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Wenn die Fernbedienung verschwindet 9. Juli 2008

Posted by frischmax in Fernsehen, Gesellschaft, Kino, Medien, Nachgedacht.
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Wir leben schon in einer arg bequemen Zeit. Die Automatisierung des Alltags ist weit fortgeschritten, vom elektrischen, programmierbaren Rolladenheber über ferngesteuerte Küchenherde bishin zu Kühlschränken, die selbst nachbestellen, wenn die Vorräte zur Neige gehen. An andere bequeme Hilfsmittel im Haushalt haben wir uns schon so gewöhnt, dass sie gar nicht mehr als solche auffallen: Wer macht sich schon Gedanken über die Fernbedienung, mit der jeden Tag stundenlang die Bilderflut des Fernsehens dirigiert wird? Vielleicht hat sich Michale Haneke auch darüber Gedanken gemacht, als er 1997 „Funny Games“ drehte.

Es gibt jetzt, ziemlich genau zehn Jahre später, auch ein Remake „auf amerikanisch“, vom selben Regisseur, mit dem gleichen Drehbuch, das im Großen und Ganzen auch etwa genau so gut ist wie das Original. Ich möchte hier aber auf die Urversion Bezug nehmen, die zumindest für des Deutschen mächtige Zuschauer meiner Meinung nach atmosphärisch dichter herüberkommt als die Neuverfilmung. Dazu aber später mehr.

Der Plot des Films ist schnell erzählt (Achtung, Spoiler!) und liest sich nicht einmal besonders spannend oder innovativ: Eine spießige Mutter-Vater-Kind-Familie macht Urlaub in ihrem Ferienhaus am See. Kurz nach der Ankunft tauchen zwei unheimlich (und das ist wörtlich zu nehmen) nette junge Männer auf, die sich ganz plötzlich als sadistische Psychopathen entpuppen. Sie terrorisieren die Familie mit kleinen aber dafür umso heftiger wirkenden Schritten, verschiedenen „Spielen“ und Wetten, in die Katastrophe. Dabei ist der Kampf ums Überleben, das tatsächlich von Anfang an von den Verbrechern nicht vorgesehen ist, letzten Endes aussichtlos: Die Familie überlebt nicht, auch wenn sie sich nach Kräften wehrt.

Interessant und meiner Meinung nach wahnsinnig gut machen den Film die Details der Umsetzung: Das Familienidyll wird durch die überzeugenden Darsteller Ulrich Mühe und Susanne Lothar sehr plastisch umgesetzt. Es wirkt einfach echt und nachvollziehbar als die nette Hausfrau Anne dem ebenfalls netten und noch nicht auffälligen Psychopathen Eier borgt, als dieser vorgibt, sie für die Nachbarn zu holen. Bald darauf steht der aufdringlich freundliche Mann schon wieder in der Küche; er hat die Eier fallen gelassen und möchte schon wieder welche – auch diesen Wunsch erfüllt Anne nach kurzem Zögern, wenn auch leicht irritiert als sie vom Fremden darauf hingewiesen wird, dass sie ja noch welche habe. Langsam aber sicher kommt das Psychospiel in Gang, denn mit einem Mal steht schon der zweite, ganz in Weiß gekleidete Herr im Haus. Der Zuschauer muss hilflos mit ansehen, wie die nette Familie den irgendwie seltsamen Psychopathen ins Garn geht – denn bis zum Auftauchen des Zweiten hätte es noch die ein oder andere Chance gegeben. Doch als sich der hinzugekommene Hausherr endlich dazu durchringt, die lächelnden Männer rauszuschmeißen ist es zu spät: Fast nebenbei bricht Paul (Arno Frisch) ihm mit einem Golfschläger und ihn jenem liebenswerten österreichischen Dialekt das Bein. Die Spirale der Gewalt dreht sich von da an unaufhörlich weiter. Das Besondere ist, dass die psychische Gewalt das wirklich Grauenvolle ist. Immer wieder möchte man beim Zusehen den Akteuren zurufen: „Tu’s nicht! Geh’ weg!“. Immer wieder will man wegsehen, was so einfach dann doch nicht ist – der Voyeurismus ist schließlich ein Grundzug unserer Gesellschaft. Immer wieder wünscht man sich die Fernbedienung – doch die ist nicht da. Der Zuschauer ist dem Geschehen hilflos ausgeliefert.

