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Wenn der Computer süchtig macht 13. August 2008

Posted by frischmax in Computerspiel, Gesellschaft, Medien, Technik.
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Wenn der PC die Zeit stiehlt
Wenn der PC die Zeit stiehlt

So lautete der Titel einer Reportage, die das Erste gestern Abend ausstrahlte. Anhand von drei verschiedenen Fällen dokumentieren die Autoren, dass Computerspiele Menschen so extrem fesseln können, dass deren gesamte reale Existenz nach und nach zerstört wird. Trotz der einseitigen Fixierung auf das Negativsymbol schlechthin für Spielsucht, World of Warcraft, gelingt es dem Film, die Objektivität zu wahren und mit einem ernsten aber nicht paranoiden Grundton auf die Gefahren hinzuweisen, die Computerspiele zumindest in einigen Fällen bergen.

Ich gebe es besser gleich zu Beginn dieses Artikels zu: Ich bin selbst leidenschaftlicher Computerspieler, und das schon seit mehr als zehn Jahren. Auf Objektivität kann ich mich also vermutlich nicht berufen, jedoch werde ich mich bemühen, möglichst viele Blickwinkel zu bedenken. Obschon ich die Dokumentation loben muss, möchte ich nämlich einige der Kernfragen, die dort zur Sprache kamen, näher betrachten und auch in Frage stellen.

Zum einen kann schon der Titel Missverständnisse hervorrufen, impliziert er doch, dass der Computer die Menschen süchtig macht. Dieser Sachverhalt ist so plakativ wie unwahr. Es mag sich als bloße Spitzfindigkeit ausnehmen, aber: Süchtig wird der Mensch, ob mit oder ohne Motiv. Der Computer oder auch nur ein Stück Software können aber kein Motiv haben – diese Überschrift verleitet aber dazu, die „Schuld“ (sofern es diese gibt) bei einem Objekt zu vermuten. Diese Möglichkeit ist jedoch sehr fragwürdig. Wie sogar im Film zu sehen war, sind es nämlich Vorgänge im Gehirn, die unser Verlangen nach etwas steigern oder senken. Im Falle der Spielsucht ist es also in erster Linie eine psychische Abhängigkeit; Mensch möchte sich gut fühlen und dieses Gefühl – Glück, Wohlbefinden – erzeugen gewisse Stoffe, die ausgeschüttet werden wenn Mensch Situationen so durchlebt, dass er sich siegreich, zufrieden, gut fühlen kann. Die Übertragung auf ein Spiel, ich nehme das Lieblingsbeispiel World of Warcraft, ist denkbar einfach: Belohnungen sind der rote Faden eines jeden Rollenspiels – für Nichts und wieder Nichts oder aus Spaß an der Freude spielen nur die Wenigsten. Vielmehr sind es kurz-, mittel- und langfristige Ziele, die Spieler antreiben, bei der Sache zu bleiben. Misserfolge frusten zunächst kaum, sind sie doch wenigstens am Anfang spärlich vorzufinden – und später ist es das eine große Erfolgserlebnis, das über die nun massiv auftretenden Niederlagen hinweghilft. Der Dämon „Sucht“ ist hier also gar nicht übernatürlich sondern ein außerordentlich normales, menschlich-biologisches Phänomen, das die Natur nicht ohne Grund ersonnen hat. Manchen Menschen sagt diese Erniedrigung, also die Einsicht, dass wir Menschen nur einen begrenzt

WOW - der Sündenbock
WOW – der Sündenbock

freien Willen haben, natürlich nicht zu – so liegt es Nahe, den Schuldigen an anderer Stelle zu vermuten.

