Ein Blick in die Zukunft 27. September 2008
Posted by frischmax in Nachgedacht.Tags: Beruf, Lehrer, Schule, Unterricht
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Ich stelle fest, dass meine Einträge hier seit einiger Zeit immer mehr von meinen eigenen Erlebnissen geprägt werden. Eigentlich wollte ich ja eher einen abstrakten Blog führen, also ohne tagebuchartige Artikel. Aber bedingt durch meine Interessen und meinen neuen Alltag fließen jetzt eben solche Blickwinkel mit ein. So mache ich für die nächsten zwei Wochen das sogenannte Orientierungspraktikun für Lehramtsstudenten. Soll heißen: Damit ich auch weiß, auf was ich mich einlasse, darf ich insgesamt drei Wochen lang den Unterricht beobachten – für den Fall sozusagen, dass ich mein Schülerdasein verdrängt habe oder dieses mehr schlafend verbracht habe, als dem Unterricht zu folgen.
Wie gesagt, auch nach einigen Monaten Zivildienst vergisst man nicht so schnell, was Schule ist. Und auch im Praktikum sitze ich ja hinten, also die gleiche Perspektive. Nur, dass ich jetzt nicht mehr dme Unterricht folgen muss und mich vollkommen auf den Typen am Pult konzentrieren kann.

Es klingt nach Streber und muss für die Schüler auch so aussehen, aber: Ich notiere mir tatsächlich, was mir zum Lehrer und seinemUnterricht auffällt. Meine krakelige Schrift – denn das ordentliche Schreiben habe ich sofort nach dem Abitur verlernt – steht für vernichtende Urteile, aber auch ehrfürchtiges Lob. In der ersten Woche habe ich schon viele verschiedene Arten der Spezies Lehrer entdecken können: Linksalternative Studienräte mit den Fächern Deutsch und Geschichte, die die 68er nur knapp verpasst haben genauso wie strenge, frontal unterrichtende Doktoren, die eigentlich nur ihrem Lieblingsgebiet fröhnen und Schüler nur dazu brauchen, ihre Vorträge wenigstens mit Statisten anzureichern.
Da ist ein Lehrer mit Doktortitel, der seine elfköpfige neunte Klasse in Deutsch nicht in den Griff bekommt. Da ist aber auch der junge, engagierte Lehrer, der 23 Achtklässler überhaupt nicht im Zaum halten muss, weil sie von seinem fabelhaften Geschichtsunterricht so sehr in den Bann gezogen werden. Ein älterer Deutschlehrer diktiert seinem Leistungskurs leise säuselnd jene Daten und Fakten, die er als Fan seines Faches vielleicht liebt, die aber seinem Kurs genau diese Liebe verbauen könnte. Andere Lehrkräfte weisen mich und andere Praktikanten ab – haben sie Angst, wir könnten ihren Autoritätsverlust bemerken? So in etwa sieht das Bild aus, dass sich vor meinen Aufen abzeichnet.

Ich habe die negativen Beobachtungen nicht mit den positiven aufgerechnet. Ich habe einfach nur gesehen:So ist Schule, so kann sie sein – und so soll und muss sie eher nicht sein. Die Entscheidungsgewalt für einen der drei Wege hat man nicht ganz alleine, jedoch kann man mit Interesse, Talent und Optimismus vieles bewegen. Ich für meinen Teil habe nicht im Geringsten Angst vor meinem künftigen Beruf im Gegenteil: Ich habe noch mehr Lust, noch mehr Interesse – und noch mehr Optimismus. Schule – das ist vor allem eine Chance, für Schüler wie auch für Lehrer.

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