Die Flucht- und Auflehnungsversuche der Familie wirken echt. Sehr oft versuchen Anna und Georg sich den Spielchen der beiden Psychopathen zu verweigern, noch öfter Scheitern Fluchtversuche. Hoffnung keimt auf, als der kleine Georg entkommt und zum Nachbarhaus rennt. Doch die Bekannten, ebenfalls ein Drei-Personen-Haushalt, sind tot – das kranke Duo scheint schon länger auf seiner Tournee des Sadismus zu sein. Schließlich wird der Junge eingefangen und es kommt zum provokativsten und krassesten Moment des Films: Mit „Ene, Mene, Miste“ zählen Peter und Paul aus, wer jetzt sterben soll: Es ist der Junge. Mit einem Gewehr wird er erschossen und diese Szene dürfte das FSK-18-Siegel erklären – allerdings ist die Tat selbs nicht zu sehen, da die Kamera Peter beim Brotschmieren zeigt – wie makaber und zugleich banal.

Die Eltern sind ob dieses Vorfalls psychotisch, geschockt und geben über Minuten hinweg alles auf – die Kamera hält drauf. Quälend lange spielen Urlrich Mühe und Susanne Lothar das Ehepaar, das fast alles verloren hat so wahnsinnig real – es kostet Übewindung, nicht abzuschalten. Doch plötzlich scheint der Horror vorbei zu sein; Peter und Paul sind fort und schließlich wagt Anna einen Fluchtversuch. Doch alle Ferienhäuser in der Nachbarschaft sind verlassen, und sie versteckt sich vor dem ersten vorbeifahrenden Auto – die Verbrecher könnten ja drin sein. Erst beim Zweiten springt sie aus der Deckung und – man ahnt es – geht dem Duo ins Netz. Resignation, Verzweilfung und Ohnmacht kann man Anna und Georg jetzt aus jedem Gesichtsaudruck, jeder Bewegung ablesen. Und trotzdem: Als die nach wie vor grausam höflichen Irren einmal unachtsam werden, greift die Mutter zum Gewehr und erschießt den Mörder ihres Sohnes. Doch diese Wendung, die gibt es in der Realität nicht oft – entspricht sie doch einem Wegschalten beim Fernsehen. Und so greift Paul zu einer Fernbedienung, denn er hat diese Option im Gegensatz zum Ehepaar und dem gelähmten Zuschauer, und spult zurück. Nun nimmt das Drama den richtigen, absoluten und konsequenten Verlauf: Georg stirbt durch das Gewehr und die Psychopathen fahren mit Anna auf den See, wo sie vor Ablauf der Galgenfrist versenkt wird. Kurze Zeit später klingeln Paul und Peter an einer Haustür.

Dieser Film ist grandios. Führt er doch all das vor, was in unserer Zeit entweder nicht existiert oder zu den schlimmsten Alprätrumen gehört: Kontrollverlust. Totaler Kontrollverust. Bei „Funny Games“ wird dem Zuschauereinerseits nichts erspart und andererseits doch nicht alles gezeigt. Nichts liegt jedoch in den Händen des Betrachters, nicht einmal in denen der terrorisierten Familie. Für mich offenbart sich in Hanekes Werk vor allem Kritik an unserem Umgang mit Medien, aber auch Kritik am System insgesamt. Beinahe hönisch zeigt die Kamera die verheulten Gesichter, den Zerfall der Protagonisten. Und gerade nicht gezeigt werden genau jene Momente, die zwar offiziell viele ekelhaft und barbarisch findet, insgeheim aber auch viele sehen wollen: Die Momente, in denen Blut fließt. Doch der Film zeigt sie nicht und überlässt sie der Fantasie des Betrachters. Und die ist, das ist auch auf Gesellschaft und Medien zurückzuführen, sehr wohl dazu fähig die Dinge darzustellen, bei denen wir angeblich immer wegschalten.

