Fiktion als Medizin gegen Realität 30. September 2008
Posted by frischmax in Gesellschaft, Literatur, Nachgedacht, Weltanschauung.Tags: Fantasie, Fiktion, fiktiv, Literatur, Nancy Huston, Realität, Science Fiction
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Wer hätte gedacht, das man als Vorpraktikant über einen derart interessanten Text stolpern kann!? Ich saß einmal mehr im Klassenzimmer und beobachtete, wie ein abgeklärter Deutschlehrer seine Klasse recht locker auf ein interessantes Themenfeld führte: Fiktion. Was ist Fiktion, und warum gibt es Fiktion? Naja, die elfte Klasse war nicht wirklich interessiert. Ich hingegen umso mehr, und ich habe einige Denkanstöße gefunden: Die kanadische Autorin des ausgeteilten Artikels, Nancy Huston, kommt in der Frankfurter Rundschau zum Schluss:
„[...] … im Idealfall gibt sie [Fiktion] uns die Kraft, in jene Realität zurückzukehren und sie mit mehr Feingefühl zu enträtseln.“
Tasächlich beschränkt sich Fiktion nämlich nicht nur auf Literatur, Film, Musik und Co. Vielmehr ist der Mensch, so Nancy Huston, ein Meister darin, die reale Realität durch eine fiktionale zu ersetzen. Seit es uns gibt, hat der Mensch immer interpretiert. Zwar sind wir ohnehin auf unsere Sinne beschränkt, und wir können nicht einmal erahnen, was von der Welt wir eigentlich alles nicht sehen. Doch schon dieser Einblick bringt nach rationalem Denken die Einsicht: Wir leben willkürlich, und wir sterben willkürlich. Und irgendwann sind wir tot – und die Erde dreht sich immer noch. Huston beschreibt den Menschen aber als ein Wesen, dass diese Einsicht nicht verkraftet und sich so der Fiktion bedient: Götter, höhere Gewalten, Sinn und Grund für unser Dasein. Die menschliche Welt war und ist von Fiktionen durchdrungen:
„Niemand hat beschlossen, sie zu erfinden. [...] Für uns Menschen sind sie so real wie der Boden unter unseren Füßen; tatsächlich sind sie unser Rückhalt [...] in der Welt.“
Durch unser Bewusstsein und unsere stetige Sinnsuche sind wir sozusgen unfähig, die Realität nicht zu interpretieren.
Welche Rolle nimmt dann aber die „Fiktion“ ein, die jeder sofort als solche erkennen könnte? Ich rede von literarischer Fiktion. Ist sie nicht vernichtend simpel im Gegensatz zur fiktionalen Weltsicht des Menschen? Nancy Huston meint, dass die menschengemachte Realität nicht von der zweiten fiktionalen Ebene der Literatur übertroffen werden kann. Ein Roman, egal wie abstrus und fantastisch, ist ja immer von der bereits ebenfalls herbeifantasierten Weltsicht des Autors geprägt. Literatur hat vielmehr den Vorteil, dass sie jedem als Fiktion bekannt ist – das aber auch die ganze Realität der Menschen ein einziges Konstrukt ist, dass durschaut längst nicht jeder. Denn auch Diktaturen, Herrscher, Systeme stützen sich auf Fiktionen – beispielsweise die von der „arischen Rasse“. Literatur jedoch ist ehrlich, man weiß, woran man ist. Und anhand dieser weniger komplexen Fiktion ist es dem Menschen manchmal möglich, das zu erklären und zu verstehen, was wir als Realität bezeichnen. Die künstliche Realität eines Romans liegt uns, eben weil wir ihn als Außenstehender lesen, einfacher und beständiger vor. Und manchmal, so Hustons Hoffnung, bringt Fiktion den Menschen dazu, auf die Realität einzuwirken.
Und tatsächlich lässt sich diese Beeinflussung nur zu oft beobachten. Science-Fiction zum Beispiel. Die Werke eines Isaac Asimovs oder Philip K. Dicks (dem ich noch einen Artikel widmen werde) fassen Gedanken und Thesen, die zu Lebzeiten der Autoren undenkbar waren, eben Fiktion – mittlerweile aber sind manche, gerade negativen, „Fiktionen“ schon verwirklicht. Die Literatur aber ist damals wie heute der Schlüssel, der uns erst erkennen lässt, was passiert. Eigentlich ist es also nicht weiter verwunderlich, wenn wir reale Geschehnisse und Sachverhalte in vermeintlich total fantastischen Geschichten wiederzufinden glauben. Denn eigentlich ist die Realität die größte Fiktion.
