Etwas mehr Verantwortung 18. Juli 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Gesellschaft, Nachgedacht.Tags: Deutschland, Empathie, Gesellschaft, Mitgefühl, Verantwortung
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Verantwortung – dieses Wort klingt für mich ziemlich verbraucht. Eigentlich ja auch kein Wunder, fließt es doch über unsere Lippen wie das Wasser eines Flusses über Steine. Und im Prinzip ist ja auch jeder dazu berechtigt, diesen Begriff zu gebrauchen, oder? Schließlich übernimmt beinahe jeder Mensch irgendwo Verantwortung für etwas oder für andere Menschen. Jedenfalls trichtern uns das diese schönen und außerordentlich melodiösen Werbespots von Initiativen ein, die sich wohlklingende Bezeichnungen wie „Die Gesellschafter“ oder „Du bist Deutschland“ geben.
Doch was ist Verantwortung denn überhaupt? Unternehmen fühlen sich meistens Aktionären oder gerne auch „dem Gewinn“ verantwortlich. Politiker handeln im Sinne des Wohls der Allgemeinheit. Und Otto Durchschnittsbürger liegt viel an seiner Umwelt. Großartig, könnte man meinen. Jeder kümmert sich um etwas, toll. Doch genau im letzten Wort des vorigen Satzes liegt das Problem: Etwas. Irgendetwas nimmt für einen jeden Menschen einen besonderen Stellenwert ein, sodass er sich darum kümmert oder es immerhin versucht. Nur leider ist dieses Etwas genauso belanglos, wie es der Begriff vorsieht: Es hat in den meisten Fällen keine tiefere Bedeutung mehr.
Mitglied zu sein, ob bei den Tierschützern oder bei der Feuerwehr, Beiträge zu zahlen, ob an die
Kindernothilfe oder an Projekte in weiter Ferne – das ist „in“, das ist wichtig heuzutage. Und oft genug erzählen ja die Moral- und Sittenwächter höchtspersönlich, man solle sich kümmern und Verantwortung übernehmen. Über irgendetwas oder irgendwen. Das Motto lautet: Egal was, aber mach’ etwas.
Doch genau daran habe einiges auszusetzen. Verantwortung setzt nämlich manchmal, und in zwischenmenschlichen Bereichen eigentlich immer, mehr voraus als nur ein bisschen mehr zu tun als gar nichts. Bevor ich mich für etwas einsetze oder gar aufopfere, bevor ich Mühe, Arbeit und Emotionen aufwende, bevor ich das tue, muss ich mir doch Gedanken machen über denjenigen, dem diese Verantwortung gilt. Und freilich, gewisse Organisationen wollen mich glauben machen, es sei egoistisch, sich Gedanken über das „Warum“ und „Wofür“ zu machen. Selbstlosigkeit ist gefordert, jedenfalls dem Arbeitgeber gegenüber. Frage nicht was deine Firma für dich tun kann, frage was du für deine Firma tun kannst (nicht von ungefähr ist meines Wissens nachfolgender Clip eines der Vorbilder des „Du-bist-Deutschland“-Gefasels).
Uns wird suggeriert, vorallem die Initiative zähle und das Ziel sei eher zweitrangig. Dabei ist, und das haben ja die Marketingstrategen längst erkannt, der Grund (im Idealfall ist der Grund das Ziel von Verantwortung, und umgekehrt) das Wichtigste. Denn nur wenn ich weiß, warum und wofür ich mich anstrenge, kann diese letzten Endes doch auch erfolgreich sein.
Doch wenn ich mich umschaue, sehe ich nur jene vollkommen leere Hülse Verantwortung: Wir schrauen Energiesparlampen in die Fassungen, wir kaufen Fair-Trade-Kaffee. Wir bejammern die Hungertoten dieser Welt und finden Doping total schlimm. Wir sind bekümmert ob dieser schlimmen Welt und leisten unseren Beitrag durch anonyme, objektive Spenden von Geld, Material und – und was? Emotionen? Empathie? Menschlichkeit?
Irgendetwas fehlt bei „etwas“ Verantwortung.