Nun aber genug mit dieser Wortklauberei. Viel wichtiger in meinen Augen ist die Frage, warum es überhaupt Spielsüchtige gibt, oder warum so viele nicht süchtig werden. Ich bin ein Mensch, der sich selten die Freiheit nimmt, alles nur mit seiner eigenen Perspektive begründen zu wollen. Diese Art der Geringschätzung des Anderen war mir immer zuwider. Allerdings stelle ich mir gerade in diesem Fall – ich spiele und spielte ja selbst lange genug, ohne süchtig zu werden – schon die Frage, ob ich und die Millionen Menschen, die einen normalen Umgang mit all den Verführungen unserer Welt pflegen, irgendwie anders sind? Warum werde ich nicht abhängig? Zweifelsohne gibt es ja diese krassen Auswüchse, aus denen sich die Betroffenen nicht mehr befreien können; auch hier waren die Beispiele der Reportage anschaulich und dramatisch; und die Abhängigen waren allesamt aus gutem Hause – das Lied vom ohnehin kaputten Leben, das sich nun in eine wie auch immer geartete Sucht flüchtet, es stimmt so gar nicht – gerade Computer, Spiele dafür und Onlinespiele insbesondere sind nämlich absolute Luxusgüter, die so vielen Menschen nicht zur Verfügung stehen. Zwar sind auch Alkohol und Zigaretten gewissermaßen Genuss- und Luxusartikel; aber allemal einfacher und günstiger zu haben als ein PC. Dennoch, auch wenn einige der gezeigten Personen über ein intaktes Berufsleben, über Freunde und Hobbies verfügt haben: Ich komme nicht ganz dahinter, wie sie das alles für ein Spiel aufgeben konnten. Ich werde also doch einmal von mir ausgehen müssen:

In den frühen Kinderjahren hatte ich großen Spaß mit allerhand Spielzeugen. Auch das Fernsehprogramm war von Interesse, als ich mich als Frühaufsteher mit 6, 7 Jahren am Samstagmorgen still und leise beschäftigen musste, weil alles noch schlief. Irgendwann hatte ich dann auch meinen eigenes Gerät, wenn auch nur ausgewählte Programme. Ich zappte mich durch, und entschied mich manchmal dafür, viel Zeit mit der Glotze zu verbringen. Viel öfter, das kam mit der Zeit von selbst, ließ ich das Ding aber ausgeschaltet. Lego, Freunde und vor allem Bücher fand ich spannender. Irgendwann erzählten dann viele andere Kinder von ihren Nintendos und Gameboys – doch meine Eltern haben mir nie so ein Gerät gegeben. Dafür bekam ich bereits mit acht Jahren einen PC und einige Spiele, die schon damals alt waren. Hauptsächlich sollte und musste ich den Computer aber zum Lernen benutzen. Freilich kamen mit der Zeit und dem steigenden Taschengeld immer mehr Spiele hinzu – Anno 1602 oder diverse andere Simulationen fesselten mich ziemlich - aber meine Eltern zogen eben den Stecker, wenn ich mal gar nicht von der Kiste weg wollte. Außerdem war da noch die Schule, und meine Freunde wollte ich eigentlich auch sehen, und Lesen war nach wie vor mein größtes Hobby. Auch das Internet änderte daran wenig, zu Beginn war es mir schlichtweg zu langsam, und in Zeiten von DSL hatte ich selten Geld übrig, um die immensen Kosten von World of Warcraft zu tragen – meine Eltern hätten mir das ohnehin nie gezahlt. So habe ich erst sehr spät meinen lang gehegten Wunsch verwirklicht und dieses ach so tolle WoW ausprobiert. Es hat mir gefallen, ich habe es in zwei Monaten ziemlich ausgiebig gespielt, einen Charakter auf Level 53 gebracht – und wieder aufgehört. Denn, wie bei allen Spielen: Es ist immer nur Schema F – und das kennt man irgendwann. Und dann ist ein Spiel für mich einfach nicht interessant genug, dass ich dafür Stunden oder gar Tage opfere.

Sucht
Sucht

Für mich – und ich kann das nur aus meiner Sicht schildern – stellt sich das Problem als ziemlich einfach zu vermeiden dar: Alles in Maßen genießen. So kann man eigentlich nur schwer in die Zwangslage geraten, tatsächlich süchtig zu sein – und dann ist es wirklich ein großes Problem. Ein mittlerweile 40-jähriger ehemaliger Systemadministrator war das krasseste Beispiel der Doku: Ehemalig – wegen einem Spiel. Und Frau, Geld, Freunde – das ist auch alles weg. Ein Entzug war zwar erfolgreich – aber der Arbeitsplatz am Computer ist ein denkbar schlechter Ausgangspunkt, all das hinter sich zu lassen. Die Reportage hat ein offenes Ende.