Revisionismus und Relativismus!? 29. September 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Geschichte.Tags: Aussiedler, Bund der Vertriebenen, Erika Steinbach, Nationalsozialismus, Preußen, Vertreibung
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Es ist schon erstaunlich: Die Zeit des Nationalsozialismus ist nun wirklich etwas länger her, die Zeit der Aufarbeitung umfasst ebenfalls einige Jahrzehnte. Während ich aber meiner Generation (in Teilen) durchaus zutraue, das Kapitel des Nationalsozialismus nüchtern und ehrlich zu betrachten, erschaudere ich angesichts der Aussagen, die manch älteres Semester auch heute noch machen kann – gerade weil es eigentlich Mittel und Wege genug gibt, sich von der Wahrheit zu überzeugen. Ein Paradebeispiel für Uneinsichtigkeit und Starrsinn (freundlich ausgedrückt) ist Erika Steinbach. Geboren im „Siedlungsraum“ für die geplante arische Rasse, in Westpreußen, nimmt sie sich seit 1998 als Präsidentin des Bundes der (deutschen) Vertriebenen ungefragt der Anliegen aller Vertriebenen (Deutschen) an. Früher hautptsächlich, heute eher indirekt, ist die Vereinigung auch das politische Sprachrohr der Vertriebenen, setzte sich noch in den 80ern gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ein und macht heute immer dann von sich Reden, wenn in „Wie-du-mir-so-ich-dir“-Manier zurückgeschlagen werden soll.
Erika Steinbach (auf deren Homepage ihre Tätigkeit füt den BDV sehr gut versteckt ist) selbst äußert sich ebenfalls zur Frage, wer das größere Opfer sei – das scheint für manche Leute enorm wichtig zu sein. Die Deutschen sind nicht nur nach Steinbach anscheinend das Über-Opfer, also Opfer der NS-Zeit, Opfer der Verblendung (natürlich nur einiger weniger), Opfer des Krieges und natürlich Opfer der Vertreibung durch weniger wichtige Opfer (ich bin so frei, dass mal so direkt zu interpretieren). So behauptete sie unlängst, es hätte gar einen Völkermord an Deutschen gegeben. Freilich, es sind viele Deutsche ermordet worden nach dem Krieg. Und Mord und Totschlag sind immer falsch. Es ist schlimm, dass es so viele Opfer gegeben hat. Aber wenn solche Wahrheiten ausgesprochen werden, dann doch bitte auch bei der Wahrheit bleiben: Es spielt eben schon eine Rolle, wer die Gewaltspirale in Gang gesetzt hat, wer Aggressor war. Und auch andere Mythen sollten aus dem Weg geräumt werden, ehe man den Angegriffenen mit der Aufzählung der eigenen Gefallenen kommt, und dann auch noch Verständnis oder gar Entgegenkommen erwartet: Relativismus ist hier fehl am Platz.
[...]
Also lässt sich die Gewalt des deutschen Aggressors mit der Gewalt der Partisanen im Zweiten Weltkrieg nicht vergleichen?
Hätten sich die Kommandanten der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee nach Kriegsende vor Gerichten verantworten müssen, wären sehr wahrscheinlich einige von ihnen wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden.
Allerdings führt ein umfassender Relativismus, wie ihn beispielsweise Erika Steinbach betreibt, nicht weiter. Es gibt nicht nur graduelle Unterschiede, sondern es spielt auch eine ganz wesentliche Rolle, wer die Gewaltspirale in Gang gesetzt hat. Denn sobald sie einmal in Gang gesetzt ist, entwickelt sie erfahrungsgemäß schnell ihre Eigendynamik. Steinbachs Behauptung, dass alle wehrfähigen deutschen Männer nur unter Zwang in der Waffen-SS gedient hätten, ist ein Mythos. Das gab es zwar, aber genügend Deutsche haben die völkische Idee über alles gestellt, waren an Kriegsverbrechen und der »Arisierung« jüdischen Vermögens beteiligt. Nach Kriegsende hätte Jugoslawien die Verantwortlichen einem Gerichtsverfahren unterwerfen sollen, anstatt kollektive Vergeltung zu üben.
Dass Menschen, denen Leid zugefügt wurde, für Rache und Vergeltung anfällig sind, ist traurig, aber ein Faktum. Und deshalb ist es wichtig, dass wir die gruppenpsychologischen Entwicklungen der Gewalteskalation aufdecken. Wehret den Anfängen gilt in diesem Fall ebenso wie in vielen anderen Situationen.
[...]
Interview zwischen Doris Akrap (Jungle World) und Holm Sundhaussen (Professor für Südosteuropäische Geschichte in Berlin), vollständiges Interview auf Jungle-World nachlesbar.
Und freilich, in anderen Nationen gibt es das gleiche Problem: In Jugoslawien waren die Morde an Deutschen ungter Tito absolut tabu, es wurde nicht darüber gesprochen. Das war falsch. Aber falsche Taten, egal wie sie begeht oder begangen hat, sind kein Grund, die Falschheit aufzurechnen. Revisionismus und Relativismus bringen keinen weiter.
Es gibt nämlich diese anderen Ansätze: Ein europäisches Zentrum gegen Vertreibungen – eine solche Einrichtung kommt schon dem Namen nach dem Kern der Sache näher, als die Deutsche Heulerei: Vertreibung ist ein europäisches Thema, und nur europaweit kann es so aufgearbeitet werden, dass es seiner Dimension auch gerecht wird.
