jump to navigation

Warum wir Chewbacca wohl nie treffen werden 1. Juli 2008

Posted by frischmax in Kino, Literatur, Nachgedacht, Weltenbasteln.
Tags: , , , ,
1 comment so far

Star Wars ist neben Star Trek wohl die einzige Science-Fiction Reihe, in der die fremdartigen Kulturen nicht einfach nur niedergemetzelt werden sondern in den Fokus der eigentlichen Story rücken. Wer kennt nicht diese tollen Szenen auf der Raumstation oder in der „Mos Eisley Cantina“, wo sich das (erdachte) Universum in seiner ganzen Vielfalt tummelt? Toll, dass es Wesen gibt, die mehr als zwei Arme und Beine besitzen und somit mehrere Bierkrüge gleichzeitig halten können, möchte man da denken.

Doch, bei allen zotteligen und manchmal auch ekligen Viechern, die sich im Sternenhimmel der Literatur und Filme tummeln; wie realistisch sind diese Szenarien? Axel Meyer, Zoologe und Evolutionsbiologe, bezweifelt das [1]. Egal, wie komisch und exotisch etwa Chewbacca wirkt: Genau wie viele andere Wesen aus dem Star-Wars-Universum hat er doch einiges gemeinsam mit uns Erdenbürgern: Die Physiognomie, also ein etwa gleichgroßer und bilateralsymmetrischer Körperbau, ist der des Menschen sehr ähnlich – wenn man Jabba den Hutten einmal ausklammert. Auch verfügen die auf den ersen Blick fremdartigen Kreaturen über ähnliche kommunikationsmittel: Mimik und Gestik, aber auch eine grammatikalisch organisierte Sprache ermöglichen ja erst die Interaktion mit den menschlichen Charakteren.

Tatsächlich ist die Science-Fiction-Welt wie auch die klassische Fantasie geprägt von humanoiden Wesen. Selten haben wir es mit so abartig-andersartigen Wesen wie etwa dem Alien aus den gleichnamigen Filmen zu tun. Meistens dreht es sich um Vulkanier, Romulaner oder, um bei Star Wars zu bleiben, um verschiedene Menschengeschlechter. Warum ist das so? Warum treffen wir Menschen auch bei den weitesten Gedankenreisen noch auf uns ähnelnde Geschöpfe? Ist es die verzweifelte Suche nach Verwandten, die sich in der Fantasie fortsetzt wie auch im realen Leben? Waren Autoren und Regisseure einfach nur einfallslos?

Die Suche nach gleichartigen Lebensformen findet sich aber tatsächlich auch in der Realität: Die Nasa geht in vielen ihrer millionenschweren Forschungsprogramme davon aus, dass Leben im Weltall an Umstände gebunden ist, die denen auf der Erde gleichen. So sucht man auf dem Mars nach Wasser und Kohlenstoff – weil aus diesen Bausteinen leben entsteht. Jedenfalls kennt man das so von der Erde. Was aber, wenn es tatsächlich vollkommen andere Arten des Lebens gäbe? Mit einem eingeschränkten Suchmodus werden wir es vielleicht niemals finden. Können wir es überhaupt finden? Vielleicht existieren Formen von Leben, die unsere Sinne nicht erkennen können. Oder fremde Kreaturen verbergen sich hinter vermeintlich bereits erforschten Sphären? Was, wenn Elektronen eigentlich intelligente Wesen sind? Zur Zeit gibt es dafür keine Anhaltspunkte, aber eventuell ja nur, weil wir diese nicht sehen können. Ich denke, es ist an der Zeit, dieses Denken von der „Krone der Schöpfung“ wirklich zu beenden. Zwar haben die meisten Menschen im Bezug auf die heimische Flora und Fauna längst anerkannt, dass alles Leben seine Berechtigung hat. Jedoch steckt dieses mittelalterliche Bild vom Menschen als Ideal immer noch in uns. Solange wir uns selbst im Weltall vermuten, wie sollen wir denn etwas anderes finden? Stanislaw Lem, über den ich demnächst etwas schreiben möchte, hat es einen Charakter in Solaris treffen formulieren lassen:

Wir sind humanitär und edel, wir wollen die anderen Rassen nicht unterwerfen, wir wollen ihnen nur unsere Werte übermitteln und, als Gegengabe, ihrer aller Erbe annehmen. Wir halten uns für die Ritter vom heiligen Kontakt. Das ist die zweite Lüge. Menschen suchen wir, niemanden sonst. Wir brauchen keine anderen Welten.Mit anderen Welten wissen wir nichts anzufangen. Wir brauchen Spiegel. Es genügt unsere eine, und schon ersticken wir an ihr.
Stanislaw Lem, Solaris, 1968

Quelle:

[1] The Brights

Weltenbasteln I 23. Juni 2008

Posted by frischmax in Weltenbasteln.
Tags: , , , , , ,
add a comment

In den letzten Tagen habe ich mir eine Art Herrschaftssystem ausgedacht. Mit der Zeit soll das natürlich einmal eine ganz neue Staatsform werden. Und wenn sie funktioniert, wäre das schon ganz toll. Denn außer eine Welt zu erschaffen habe ich mittlerweile noch etwas Anderes vor. Wenn Alles gut geht, könnte sich aus diesem Gebilde eine Mikronation entwickeln. Da mir meine Stammnation Ozeania zur Zeit nur Sorgen und keinen Spaß mehr macht, spiele ich mit dem Gedanken, einfach selbst einen virtuellen Staat aufzumachen. Hier aber nun der unausgegorene Entwurf:

Ich finde, es schaut schon ganz gut aus, so als Skizze. Natürlich sind die ganzen internen Vorgänge wie Wahlen, Modi, Regelungen etc. noch nicht ausgedacht – kommt noch. Ich muss mich heute erst einmal an meiner Kreativität ergötzen.

Wenn ich dieses System in einer Micronation umsetzen kann (Ach, der Begriff ist noch nicht bekannt? Ich erkläre es bei Gelegenheit einmal.), stellt es dem potentiellen Teilnehmer eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, über die der User Einfluss auf die Politik nehmen kann.

Einmal ist da der 3. Stand, der die üblichen demokratischen Institutionen wie Wahlen und Parlamente oder Parteien großräumig umgeht. Vielmehr können alle (männlochen) Bürger des dritten Standes in die „Priesterschule“ aufgenommen werden, von der aus sie sich hocharbeiten bis in eine Art Kurie aus Priestern. Diese sollen dann beratschlagen und mit absoluter Mehrheit Entwürfe für Gesetze oder Ähnliches verabschieden. Das geht dann an den Hohepriester, der über göttliche Weisheit verfügt und daher das letzte Wort hat. Da das ein bisschen unfair wäre, möchte ich eine Art Regel einführen, die ihm die Anwendung dieser Überlegenheit nur in begrenztem Maß gestattet – eine Spielleitung wird das beobachten und den Gottesmann eventuell des Amtes entheben.

Der 2. Stand geht einen relativ demokratischen Weg, die Bürger wählen hier letzten Endes Repräsentanten, die, in Parteien organisiert, im Haus des 2. Standes sitzen und Mehrheiten finden müssen, um letzten Endes Gesetze über den Kanzler in den hohen Rat einbringen zu können – mit zwei Stimmen ist dieser abder dem Geistlichen unterlegen.

Der 1. Stand verzichtet auf Parteien. Hier sprechen sich die Repräsentanten untereinander ab, Entwürfe bedürfen einer einfachen Mehrheit um über den Gesanten in den hohen Rat eingebracht zu werden. Auch der 1. Stand verfügt über nur 2 Stimmen und muss spätestens hier mit den anderen beiden Vertretern zusammenarbeiten.

Klingt toll, oder? Klingt kompliziert, oder? Klingt….hm, ziemlich konfus. So ganz durchschaue ich mich selbst noch nicht. Aber ich arbeite daran. Und wenn dieses System Sinn ergibt, irgendwann in hoffentlich baldiger Zukunft, wid daraus vielleicht ein tolles Spielchen.

Gott spielen 19. Juni 2008

Posted by frischmax in Computerspiel, Weltenbasteln.
Tags: , , , , ,
add a comment

Gestern habe ich noch vom Erschaffen ganzer Welten geschrieben. Und heute stolpere ich über ein Programm, mit dem man auch die Bewohner erschaffen kann – und man braucht dazu nicht wirklich lange, im Gegensatz zu den diversen ominösen Schöpfungsakten der Religionen, in denen die Genese zumeist Tage oder Wochen in Anspruch nimmt. Gut Ding will Weile haben – muss es aber nicht, wie der „Creature Creator“ beweist. Dieses Labor zum seit langem erwarteten Spiel Spore (ein Reim!) bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, mehr oder weniger abstruse Wesen zu erstellen. Wie wir es von Sims-Erfinder und federführendem Entwickler von Spore, Will Wright, gewohnt sind, kommt das Programm mit kinderbabyleichter Bedienung daher, quietschbunt und schön schräg. Die Schöpfung dauert hier nicht lange, schon gar nicht sieben Tage, und ausruhen muss man sich hinterher auch nicht.

Im Folgenden möchte ich gern einige meiner Kreationen präsentieren. Für einen Appetizer, denn sicherlich soll das Tool Spore wieder in die Medien und Köpfe bringen (es wird ja immerhin seit einigen Jahren entwickelt), bietet es auch ohne die kostenpflichtige Vollversion viele Möglichkeiten.