Demokratie ohne Demokraten 6. Juli 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Fernsehen, Geschichte, Gesellschaft, Medien, Nachgedacht, Politik.
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Ich bediene mich hier eines Schlagwortes, dass in der deutschen Geschichte bereits eine gewichtige Rolle gespielt hat. Es ist etwas über 75 Jahre her, da mündete die erste deutsche Demokratie in jene gigantische Katastrophe, die ganz Europa mit sich riss. Ich möchte die Ereignisse nur so kurz umschreiben, da der Hintergrund dieser Zeilen bekannt sein dürfte. Etwas anderes erregt zur Zeit wieder großes (Medien-)Interesse: Eine Demokratie, die keiner mehr unterstützt – dieses Worst-Case-Szenario ist gar nicht mehr so weit weg. Es gibt wohl noch nicht genug Gründe, um Panik (schon) zu rechtfertigen. Aber die Politikverdrossenheit nimmt zu, wie jetzt auch eine neue Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aufzeigt.

Die Studie selbst nennt es vorsichtig „Demokratieentfremdung“; die Zahlen sprechen aber eine deutliche Sprache. Nicht nur im Osten, sondern in ganz Deutschland und über viele der statistischen Gruppen hinweg macht sich Frust oder gar Ablehnung breit, wenn das Wort „Volksherrschaft“ als Stichwort gegeben ist. Zunächst nimmt sich die Befragung der Einschätzung der persönlichen Lebensumstände durch die Befragten an. Gerecht behandelt fühlen sich demnach beispielsweise Angehörige höherer sozialer Schichten (nach Selbsteinstufung), Pensionäre und Angestellte. Erwartungsgemäß sind Hartz IV-Haushalte, Arbeitslose und Geringverdiener mit ihrer Lage nicht zufrieden und fühlen sich ungerecht behandelt; diese Gruppen blicken auch mit Sorgenfalen in Richtung Zukunft – optimistisch sind generell aber nur 31 Prozent der Deutschen [1]. Was auf den ersten Blick nicht gerade weltbewegend neu ist, hat aber Auswirkungen auf die Einstellung zu Politik, Staat und unserem System, der Demokratie.

Der Vertrauensverlust in die Politik und das Unverständnis sind bei sozial schwächeren und politisch extremen Gruppierungen höher als bei den gemäßigten und gut situierten Schichten. Es verwundert nicht, dass sich 57 % der Erstgenannten gegen Reformen aussprechen – haben doch auch die bisherigen für sie nicht viel verändert. Für Reformen treten Pensionäre, Befragte mit Abitur oder auch Anhänger der Grünen ein, insgesamt 42 Prozent. Zu Denken gibt aber das Verhalten der Befragten zur Demokratie an sich: vier von zehn Deutschen stehen ihr kritisch gegenüber, 31 Prozent finden, sie funktioniert „weniger gut“. Auch hier ist das Misstrauen bei Arbeitslosen (73%) , Ostdeutschen(71%) und  rechtsextremen Ansichten (63%) sehr hoch. Alarmierend: 22 Prozent erachten die gegenwärtige Gesellschaftsordnung nicht für verteidigenswert [2]!

Die Studie offenbart noch viele weitere gravierende Probleme; das Vertrauen in die Demokratie, die Wahlbeteiligung, das Interesse an Politik überhaupt. Herausgreifen möchte ich folgendes Ergebnis:  Gerade die Unter-24-jährigen haben zu 56 % kein Interesse an Politik [3] und gehen vermutlich nicht mehr zur Wahl. Und das Krasseste: Sie haben keine Begründung. In dieser Gruppe sind nicht die politisch extremen oder sozial schwachen Gruppen aufgenommen; es dreht sich tatsächlich um den Querschnitt der Generation, die dieses Land in naher Zukunft prägen (wird?) soll (und der auch ich angehöre). Die Erheber der Studie vermerken hier beinahe lakonisch:

Interessant: Jüngere weisen zwar keine auffällige Demokratiedistanz auf, Nichtwählen ist trotzdem weit verbreitet, gleichzeitig ist das politische Inte-resse bei vielen (siehe Seite 10) nicht vorhanden. Ganz offensichtlich gibt es für Jüngere keine „Norm“, keinen „Zwang“ zum Wählen (ganz im Gegen-satz zu älteren Befragten, insbesondere bei über 65-Jährigen). Man nimmt sich vielmehr ganz einfach die Freiheit, nicht zu wählen.