Ein Blick in die Zukunft 27. September 2008
Posted by frischmax in Nachgedacht.Tags: Beruf, Lehrer, Schule, Unterricht
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Ich stelle fest, dass meine Einträge hier seit einiger Zeit immer mehr von meinen eigenen Erlebnissen geprägt werden. Eigentlich wollte ich ja eher einen abstrakten Blog führen, also ohne tagebuchartige Artikel. Aber bedingt durch meine Interessen und meinen neuen Alltag fließen jetzt eben solche Blickwinkel mit ein. So mache ich für die nächsten zwei Wochen das sogenannte Orientierungspraktikun für Lehramtsstudenten. Soll heißen: Damit ich auch weiß, auf was ich mich einlasse, darf ich insgesamt drei Wochen lang den Unterricht beobachten – für den Fall sozusagen, dass ich mein Schülerdasein verdrängt habe oder dieses mehr schlafend verbracht habe, als dem Unterricht zu folgen.
Wie gesagt, auch nach einigen Monaten Zivildienst vergisst man nicht so schnell, was Schule ist. Und auch im Praktikum sitze ich ja hinten, also die gleiche Perspektive. Nur, dass ich jetzt nicht mehr dme Unterricht folgen muss und mich vollkommen auf den Typen am Pult konzentrieren kann.

Es klingt nach Streber und muss für die Schüler auch so aussehen, aber: Ich notiere mir tatsächlich, was mir zum Lehrer und seinemUnterricht auffällt. Meine krakelige Schrift – denn das ordentliche Schreiben habe ich sofort nach dem Abitur verlernt – steht für vernichtende Urteile, aber auch ehrfürchtiges Lob. In der ersten Woche habe ich schon viele verschiedene Arten der Spezies Lehrer entdecken können: Linksalternative Studienräte mit den Fächern Deutsch und Geschichte, die die 68er nur knapp verpasst haben genauso wie strenge, frontal unterrichtende Doktoren, die eigentlich nur ihrem Lieblingsgebiet fröhnen und Schüler nur dazu brauchen, ihre Vorträge wenigstens mit Statisten anzureichern.
Da ist ein Lehrer mit Doktortitel, der seine elfköpfige neunte Klasse in Deutsch nicht in den Griff bekommt. Da ist aber auch der junge, engagierte Lehrer, der 23 Achtklässler überhaupt nicht im Zaum halten muss, weil sie von seinem fabelhaften Geschichtsunterricht so sehr in den Bann gezogen werden. Ein älterer Deutschlehrer diktiert seinem Leistungskurs leise säuselnd jene Daten und Fakten, die er als Fan seines Faches vielleicht liebt, die aber seinem Kurs genau diese Liebe verbauen könnte. Andere Lehrkräfte weisen mich und andere Praktikanten ab – haben sie Angst, wir könnten ihren Autoritätsverlust bemerken? So in etwa sieht das Bild aus, dass sich vor meinen Aufen abzeichnet.

Ich habe die negativen Beobachtungen nicht mit den positiven aufgerechnet. Ich habe einfach nur gesehen:So ist Schule, so kann sie sein – und so soll und muss sie eher nicht sein. Die Entscheidungsgewalt für einen der drei Wege hat man nicht ganz alleine, jedoch kann man mit Interesse, Talent und Optimismus vieles bewegen. Ich für meinen Teil habe nicht im Geringsten Angst vor meinem künftigen Beruf im Gegenteil: Ich habe noch mehr Lust, noch mehr Interesse – und noch mehr Optimismus. Schule – das ist vor allem eine Chance, für Schüler wie auch für Lehrer.
Was ist eigentlich Spießertum? 24. September 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Gesellschaft, Nachgedacht.Tags: Biedermeier, Deutschland, Dorf, Idylle, Spießer, Verein, Vereinsmeier
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Diese Frage war eigentlich seit der Pubertät, als auch Ich um keinen Preis als „spiessig“ gelten wollte, nicht mehr relevant. Vor einigen Tagen bin ich mir aber bewusst geworden, dass ich manche Vorraussetzungen für diese streitbare Bezeichnung erfülle: Zwar war und bin ich kein typischer Vereinsmeier. Eigentlich bin ich in keinem Verein aktiv, und schon gar nicht nicht beim Schützen- oder Trachtenverein. Nein, ich betrachte vielmehr die Verlagerung meiner abendlichen Aktivitäten von der Stadt in mein Dorf. Ganz unbewusst, fast automatisch, geht man als Vor-Vorstadt-Mensch eben in die Stadt – sei es in die Schule, zum Einkaufen zur Arbeit. Doch vor kurzem war ich – zum ersten Mal – in meinem eigenen Ort weg. Ich habe gesehen, dass es tatsächlich Bars gibt, die dem Stadtstandard entsprechen, war aber auch in Kneipen, die ich schon von Außen als abstoßend empfand. Dabei durfte ich viele nette Menschen kennen lernen, die aber viel stärker mit ihrem ländlichen Wohnort verwurzelt sind, für die Bier und Weißwurstfrühstück nicht nur Tradition sondern regelmäßige Pflicht sind. Bin ich etwa unversehens in der spießigen Realität der Landidylle gelandet?