Festzustellen ist: Computer(-spiele) können süchtig machen. Im Gegensatz zu Drogen ist dabei kein körperfremder Stoff erforderlich, der das Abhängigkeitsverhältnis verursacht – diese neuere Form der Sucht ist in der Psyche verankert. Allerdings ist auch genau das ein Grund dafür, dass eine Computersucht unbemerkt und schnell eintritt. Ich bin wahrlich kein Freund von neoliberalistischen Slogans, die mehr Eigenverantwortung fordern und damit den Abbau von Unterstützungseinrichtungen meinen. Aber die Computersucht scheint relativ einfach zu verhindern zu sein: Der gesunde Menschenverstand sollte bei den meisten Menschen ausreichen, um die Kiste dann und wann abzuschalten.

Science-Fiction im Alltag 30. Juni 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Technik.
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Für uns vermeintlich so weit fortgeschrittene Europäer sind längst nicht alle Entwicklungen der modernen Technik alltäglich. Zwar gehören in Westeuropa ein oder mehrere Computer, Autos mit Einparkunterstützung oder halbautomatische Bürogebäude zu jenem Luxus, den sich zwar längst nicht jeder leisten kann, den man aber immer öfter im antrifft. Wenn jedoch über automatische Toiletten und Roboterstaubsauger gesprochen wird, dann fast immer mit einer gewissen ungläubigen Miene. Klar, die Entwicklung solcher Systeme ist weit fortgeschritten, aber im Haus hat man sowas noch nicht. Jedenfalls in Europa. In Japan ist nicht nur die Forschung weiter, auch die Akzeptanz der neuen Technik ist größer.

Aus dem Fernsehen kennen wir diese Berichte, die uns von Brennstoffautos, elektrischen Haustieren und Altenpflegerobotern berichten. Sehr populär auch hierzulande: die tanzende Robotergarde.

Bei all diesen Meldungen vergisst man schnell, dass das nicht nur zum Vergnügen durch den Bouldevardblätterwald rauscht. In Japan meint man diese Spielereien total ernst. Und so darf es auch nicht verwundern, wenn das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie verkündet, bis 2025 Service-Roboter in die Gesellschaft integrieren zu wollen. Damit sind auch keineswegs nur die kleinen kugeligen Saug- und Putzmaschinen gemeint, die es schon bis nach Europa geschafft haben. Die Haushalte in Japan oder Südkorea sollen über wahre Allrounder verfügen, die Fenster putzen und Essen machen, Vokabeln mit den Kindern üben und Störungen in der Haustechnik melden. Und wenn die Hausbewohner einmal ins Rentenalter kommen – in Japan werden bis 2025 über 25 Prozent der Bevölkrung 65 oder älter sein – werden spezielle Roboter die Pflege übernehmen.

Das diese Integration von Maschinen in das tägliche Leben so stattfinden wird – das klingt für Europärer wohl eher nach Science-Fiction. Allerdings spricht einiges dafür. Die Shinto-Religion, der 84 Prozent der japanischen  Bevölkerung angehören, ist vom Animismus geprägt, wonach alle Lebewesen, die Natur und sogar Dinge so etwas wie eine Seele haben. Somit war elektronisches Spielzeug für Japaner nie so fremdartig und steril, wie es vielleicht auf viele Eorpäer gewirkt hat. In Deutschland tun sich die Kirchen ja schon schwer, Haustieren eine Seele zu gönnen. Während manche Menschen ihren Autos Namen geben, haben in Ostasien Computer, Spielzeug und andere Dinge selbstverständlich Namen. Im Westen hingegen drehen derartig subjektivierte Elektrowesen in Filmen oftmals durch – siehe I, Robot oder auch Frankenstein als Prototypen eines Cyborgs. Und in Matrix versklaven uns unsere hiflreichen Maschinen.

Die Angst vor diesen Entwicklungen wird hier wohl auch weiterhin verindern, dass Roboter so eine bedeutende Rolle im Alltag spielen dürfen. Und ehrlich gesagt: Auf die Toilette gehe ich immer noch ganz gerne selber.