Das sollte zu Denken geben. Für mich, und ich bin natürlich kein Experte, liegt in dieser Tatsache das größte Problem: Die Demokraten wachsen scheinbar nicht nach. Über die Hälfte einer Altersgruppe ist sich nicht bewusst, welche Pflichten man als Demokrat hat. Obwohl, man kann es radikaler formulieren: Wer wagt es in Deutschland denn überhaupt zu sagen, dass „Wählen gehen“ eigentlich keine Frage sein sollte?

So weit kam „Anne Will“ heute Abend natürlich nicht. Zwar war das Thema „ Demokratie, nein danke – Bürger frustriert, Politiker hilflos“ mit Blick auf die erschienene Studie aktuell gewählt. Jeodch kam Frau Will mit ihren Fragen, die eigentlich auf Lösungen abzielte, nicht wirklich zum Kern. Ist es Ironie, das es gerade die Politiker waren, die sich mit Lösungen bedeckt hielten und lieber Wahlkampf machten? Natürlich, bei allen Parteivertretern klang das alte Mantra an: Politik nicht über die Köpfe hinweg, Politik verständlich, nahe am Menschen, keine vollmundigen Versprechen, Realität vermitteln. Der einzige Vorstoß zum Kernproblem, nämlich: Das Demokratie nicht mehr und seit langem nicht als etwas Wichtiges, das man verteidigen muss, nahegebracht wird und schon gar nicht der jungen Generation – kam von einer Lokalpolitikerin, die aber eher in ihrer Eigenschaft als ehemalige Lehrerin befragt wurde. Sie brachte es auf den Punkt: Demokratie muss vorgelebt werden, im Alltag, in der Schule, bevor man von jungen Leuten verlangen kann, dass sie sie auch verstehen. Eine Demokratie braucht nämlich, und das klingt so banal, Demokratie – überall und nicht nur zu den Wahlen.

Quelle:
[1], [2], [3] Zusammenfassung der Studie

Das ProSieben Sommerprogramm: Hirnverbrannt 25. Juni 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Fernsehen.
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Man könnte diese Missgeburt eines Sommerprogramms ja mit der starken Sonneneinstrahlung und der Hitze erklären, die derzeit herrscht. Wenn man da nicht genug Flüssigkeit zu sich nimmt, kann es schnell passieren, dass das Hirn nicht mehr ordungsgemäß arbeitet. Allerdings verliert diese Theorie schnell an Stichhaltigkeit: Das ProSieben Sommerprogramm wird ja nicht jetzt entwickelt, sondern steckt vermutlich schon seit regnerischen Frühlings- oder gar Winterttagen in den Schubladen des Senders. Und außerdem zeigt ProSieben ja auch im Herbst gerne mal hirnverbrannten Schwachsinn. Insofern bleibt mir nichts anderes übrig, als anzunehmen, dass ProSieben eine neue Zielgruppe hat: Hirnverbrannte.

Oder wie sonst sollen diese beiden Sendungen erklärt werden, die das Münchner Unternehmen da, teilweise mit viel Selbstironie, anpreist? Eine mutwillige Verletzung ästhetischer Menschenrechte? Jedenfalls bewegen sich die aufeinander folgenden Sendungen „Gülcan und Collien“ sowie „Elton vs. Simon“ meines Erachtens in einer Grauzone des Geschmacks. Ich muss mal in Den Haag nachfragen, ob ProSieben sowas ungestraft darf.