Es war wirklich ein schöner Abend, trotz und weil viel getrunken wurde. Aber wie ein Bekannter treffend und ohne zu Lallen formulierte: „Man kennt seine Heimat erst, wenn man sie mit den Augen eines Besoffenen gesehen hat“….was für ein Menetekel! Stunden später wankten wir dann bei Eiseskälte durchs Dorf und fuhren anschließend ohne Licht mit dem Rad weiter…eine durchaus interessante Erfahrung, jedoch hadere ich noch mit meinem Gewissen bei der Einordnung; „Hochnotpeinlich“ und „Erfahrung“ stehen als Kategorien zur Auswahl.
Ist das schon spiessig? Immerhin ist der alkoholisierte Zustand in Bayern und Franken für gewöhnlich kein Zeichen von Kontrollverlust, sondern gilt eher als Symbol der Heimatverbundenheit. Wer Tracht trägt, im Schützenverein ist und im Kirchenchor singt, darf auch ‘mal ‘ne Maß zu viel trinken, so ein selten gesagtes aber umso öfter gemeintes Motto. Okay, eine Tracht habe ich nicht. Und in Vereinen bin ich auch nicht wirklich. Aber ich gebe es freiheraus zu: „Heimatverbundenheit“ im Weitesten Sinne verspüre ich immer öfter. Viele Bekannte schmieden Karrierepläne, „in Berlin/München werde ich dann….und dann meine Yacht…..“, so die Träume. DIe hatte ich auch, lange Zeit sogar. Aber irgendwie stellt sich langsam aber sicher ein Gefühl ein, dass ich als Vernunft bezeichnen will, oder besser: Realismus. Denn eigentlich will ich viel lieber hier leben und arbeiten, meine Familie gründen, alt werden und so weiter. Meine Heimatregion ist wunderschön, es gibt Arbeit, genug Kindergartenplätze, nahezu keine Probleme, kurzum: Wolkenkuckucksheim, Bayern wie im Bilderbuch. Und ich finde das gut so.
Auch wenn ich das ständige intrigieren, Funktionen-besetzen und Feste-organisieren der Vereine nach wie vor nicht wirklich leiden kann. Ich finde es längst nicht mehr so ätzend. Dorfleben, Dorfgemeinschaft ist in vielen Fällen Wunschdenken. Aber verkehrt ist das sicher nicht. Und unter den Selbstdarstellern, falschen Gerüchten und bösen Spielchen finden sich immer wieder liebenswerte Menschen, die einfach nur ihren Spaß haben wollen. Deswegen, und nicht aus falschem Traditionsbewusstsein oder aus Profilierungssucht, bin ich beim örtlichen Männerchor und bei der Theatergruppe. Es ist einfach eine gute Sache.
Profilierungssucht konstatiere ich indes jenen Menschen, die um jeden Preis „nicht spießig“ sein wollen. Denn, wie Ödön von Horváth einmal sagte:
[Ein Spießer ist ein] …hypochondrischen Egoist, der danach trachtet, sich überall feige anzupassen und jede neue Idee zu verfälschen, indem er sie sich aneignet.Und Egoisten sind die Menschen, die das Dorfleben interessanter machen, im Prinzip ja nicht.
Eine neue Art Vogel oder: Wenn Parteien mit den Flügeln schlagen 21. September 2008
Posted by frischmax in Politik, Uncategorized.Tags: Demokratie, Flügel, Ortsverein, Partei, Parteipolitik, SPD
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Der Plural in der Überschrift dient aber nur der besseren Lesbarkeit. Schreiben will ich eigentlich nur über eine Partei: die SPD. Allerdings fragen sich schon manche Aussenstehende wie Mitglieder, ob die Sozialdemokraten überhaupt noch eine Partei sind und nicht vielmehr das Endprodukt des ständigen Flügelschlagens: Viel – mehr oder weniger – heiße Luft. In jedem Fall bekommen die Flügel sehr viel Aufmerksamkeit, und daran sind sicherlich nicht nur die bösen Medien schuld.
Denn wer sehenden Auges und mit offenen Ohren zur Basis geht, in diesem Fall also ein heimatlicher Orstverein, der kann angesichts der vielen verschiedenen Definitionen der drei Buchstaben SPD schier verzweifeln. Bewerten möchte ich diese Verschiedenheit nicht, könnte sie doch auch positiv als Vielfalt erklärt werden. Allerdings verwirrt es schon, wenn beispielsweise Vorurteile gegen Homosexuelle oder Ausländer zu Tage kommen, die man mittlerweile schon bei tiefschwarzen Stammtischen eher selten vermutet. So geschehen bei einer Ortsvereinssitzung in diesem Sommer: unverhohlen gaben da Delegierte zu, dass eine lesbische Parlamentarierin genau wegen diesem Attribut nicht unterstützt worden sei: „Jetzt vor der Landtagswahl sollten solche potentielle Wähler abschreckende Eigenschaften eben nicht in die Medien kommen“. Was für ein unausgegorenes Gewäsch! Immerhin wurde besagte Dame bereits zweimal wiedergewählt – und als Frauenbeauftragte kann und muss sie bestimmte Themenschwerpunkte wahrnehmen.
