Das Neue Deutsche Kino 7. Oktober 2008
Posted by frischmax in Deutschland, Kino.Tags: Baader-Meinhof-Komplex, Bernd Eichinger, Der Schuh des Manitu, Deutschland, Fernsehen, Film, Kino, RAF
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Erstmals seit längerer Zeit durfte ich gestern Abend wieder einen grandiosen Kinofilm sehen: „Der Baader-Meinhof-Komplex“. Ein insgesamt absolut stimmiger Film, der trotz der Einordnung ins Genre „Actionthriller“ noch einige Tiefen vorweisen kann. Nach „Der Untergang“ wollte ich ja eigentlich nie wieder einen Eichinger-Film besuchen. Doch diese (angeblich) teuerste deutsche Filmproduktion war den Eintritt wert und lehrt mich: Deutsches Kino kann teuer und qualitativ hochwertig sein. Ich traue mich gar nicht zu schreiben, der Film hätte Hollywood-Niveau. Denn es gibt zu viele schlechte Hollywoodfilme, und der „Baader-Meinhof-Komplex“ ist nicht nur aufgrund der Story ein sehr deutscher Film. Überhaupt möchte ich lieber von einem „neuen“ deutschen Film sprechen. Wenn man so will, war der „Schuh des Manitu“ von 2001 der Beginn einer ganzen Reihe von teuren, gut gemachten und manchmal hochwertigen Filmen. Und auch die Zukunft lässt auf gute Produktionen aus der Republik hoffen. Großes Kino made in Germany!
Freilich, über Komödien lässt sich auch gut streiten. Ich selbst wollte damals um keinen Preis in Bully Herbigs Winnetou-Persiflage und nahm stattdessen mit „Shrek“ vorlieb (der, im Übrigen, sein Geld wert war). Erst im Fernsehen sah ich mir die Komödie dann an – und musste akzeptieren, dass es auch lustige Filme aus Deutschland gibt. Denn leider bedeutete Komödie in Verbindung mit „deutsch“ bis dato für mich immer „Manta, Manta“ oder „Voll normaal“ – und das sind abgrundblöde Streifen, für die ich mich schon bei bloßer Erwähnung in Grund und Boden Schämen will. Der Schuh des Manitu war jedoch, im Gegensatz zu Michael Herbigs Nachfolgewerk Traumschiff Surprise, ein durchaus wertvoller und tatsächlich lustiger Film. Aber
auch im ernsten beziehungsweise spannungsgeladenen Bereich konnten deutsche Produktionen punkten. Ebenfalls 2001 erschien „Das Experiment“, der noch heute Maßstäbe setzt. Ein Kammerspiel auf begrenztem Raum, mit einer unglaublichen Intensität und Härte. Häufiger jedoch sind die unschwierigen Filme (wenn auch manchmal mit anspruchsvollem Hintergrund): „Goodbye, Lenin“ befeuerte die Ostalgiewelle und (ver-)klärte ungezwungen über die DDR auf. „Das Wunder von Bern“ lockte Millionen ins Kino und wiederholte sich 2006 sozusagen als Sommermärchen, ebenfalls mit einem Millionenpublikum. Dann natürlich „Der Untergang“, ein gut gemacher Film mit einigen zweifelhaften Darstellungen Hitlers, die schauspielerisch nichtsdestotrotz großartig waren. Und, einmal mehr, Komödien: „Der Wixxer“, „Traumschiff Surprise“, die unseligen „7 Zwerge“-Filmchen, „Sophie Scholl“, „Das Leben der Anderen“, „Die Wolke“, und viele mehr. Davon natürlich nicht alle auf einem hohen Niveau, aber immer wieder waren gute Beiträge dabei.
Und jetzt also die erste Generation der RAF im Kino. Famos gespielt, toll gemacht, wenn auch mit einigen Kleinigkeiten, die mir auffielen. Die Massenszenen zu Beginn, beim Besuch des Schahs von Persien, wirken schon sehr gestellt. DIe Schreie der Statisten etwas zu laut, die Kamere ein wenig zu flott. Immer wieder im Film sieht man seltsame Verzerrungseffekte, etwa beim Durchblättern von Büchern oder Akten. Toll, dass auch in deutschen Filmen animiert wird, aber doch nicht an solchen Stellen!? Die seltsamen Fluglinien der Explosionsopfer…, aber lassen wir das. Insgesamt ein herausragender Film. Charakterzeichnung, Schauspielleistung: atemberaubend. Und ich kann wirklich nicht sagen, dass irgendetwas falsch dargestellt oder in ein bestimmte Richtung gedreht worden wäre. Gut, der Herr Aust kommt als Filmfigur sehr….neutral weg, aber wirklich wichtig ist seine Rolle ja auch wieder nicht. Ein toller Film, über den ich mich immer noch freuen kann.
Hoffen wir, dass es so weiter geht. Weitere größere Produktionen kündigen sich an, eine davon: Krabat. Und trotz der vielen positiven Beispiele habe ich da große Bedenken, vielleicht auch Vorurteile. Aber „deutsch“ + „Fantasy“ hört sich für mich komisch an – kann ein Deutscher Film Fantasy gebührend inszenieren? Ich bin mir nicht sicher. Und dann wären da doch die vielen möglichen Adaptionen von Stoffen eines Frank Schätzings oder Dan Browns – wenn diese Stoffe „made by ProSieben/RTL/Sat1″ ins Fernsehen kommen, muss ich immer an das güldne Hollywood denken.
