jump to navigation

Morgenstund’ in Bayern 28. September 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Politik.
Tags: , , , , , , , , , ,
trackback

Das war mal eine Überraschung, jedenfalls für mich. Ich hatte die CSU zwischen 47 nd 50 Prozent eingeordnet und hielt mich auch noch für optimistisch. Jetzt liegt das schwarze Häufchen Elend darnieder, kann es nicht fassen, das die Gleichung CSU = Bayern = CSU ein für allemal widerlegt ist. Allerdings wurde die Stelle der CSU auch nicht neu besetzt. So muss ich fürs erste Claudia Roth recht geben, die im Bayerischen Rundfunk verlauten ließ: „Bayern hat bunt gewählt“. Bunt, so die Grüne, sei demokratisch. Und das sei gut. Dem ist erst einmal nicht zu widersprechen.

 

Leider konnte die SPD selbst davon nicht wirklich profitieren. Maget und Co. reden heute Abend so, als sei die SPD eine selbstlose Hilfstruppe, der es immer nur um den Sturz der CSU gegangen sei, fürs Allgemeinwohl sozusagen. Das mag zum Teil sogar stimmen, immerhin ist die SPD in Selbstzerfleischung und Selbstunsicherheit erprobt, kennt sie doch das Nicht-gewählt-werden zur Genüge. 

Aber ich kann diese Haltung nicht wirklich verübeln, stellen sich doch so viele Genossen immer wieder die Frage: Warum wählen die uns nicht? Verzweifelt jammerten also auch die sozialdemokratischen Wahlkampf-Buttons und Plakate: „Dieses Mal fremdgehen: SPD wählen!“ und „Ich bin ein unanständiger Bayer!“ (bezogen auf CSU-Äußerungen, nur wer schwarz wähle sei ein echter und vor allem vernünftiger Bayer). Wie gesagt: Diese Sprüche klangen sehr jämmerlich – bei jeder anderen Partei wären sie als gewitzte Kampagne herüber gekommen. Da fällt mir ein: Zerfleiche ich als Genosse meine Partei hier nicht schon wieder? Hach, die SPD ist schon ein besonderes Phänomen.

Was wird also kommen? EIne Vierer-Koalition scheint unwahrscheinlich, und die Linke kommt vermutlich nicht mehr auf die fünf Prozent – und selbst wenn, es würde ja nichts zusammengehen. CSU-SPD also? Hm, schwer zu sagen. Das würde rein nach CSU-Logik die naheliegendste Lösung sein, schließlich wäre es die Koalition mit der höchsten Prozentzahl und wäre damit näherungsweise am (Wahlkampf-)Credo Becksteins: „DIe Bayern wünschen sich eine starke Partei, die führt!“ Ansonsten winken Schwarz-Gelb und Schwarz-Grün – erstere Option ist auch sehr wahrscheinlich. Die FDP wird zwar ihre Position ausspielen wollen, jedoch käme die CSU möglicherweise glimpflicher davon als mit der SPD, wenn es um Posten geht. Auch den Grünen ist der Schritt in die Regierungskoalition zuzutrauen, warten sie doch relativ lange auf den Tag X, und heute ist das X schon ganz ordentlich. Zu guter Letzt sind da noch die Freien Wähler. Ich finde diese „Vereinigung“ schlichtweg unberechenbar. Eben weil sie keine an ein Gesamtprogramm gebundene Partei sein wollen, gestalten die einzelnen Gruppierungen beispielsweise die Kommunalpolitik als munteren Flickenteppich – von grün bis schwarz ist da alles vertreten. Hier machen sie’s mit der SPD, da mit der CSU – wie soll das nun im Landtag zusammen gehen? Ich könnte mir auch vorstellen, dass die FW einfach mal so eben in der CSU aufgehen, nach einer kleinen Übergangsphase. 

Doch wie das auch ein politischer Morgen so an sich hat: WIe das Wetter letztlich wird, weiß nur der Herr Kachelmann (und der irrt sich auch mal). Soll heißen: Noch liegt kein amtliches Ergebnis vor, und noch können sich Wolken oder Sonnenschein ankündigen. Ich für meinen Teil werde abwarten – und den Morgen an sich genießen, das tut nach der langen schwarzen Nacht einfach gut.

Kommentare»

No comments yet — be the first.