Aber auch die deutschlandweit bekannten Flügel rechts und links des – hoffentlich – Kopfes, also die „linke“ SPD und die Agenda-Verfechter treten schon im Wirtshaus oder auf der kommunalpolitischen Bühne auf. Ich durfte einige Wortgefechte miterleben, und nicht nur durch Becks Rücktritt kam es zu heftigem Streit. Was die SPD sein soll und, noch viel mehr, was sie denn wollen soll – das ist selten klar. Und keine These darüber findet mehr als eine Handvoll Unterstützer. Ein prominenter Indikator der verschiedenen Richtungen in der SPD und ihr nahestehenden Organisationen sind die Jusos. Unlängst war ich bei der Neugründung der Jusos hier im Kreis zugegen. Wie das durch die Parteistruktur bedingt nunmal so ist, war ein Juso der nächsthöheren Ebene anwesend. Schnell wurden die Neumitglieder in die Statuten eingewiesen: Frauenquote, Wahlmodi und, sehr wichtig, Haltung der Jusos. Die ist nämlich eine, wie manche Jusos meinen, äußerst Linke. Und so gerieten auch hier wieder die linken mit den mittleren oder rechten SPD/Juso-Mitgliedern aneinander. Eingeladene SPD-Vertreter sahen sich im gerade in Bayern geläufigen Schlagwort von den „Krawallsozis“ bestätigt, die doch alle Feministen und Kommunisten sind, klar. Ein Streitgespräch über die Sache Beck trug nicht zur Schlichtung bei. Wiedereinmal stand Meinung gegen Meinung, und für einige wohl auch Wahrheit gegen Wahrheit: Die Flügel schlagen kräftig, und beide wollen in unterschiedliche Richtungen fliegen – seltsamer Anblick, seltsamer Vogel. Noch nie von so einem Exemplar gehört, ehrlich.
Natürlich will ich das Lager- und Flügeldenken nicht verdammen. Es ist ein Markenzeichen – ein gutes! – der SPD, das leidenschaftlich gestritten wird. Diskussion, Streitgespräch, Meinungsaustausch – man mag es nennen wie man will, aber fest steht: Das Prinzip der Demokratie geht der SPD durch Mark und Bein und verbindet sogar die zerstrittenen Flügel. Aber: Das Politik und auch Parteipolitik eben nicht aus dem Durchsetzen nur einer Meinung bestehen sollte, dass ist noch nicht übrall angekommen. Kompromisse waren und sind nötig, damit beide Flügel zumindest ab und an gemeinsam für eine Richtung schlagen. Wenn aber schon auf den untersten Ebenen einer Partei, in der Basis, Lager gebildet werden und sich jedes Grüppchen hinter seinem eigenen Graben verschanzt, wenn keiner bereit ist, einen Schritt auf den Anderen zu zugehen: Das bringt niemanden weiter. Demokratie heißt nämlich auch: Damit leben zu lernen, einmal nicht der hundertprozentige Gewinner zu sein.
Einblicke in die nächsten Generationen 17. September 2008
Posted by frischmax in Alltag, Deutschland, Gesellschaft.Tags: ADS, Alltag, Generation, Jugend, Pädagogik
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In den letzten sechs Wochen habe ich als Betreuer beim kommunalen Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche gearbeitet (daher auch die wenigen Artikel
). Die Gemeinde organisiert Tagesfahrten in Freizeitpakrs, Schnupperkurse bei den Sportvereinen und einige andere Aktivitäten für die „Daheimgebliebenen“ – also entweder für Kinder, die aus finanziellen Gründen die ganzen Sommerferien über zu Hause bleiben und für jene, die schon dreimal im Urlaub waren und nun doch einmal einige Tage im eigenen Ort verbringen sollen. Neben dem ausgesprochen guten Verdienst haben mich aber auch andere Faktoren dazu bewogen, diesen Job zu machen: Im Hinblick auf mein Lehramtsstudium ab Oktober ist die Beschäftigung mit Kindern auch außerhalb des Bildungssektors nicht verkehrt. Abgesehen davon lernt man fern aller Pädagogik wohl das meiste über den richtigen Umgang mit Kindern.
Ein weiterer Faktor, den ich erst jetzt so richtig erkenne, ist der Einblick in die kommenden Generationen. Verhaltensauffälligkeiten, familiäre Probleme, die finanzielle Situation, die Bildungsmisere – eben all das, was in einschlägigen Reportagen so über Kids und Jugendliche verbreitet wird. Ich kann jetzt sagen: In meiner Region sieht es eigentlich nicht so schlimm aus. Freilich, ich habe einige Fälle beobachten können, die wohl eine ADS/ADHS-Störung haben. Ich habe nervende Jungs und zickende Mädchen betreut, ich habe zugesehen, wie Achtjährige so viele verschiedene Medikamente gegen Allergien nehmen, wie ich in meinen ganzen zwanzig Lebensjahren noch nicht zu Gesicht bekommen habe. Ich habe dreizehnjährigen Mädchen die Kippen abgenommen, einem ziemlich Nintendosüchtigen Kind seine tragbare Konsole. Klar, oft ist das erschreckend. Aber: Man kann es „behandeln“ oder besser: Ich, eine nicht ausgebildete Honorarkraft, konnte eigentlich jeden Fall irgendwie zufriedenstellend handhaben.