Als ob Paris Hilton nicht reichen würde, als ob „Simple Life“ nicht schon schlimm genug gewesen wäre, mutet ProSiebenVolksverdummung dem ahnungslosen Zapper nun auch noch eine deutsche Variante des Ganzen zu. Schlimm genug, dass es auch in Deutschland Bauern gibt, die für Geld scheinbar alles tun, denen es vor nichts graut: Bauer Konrad und Familie haben sich zwar nicht die Pest oder Cholera, dafür aber Gülcan Kamps und Collien Fernandez eingehandelt – egal, was sie dafür bekommen: es wird den Schaden nicht wieder gutmachen können. Und so konnte man gestern beobachten, wie sich kesse Selbstvermarktungskünstlerinnen dümmer stellen als sie es tatsächlich sind. Mit High Heels kommt auf der Weide nicht weit, so das Fazit der ersten Folge. Echt? Wär’ ich nie drauf gekommen. Doch nicht nur die beiden Darstellerinnen bedienen die Klischees hervorragend. Auch die Quartiergeber geben die Bauerntölpel, die noch nie weiter als bis zum nachbarlichen Misthaufen gekommen sind, mit Bravour. Mit dem Unterschied, dass ihrer Zunft damit wirklich geschadet wird, anders als bei den beiden It-Girls, die ihrem Beruf nachgehen. Aber gut, es mus genug Menschen geben, denen diese Blosstellung gefällt.

Gleich im Anschluss kam dann das von ProSieben selbst mit „schrecklich“ und „gehört verboten“ beworbene „Elton vs. Simon“. Früher habe ich Spielshows ja mal gemocht – aber Elton vs. Simon ist ja auch keine Spielshow, genaugenommen. Hindernisparcour mit Baggern, Aktzeichnungen von hässlichen Körpern, Badehosen ausstopfen – alles „Wettebwerbe“, die natürlich auf Niveaulosigkeit abzielen und anzüglich erscheinen sollen. Die niedern Instinkte mancher Zuschauer werden angesprochen, ohne dass dabei wirklich etwas gezeigt wird. Ganz großes Kino, echt. Auch hier gilt: Der Dumme ist nicht Elton, auch nicht Simon. Der Dumme ist derjenige, der sich das anschaut und nicht begreift, für wie doof er eigentlich verkauft wird. Eine Sendung, in der Männer Größenvergleiche zwischen ihren Geschlechtsteilen ziehen, würe nicht um 21:15 kommen und vermutlich auch nicht auf ProSieben. Auch würde wohl niemand zugeben, sich das anzusehen. Eine Sendung, in der Männer sich die Hose mit Münzgeld ausstopfen, um zu sehen, wer den „größeren Beutel“ hat – die läuft um 21:15 und zieht 13,5 Prozent der Zielgruppe in ihren Bann.

„Hat mal jemand nen Spaten? Ich suche das Niveau!“

Darf man also die Verantwortung nur bei den Sendern sehen? Ich glaube: nein. Solange sich Zuschauer ür niveauloses Fernsehen finden, solange werden es sich gerade die Privatsender zweimal überlegen, ob sie mit geringemfinanziellen Aufwand und schlechter Qualität viel Gewinn machen oder mit hohen Investitionen und guter Qualität im Quotenloch versinken. Das Problem ist nur: Die Öffentlich-Rechten, die auch vom Zuschauer bezahlt werden, sind beinahe noch schlimmer: Sie investieren viel Geld in schlechte Qualität und verlieren beim Quotenvergleich.

Jack is back 24. Juni 2008

Posted by frischmax in Fernsehen.
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Das deutsche TV-Programm ist es meistens nicht wert, den Fernseher einzuschalten. Und selbst wenn ich auf meine 500 gespeicherten Satellitenprogramme aus ganz Europa zurückgreifen würde: gute Formate sind absolute Mangelware. Qualität im Fernsehen – das gibt es höchstens bei ARD (nach Mitternacht!), ZDF (spät Abends), einem der öffentlich-rechtlichen Digitalprogramme oder eben bei arte (ganztags!), 3-Sat und DW-TV. Aber ich mus zugeben: Immer nur intellektuell ansprechendes Fernsehen, das ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Manchmal sucht man die Zerstreuung, will einfach mal das Gehirn ein wenig herunterfahren. Aber wenn man sich dann Serien und Formate reinzieht, die dazu einladen sollten, sind diese schon wieder so stumpf und anspruchslos, dass der Geist ob dieser Anmaßung auf Hochtouren kommt. Doch, die Rettung naht, zumindest für ein paar Wochen: Jack Bauer rettet dieses Jahr nicht nur die Welt sondern auch meinen Fernsehabend, jedenfalls am Montag.