Quelle:

stern.de

Der Segen der modernen Technik? 21. Juni 2008

Posted by frischmax in Deutschland, Technik.
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Technik – was würden wir ohne Computer, iPod, Navigationssysteme und Handy nur machen? Diese Dinge gehören in Deutschland beinahe zur Grundausstattung eines Menschen, der auf dem aktuellen Stand sein möchte. Und es geht immer weiter: das neue iPhone erscheint demnächst, neue Spielekonsolen ziehen in regelmäßigen Abstönden die Jugend in ihren Bann, das Fernsehen wird total digital….und wann fahren eigentlich die Autos endlich selbstständig zum Ziel?

Beim Automobil klappt es vielleicht noch nicht ganz, aber U-Bahnen fahren schon in einigen Städten (z.B. Lyon, Paris) relativ selbstständig. Und auch in Deutschland hat diese neueste Entwicklung in der Optimierung des Nahverkehrs jetzt Einzug gehalten: das kleinste und jüngste U-Bahnnetz in Nürnberg wird nun auf einer Strecke von den neuen führerlosen Zügen befahren. Ich bin, auch wenn ich mich nicht damit auskenne, doch ein Fan von jedweder komplizierter Technik. Ich bewundere diese Errungenschaften. Doch muss man auch nach dem Nutzen fragen dürfen: Was bringt eine vollautomatisierte U-Bahn?

  • Zu allererst fallen die eingesparten Fahrer ins Auge: Auf Dauer muss der Verkehrsbetreiber also keine Fahrer mehr schulen, einstellen und bezahlen. In Nürnberg werden zwar keine Fahrer entlassen. Aber die, die nach und nach wegfallen, arbeiten nun als – ich nehme an: gering bezahlte – Servicekräfte auf dem Bahnsteig.
  • Der Kosten-/Nutzenfaktor insgesamt dürfte ebenfalls ein dickes Pro darstellen: der Computer arbeitet effizienter als jeder Fahrer, und das bei höherer Taktdichte und ohne Nachtarbeitszuschlag. Die Züge können jetzt im 100 Sekunden Takt fahren.
  • Da das Softwaresystem keine Schrecksekunde kennt, dürfte es auch weniger Unfälle geben; wenn die Technik funktioniert.
  • Ausschlagebend in Nürnberg war auch, dass ohnehin neue Fahrzeuge angeschafft werden mussten.

Alles schön und gut. Die Pro-Argumente sind nachvollziehbar und nützen dem unternehmen sowie den Fahrgästen. Und ein Prestigeobjekt hat Nürnberg nun auch erfolgreich abgeschlossen – nach zweijähriger Verzögerung. Der Standort Deutschland hat ein weiteres Leuchtturmprojekt. Doch, bei aller Freude, was bedeutet denn die Möglichkeit, bei voller Fahrt in einen Tunnel starren zu können, wirklich?

Ich sehe da so einige negative Auswirkungen. Tatsöächlich ist es doch so, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Fahrer, Sicherheitskräfte – mit den automatischen Zügen wird die Videoüberwachung ausgeweitet – und auch die Mitarbeiter in der Leitstelle werden weniger werden. Früher hattte man mehrere qualifizierte Arbeitskräfte, um die Technik zu überwachen. Heute ist es fast umgekehrt: Der Computer regelt alles, und mensch schaut ab und an nach dem Rechten. Und da ist der größe Haken:

  • Wenn das Sytem streikt, weswegen auch immer: Die Beeinträchtigungen können alle Größenordnungen erreichen; von „behebarer Schaden“ bis hin zum Totalausfall. Früher wurde der Fahrer getauscht oder kruz war repariert. Heute muss der IT-Techniker oder EDV-Mann möglicherweise lange nach dem Fehler in einem solch komplexen System suchen.
  • Derartige Fehler kommen auch nach jahrelangen Testphasen verdächtig oft vor.

Auch bei meiner (unvollständigen) Auflistung wird klar: Die Vorteile überwiegen. Aber die wenigen gravierenden Nachteile haben es in sich, wenn sie denn eintreten. Früher gab es viele Fehlerquellen bei Mensch und Technik, die sich summierten. Heute gibt es weniges, was schief gehen kann. Aber wenn….

Insofern: Technik ist schön und gut. Aber irgendwie bleibt ein mulmiges Gefühl, wenn man sich auf hochkomplizierte Konstruktionen verlassen muss, von denen wir nichteinmal mit absoluter Sicherheit sagen können, ob die Erfinder selbst sie ganz durchauen können.