Die oberste Regel, die ich aus diesne Erfahrungen mitnehme, ist: Geduld. Es ist verblüffend, was für
eine geringe Toleranz gerade Pädagogen manchmal gegenüber Kindergeschrei haben. Oder vielleicht bin ich einfach nur so ruhig und unaufgeregt? Natürlich muss man bei vierzig aufgedrehten Kindern im Bus mal für Ruhe sorgen. Aber Kinder sind eben Kinder – und die sollen, dürfen, müssen eben auch mal laut sein. Also beobachte ich, denke über die Gründe nach – also ob die Lautstärke berechtigt ist oder nicht (so doof sich das anhört) – und schreite dann und wann ein – ohne selbst zu schreien. Manchmal werde ich lauter, aber alles muss genau dosiert sein. Und siehe da: Es klappt. Ich verbinde die Rüge mit einer kurzen Erläuterung, wiederhole das drei-, viermal. Und dann wird es ruhiger. Nicht mucksmäuschenstill, aber das muss ja auch nicht sein. Und ich habe ja immer noch meine Ohropax dabei.
Die zweite Regel die ich mir unbedingt merken möchte, ist: Beobachte und behalte im Hinterkopf, was du siehst. Gerade als Lehrer ist es meiner Ansicht nach unglaublich wichtig, dass die Hintergründe der einzelnen Schüler nicht unbedacht bleiben. Nur dann kann man angemessen reagieren. Einen Jungen, der bei vielen Programmpunkten nervend ins Auge fiel, konnte ich erst richtig einordnen, als zufällig die Familiensituation klar wurde: Scheidungskind, er lebt bei seiner Mutter, eventuell Sorgerechtsstreit mit dem Vater, in jedem Fall aber: Die Mutter äußert sich permanent abwertend gegenüber dem Vater – und so sind auch die männlichen Betreuer für den Sohn keine Autorität oder gar Ansprechpartner.
Eine andere Situation: Wieder ein Junge, ein bisschen arg zappelig und ständig in Bewegung. Deshalb musste ich mich mit ihm ein bisschen mehr auseinandersetzen als mit den anderen Kindern. Und obwohl ich ihn meistens ermahnt habe, schlug er seiner Mutter in meiner Anwesenheit vor: Kann der bei uns einziehen? Haben wir noch ein Zimmer frei? Alle haben gelacht, aber im Hinterkopf bleibt mir: Der Junge wurde jedes Mal von seiner Mutter abgeholt – vom Vater fehlte jede Spur. Wohl keine männliche Bezugsperson im Haus, deshalb dieser Klammereffekt mir gegenüber.
Man lernt unglaublich viel in sechs Wochen, in denen man täglich mit Kindern zu tun hat. Und Eigentlich war dieser Job auch keine Arbeit – ich hätte locker sechs Wochen dran hängen können. Denn diese kommenden Generationen – trotz der permanent attestierten Verkorkstheit – ist nicht schwerer zu handhaben als andere. Man muss sich nur darauf einstellen und individuell entscheiden können. Lehrbuchpädagogik und festgefahrene Prinzipien sind auf so viele Einzelpersonen nicht anwendbar. Hoffentlich werde ich mich daran erinnern, wenn ich in den nächsten Jahren im Elfenbeinturm der Uni mit allerhand Konzepten und Musterlösungen konfrontiert werde.
Hoch hinaus 16. September 2008
Posted by frischmax in Architektur.Tags: Architektur, Burj Dubai, Hochhaus, Skyscraper, Wolkenkratzer
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Es ist schon komisch – oder vielleicht auch gerade nicht: Vor ziemlich genau zwölf Jahren, ich hatte gerade eben meine erste Brille verschrieben bekommen, fragte mich die behandelnde Augenärztin nach meinen Berufswünschen. Damals, mit acht Jahren, war ich meistens auf jeweils nur einen Beruf festgelegt. Ich entgegnete also: Architekt! Daraufhin senkte die Dame ihre Stimmlage, schaute mich traurig an und meinte: Daraus wird nichts, du hast nämlich so gut wie kein räumliches Sehen! Abgesehen davon, dass diese Diagnose vollkommen falsch war und mich dafür ganz andere Dinge vom Beruf des Architekten abhalten (zum Beispiel meine eher geringfügige Begabung im mathematisch-physikalischen Bereich, ec.), konnte mein Interesse an Architektur im Allgemeinen bisher nicht gebremst werden.