Okay, die Serie „24″ ist sicherlich keine besonders intelligente. Hau-Drauf-Action, die bösen Terroristen, ein kluger Präsident etc, das hat es alles schon mal gegeben und man kann es sich auch immer wieder halbjählich in den Kino-Blockbustern aus Hollywood ansehen. Ich gebe ohne weiteres zu, dass die ersten Staffeln mit dem verschwitzen, geplagten Mittvierziger sich außer durch die angebliche „Echtzeit“ (real werden ständig ganze Minuten „gestohlen“, da die Serie mit Werbeblöcken geplant wurde – sieht Jack bauer also auch ständig Werbeeinblendungen?) nicht sonderlich vom Hollywoodstandard abgehoben haben. Doch mit sinkenden Zuschauerzahlen verbessert sich in jeder neuen Staffel meiner Ansicht nach etwas Entscheidendes: Der Kerninhalt, also die USA als bedrohtes Land und die Frage, was man gegen Terroristen einsetzen darf, ohne selbst Werte zu verraten.

War Jack Bauer in der ersten Staffel noch der starke Held, der mit ungalublichen Taten konfrontiert wird (für mich eine Paralelle zu den USA, die aus scheinbar heiterem Himmel durch Terroranschläge getroffen werden – die erste Staffel wurde 2001 produziert!), wird er in der zweiten Staffel schon zum harten Hund, der nur noch wenige Entscheidungen hinterfragt – die schlimmen Ereignisse belasten ihn sehr.

Immer härter werden Jack Bauers Methoden, auch vor Folter schreckt der Agent nicht zurück. Schließlich kann er sogar (in Staffel drei) Rache üben an der Mörderin seiner Frau – doch verschafft ihm das Befriedigung? Der Getriebene gibt letzlich fast alles auf, was ihn als „Menschen“ ausmacht – Familie und Beziehungen – und existiert nur noch als einsame Kampfmaschine im Dienst für eine höhere Sache. Das diese höhere Sache mitunter höchst Zweifelhaft erscheint macht die Sache noch komplizierter.

Von Staffel zu Staffel, so scheint es mir, trauen sich die Drehbuchautoren die USA verletzlicher zu zeigen. Gleichzeitig kommt der Terror imme näher, wird immer realistischer. Waren es anfangs Atombomben und Viren, so sind jetzt schon Selbstmordattentäter in den USA unterwegs. Kritisch hinterfragen einige Charaktere das Verhalten der Regierung, die mehr und mehr zwischenKriegstreibern und Friedensstiftern zerrieben wird. Gestern konnte man zu Beginn von Staffel sechs sehen, wie Menschen auf der Straße von großen Bildschirmen (ganz in 1984-Manier) informiert werden, dass islamistische Terrorositen überall lauern können. Wenig später sehen sich die arabisch aussehenden Mitbürger mit Verdächtigungen konfrontiert. Ein Busfahrer lässt einen Moslem stehen, aus Angst, dieser sei ein Terrorist. Wenig später explodiert der Bus, als ein anderer Fahrgast die Bombe zündet. Aber auch der „John-Doe“ muss nun aber dem FBI Tür und Tor öffnen und persönliche Daten herausgeben.

Ich hoffe, dass diese Entwicklung weitergeht. Selten hat eine auf Action getrimmte Serie solche kritischen Inhalte, solche nachdenklich stimmende Momente. Und das ist, gerade weil „24″ hauptsächlich ein anderes Publikum hat als Arte und Co., sehr wichtig.