieder in diese Richtung. Sehr gefreut hat mich, dass der Schwerpunkt bei Songs vom letzten Album „Geräusch“ lag. Damals lernte ich die Band erst richtig kennen und deshalb ist mir dieses Werk in guter Erinnerung geblieben. Die Weltvebresserungshymne „Deine Schuld“ war dann auch einer der Höhepunkte des Abends. Natürlich fehlten auch ältere Hits wie „Manchmal haben Frauen“ oder „Unrockbar“ nicht, und auch die aktuellen Singleauskopplungen erhielten viel Beifall. Interessant war auch, dass die absoluten Evergreens „Westerland“ und „Schrei nach Liebe“ nicht zum Ende sondern schon zu Beginn des letzten Drittels gespielt wurden. Einerseits finde ich es gut, dass die Ärzte somit nicht auf diese Gassenhauer als Finale setzen und offensichtlich wissen, dass sie über mehr tragfähige Lieder verfügen. Andererseits war ich doch ein wenig enttäuscht, da insbesondere „Westerland“ ein toles Finale ergeben hätte.

Soviel zum Inhalt dieses Abends. Mit der Bewertung des Ganzen ist es für mich nicht so einfach. Gesanglich und musikalisch sind die Ärzte einer der wenigen deutschsprachigen Acts, die auch live überzeugen und qualitativ nicht nur den Standard der Studioaufnahmen halten sondern tatsächlich Niveau haben. Spontante Umdichtungen der altbekannten Texte sowie die sicher nicht einstudierten Scherze um „Misterlady“ erzeugten gekonnt Stimmung. Auch das Publikum ging ordentlich mit, obwohl zumindest mir die ständigen Aufforderungen, noch lauter zu klatschen, als unnötig und nervend auf den Keks gingen. Dennoch: Irgendetwas, und ich tue mich bei der Benennung dieses Etwas schwer, hat gefehlt. Vielleicht lag es an der suboptimalen Akkustik der Eis-Arena, oder an der Verteilung des Publikums auf den Innenraum und die Ränge. Letztere sind nämlich durch mannshohe Glasscheiben und durch die räumliche Entfernung tatsächlich etwas abgeschieden; die Sicht ist optimal aber der Funke konnte eben nicht überspringen. So war es für mich ein sehr schöner Abend auf hohem Niveau, aber kein unvergesslicher. Ein gutes Konzert, aber sicherlich keines, dass die Sage von der „Besten Band der Welt“ auf ein ordentliches Fundament stellt.