Insbesondere der Hochbau übt eine gewaltige Faszination auf mich aus. Der Mensch baut schon lange – und beinahe genau so lange baut er nach oben, himmelwärts. Ich werde den Turmbau zu Babel nicht weiter bemühen. Aber das das Streben nach Höherem durchaus mit Hochmut, Übermut und manchmal auch Wahnsinn zu tun hat, ist kein Geheimnis. Keine andere Spezies vermag es, seinen Lebensraum zu verlassen und einfach in völlig andere Sphären vorzudringen (Termiten und andere Kleintiere sind uns im Verhältnis der Körpergröße zur Größe der Bauten allerdings überlegen). Und keine andere Spezies überschreitet die Grenzen so konsequent – gerade der Mensch als Wesen ohne Spezialisierung wurde zum Meister der Überwindung der eigenen Unzulänglichkeit. Verwunderlich ist indes, dass wir bei gigantischen (Bau-)Vorhaben bisher relativ selten gescheitert sind. Freilich sind vor fast 5000 Jahren mehr Menschen beim Bau ums Leben gekommen, mussten vielleicht neue Anläufe unternommen werden. Dennoch bezeugen beispielsweise uralte Pyramiden wie die von König Djoser, dass solche Vorhaben vollendet werden konnten und können. Und die Höhe scheint dabei nicht wirklich eine Rolle zu spielen – bereits mir ihren begrenzten Mitteln konnten die Ägypter die Cheopspyramide bis auf 147 Meter Höhe bringen. Und das ist selbst in unserer Zeit eine ansehnliche Zahl. Die 200-Meter-Marke konnte schließlich erst im 20. Jahrhundert überwunden werden, in den letzten Hundert Jahren ist die Menschheit bei knapp 800 angelangt.
Das momentan höchste Gebäude der Welt ist der Burj Dubai in der gleichnamigen Metropole der Vereinigten Arabischen Emirate. Dankenswerter Weise hat mir das Baustellentagebuch von BurjDubaiSkyscraper erlaubt, die tollen Fotos zu verwenden:
Sneak Preview 11. September 2008
Posted by frischmax in Kino.Tags: Film, Martial-Arts, Sneak Preview, The fifth Commandment
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Gestern Abend habe ich zum ersten Mal eine sogenannte Sneakpreview besucht. Bei dieser Überraschungsvorstellung werden Kinofilme bereits einige Zeit vor ihrem offiziellen Starttermin gezeigt. Da ich mich mit sehr vielen Genres anfreunden kann, lag für mich die Trefferquote für einen halbwegs ordentlichen Film gar nicht so schlecht. Dachte ich. Es gibt im Prinzip nur drei Arten von Film, die ich nicht leiden kann: Martial-Arts-Filme, saublöde Komödien und hirnlose Ballerfilme. Nun, der gezeigte Streifen hatte von jedem Vertreter dieses „Terrible Trio“ etwas: Unsinnige Kampfszenen, zum Schreien komische Dialoge und mindestens 80 Tote.
Der Actionfilm beginnt, wie so viele Filme dieser Machart anfangen: Ein kleiner asiatischer Junge muss mit ansehen, wie seine Familie von Killern der Mafia getötet wird. Der Auftragskiller Max Templeton, der gerade eben sein eigenes Ziel verpasst hat, nimmt sich entgegen seiner emotionslosen Berufspraxis ein Herz und zieht das Waisenkind auf – und züchtet sich, wie soll es auch anders sein, eine Kampfmaschine erster Güte heran. Der leibliche Sohn wiederum verkraftet die Kaltblütigkeit nicht und schlägt einen anderen Weg ein, indem er seine Muskelpakete in den Dienst des Personenschutzes stellt. Selbst diesen dürftigen Anfang könnte man theoretisch anschaulich erzählen und irgendwie interessant gestalten. Aber vielleicht hat der Regisseur auch erkannt, wie ausgelutscht dieses Thema ist und es deswegen nur in einigen Rückblenden abgehandelt.
So setzt die „Handlung“, sofern man von einer solchen überhaupt sprechen kann, erst ein, als die Halbbrüder voneinander getrennt ihrer Profession nachgehen. Bei einem neuen Mordauftrag erkennt die Kampfmaschine Chance seinen Bruder Miles – und lehnt den Auftrag trotz seiner Ach-so-sturen Assassinenmentalität ab, um nicht eben diesen töten zu müssen. Schnell wird aber auch klar: Miles ist als im Grunde herzensguter Muskelberg nicht in der Lage, seine Klientin und Chances vormaliges Ziel zu schützen. So bringen die wieder vereinten Brüder die Sängerin Angel gemeinsam in Sicherheit (könnte an „Bodyguard“ erinnern, aber der ist ja immerhin sehenswert). Wegen der absoluten Dummheit und der aufgesetzt wirkenden Zickenattitüde bleibt schließlich der auf Gott vertrauende Bruder Miles auf der Strecke und unsere Kampfmaschine Chance wird so richtig wütend.
Der finale Showdown ist dann sehr kurz und einfallslos gehalten: Der gegnerische Mörder, der auch noch der Killer ist, der Chance zum Waisen gemacht hat, ballert einfach alles nieder, was im, auf oder neben seinem Weg steht und trifft nach einigen Beinahe-hat-er-gewonnen-Momenten auf Chance und Angel. Mit ordentlicher Pyrotechnik im Rücken gewinnen die „Guten“, setzten sich zur Ruhe und finden – das ist sozusagen die unerwartete Wendung des Films – nicht zusammen!
Ich will nicht zu negativ klingen. Ich gebe gerne zu: Ich kenne einige Baller- und Hau-drauf-Filme. Und ich finde einige sogar gut bis sehr gut. Arnold Schwarzenegger und Christopher Lambert, sogar Vin Diesel sind ab und an mehr als Muskeln und Schweiß. Denn wenn zum Geballer noch ein bisschen Charme durch Witz, Dialoge oder Handlung hinzukommt, kann so ein Film ein ordentliches Produkt werden. Bei „The Fifth Commandment“ ist das jedoch anders: Ich fange beim Titel an. Das Fünfte Gebot besagt: Du sollst nicht töten. Gut, es ist klar, dass der Titel eine gewisse Antithetik provozieren soll. Aber leider kommt selbst diese billige Aufmerksamkeitsheischerei nicht zum Tragen – der Bezug zum Film fehlt beinahe vollkommen. Nur Bruder Miles, der in einem Tempel Räucherstäbchen anzündet und sein Schicksal in die Hände höherer Gewalt legt, hat im Entferntesten etwas mit dieser Aussage zu tun. Noch dazu wird die Aussage sehr fragwürdig, als Miles stirbt – eben weil er nicht tötet. Ich bleibe bei nicht durchgesetzten Ideen und Motiven: Der Killer-Vater und Ausbilder von Chance wird ganz zu Beginn in Qualm gehüllt und mit Jazzmusik unterlegt gezeigt. Erst in der zweiten Hälfte des Films wird bekannt, dass er als „The Jazzman“ tötet – und wohl lieber in einer Jazzband spielen würde. Dieser Einfall könnte dem Film etwas geben, was ihm so sehr abgeht: den Anschein von Tiefe. Jedoch wird auch dieser lose Faden nirgendwo wieder aufgenommen. Schade, schade.
Des Weiteren lege ich diesem Film die Eindimensionalität zur Last – aber wenigstens die gleicht einem roten Faden: Von der Handlung über die Charaktere und Dialoge bis hin zur Kameraführung: Einfallsloser hat man selten einen Kampffilm inszeniert. Gerade Wortwitz oder tolle Aufnahmen der zwar unsinnigen aber anschaulichen Fitnessübungen wären Ansatzpunkte, um so einen Film zu verkaufen. Nichts davon kann „The fifth Commandment“ bieten. Die Rolle des einsamen Kämpfers ohne Emotionen ist klar und, naja, konsequent. Das alleine wäre nicht schlimm – aber der Sidekick, der Stichwortgeber, der Gegenpart zu diesem Archetypen fehlt völlig, wird einfach nicht sichtbar. Deswegen ist es schlichtweg egal, dass Miles Templeton stirbt. Er war weder wichtig noch lustig und Killer Chance darf sowieso nicht weinen. Ähnlich verhält es sich mit der Frau des Films: Der Charakter Angel soll als nervige, zickende Göre amüsieren und wohl auch irgendwie einen Stern in der Rubrik „Erotik“ einbringen – beides schlägt grandios fehl. Witzig und unfreiwillig komisch wirken nur die emotionalen Momente, etwa wenn Angel auf einmal anfängt von einer Schwangerschaft zu reden und Chance daneben steht und keine Miene verzieht. Ich musste ziemlich laut lachen – was hat diese schlecht eingeflochtene Story mit dem Film zu tun? Möglicherweise geplant und auch tatsächlich fruchtend ist die Szene, als sich Angels Manager als der Auftraggeber des Mordversuchs entpuppt und diesen mit den schlechten Verkaufszahlen des Albums erklärt: „Und deine persönlichen Geschichten interessieren eben niemanden!“ – Wie wahr, wie wahr.
Überhaupt, Interesse: Dieser Film hat es nicht. Nicht an seinen Zuschauern, und die Zuschauer nicht am Film. Auch die Charaktere sind nicht ansatzweise miteinander verknüpft – wer wann stirbt: belanglos. Wie der Film ausgeht: belanglos. Es gibt Filme, die faszinieren durch ihre Unstimmigkeiten, durch Darsteller, Effekte oder irgendetwas anderes. „The Fifth Commandment“ fasziniert nicht und ist in allen Aspekten belanglos – das ist in meinen Augen das Todesurteil für einen Film.

Aber ich kann diese Haltung nicht wirklich verübeln, stellen sich doch so viele Genossen immer wieder die Frage: Warum wählen die uns nicht? Verzweifelt jammerten also auch die sozialdemokratischen Wahlkampf-Buttons und Plakate: „Dieses Mal fremdgehen: SPD wählen!“ und „Ich bin ein unanständiger Bayer!“ (bezogen auf CSU-Äußerungen, nur wer schwarz wähle sei ein echter und vor allem vernünftiger Bayer). Wie gesagt: Diese Sprüche klangen sehr jämmerlich – bei jeder anderen Partei wären sie als gewitzte Kampagne herüber gekommen. Da fällt mir ein: Zerfleiche ich als Genosse meine Partei hier nicht schon wieder? Hach, die SPD ist schon ein besonderes Phänomen.