Das Sho’Kra, ein stromlinienförmiges und schlangenartiges Wesen. Die drei scharfen Mandibeln zerlegen die Nahrung, die die beiden Stielaugen erfassen, in mundgerechte und leicht zu verdauende Stückchen. Zwar wird das Sho’Kra mehrere Meter lang, erreicht dabei aber nur bis zu 30 cm Durchmesser.
fsd
Der Krokotyrex ist am ehesten mit dem irdischen Urzeitwesen Tyrannosaurus rex zu vergleichen. Große Klappe, dünne Ärmchen – aber ganz schön bissig.
sfsf
Der Batzen. Der Name sagt alles und ist ganz sicher nicht phantasielos sondern schlichtweg bezeichnend.

Nunja, ein kurzweiliger Zeitvertreib, der Lust macht auf mehr. Schön für EA-Games, dass sie mit dem kostenpflichtigen Editor auch schon vor Erscheinen des Spiels ordentlich Geld machen können. Seit Erscheinen vor zwei Tagen wurden mehr als (momentan) 400.000 Wesen erstellt; schätzungsweise zwei neue Kreaturen pro Sekunde kommen hinzu. Und das bei einer Demo – mit dem Volltitel „Spore“ dürfte EA dann im Herbst mindestens soviel Geld machen wie seinerzeit mit Sims – bedeutet das, dass auch Spore mit Add-Ons noch in Jahren Geld scheffeln wird? Ich bin mir da fast sicher.

Schaffensdrang 18. Juni 2008

Posted by frischmax in Weltenbasteln.
Tags: , , , ,
add a comment

Schon komisch, wenn ich mich vor mein Blog setze, fällt mir meistens erst einmal kein Text ein. Und trotzdem habe ich das Bedürfnis, etwas zu „schaffen“. Bis gerade eben war ich dabei auf Artikel und andere literarische Formen beschränkt. Jetzt erweitere ich den Fokus aber auf – nennt es Größenwahn oder zu viel Zeit – Welten. Ja, ich will eine Welt erschaffen. Nicht im physischen Sinne, jedenfalls noch nicht. Aber die theoretischen Grundlagen für eine Welt, das heißt Kulturen, Sprachen, Geografie, Klima, Natur und und und; daran kann man sich als kleiner Nachwuchsgott ja schon einmal machen. Schließlich ist nicht ewig Zeit.

Eine Welt ist nicht genug!Scherz beiseite, das „Weltenbasteln“ ist keine Narretei. Angesehene Leute  haben sich damit mehr oder weniger ausführlich beschäftigt. Wenn man will, kann man zum Beispiel Literaten wie Jonathan Swift dazu zählen. Die Insel Liliput ist ja auch ein fiktiver Ort, und Swift hat sogar manche kulturelle Eigenheiten der „Menschen“ dort beschreiben. Das war im 18. Jahrhundert. Natürlich führt die Spur über die Romantiker weiter ins 20. Jahrhundert zu Tolkien und Lewis. Nicht nur auf Welten beschränken sich Sci-Fi-Autoren wie Arthur Clarke oder Isaac Asimov; sie erschaffen und erschufen ganze Galaxien. Es ist also nicht von der Hand zu weisen, dass Weltenbasteln immerhin so einigen klugen Köpfen nicht als Schwachsinn galt, sondern als ernste Angelegenheit. Aber warum entschließt sich jemand dazu, fiktive Realitäten zu erfinden?

Im Wesentlichen kann man hier wohl zwischen drei Motivationsgründen unterscheiden: Schriftsteller wie Rollenspieler benötigen Hintergründe für ihre Geschichten – zumeist gibt es hier also zuerst einen Text, dem dann nach und nach eine fiktive Realität angegliedert wird – bis am ende eine Einheit entsteht.

Tolkien war zwar Schriftsteller, aber in erster Line doch eher Wissenschaftler – und zwar Philologe. Insofern hat Tolkien wohl nicht nur aus der Lust am Schreiben heraus Mittelerde erschaffen. Nein, Tolkien hat Sprachen entwickelt; und er interessierte sich dafür wie Sprachen entstehen und warum. Dazu gehört natürlich der kulturelle Hintergrund und vieles mehr. Mittelerde ist insofern auch Spielweise eines Forschers. Dieser Beweggrund, Welten zu schaffen ist so ungewöhnlich nicht: Die NASA beispielsweise interessiert sich ebenfalls dafür, wie und warum eine „Welt“ funktiert. Das Interesse richtet sich hier natürlich auf künftige Ausflüge zu anderen Welten. Deswegen denken sich schon heute kluge Köpfe in Planspielen fremde Welten aus.

Wird so meine Welt aussehen?

Der dritte Grund ist der, mit dem ich mich momentan am Ehesten identifizieren kann: Weltenbasteln als Hobby. Und auch hier bin ich keineswegs alleine: Im Internet tummeln sich allerhand Weltenbastler mit Websites und Foren. Von der einsamen Insel bis zum Universum reichen hier die kreativen Gefilde unzähliger Menschen, die offensichtlich ebenfalls Zeit für derartige Hobbys haben. Naja, Münzen und Briefmarken sind für mich noch größere Zeitverschwendung..ähm…-verbringer.

Fest steht: Ich fange damit jetzt auch an. Wie genau – weiß ich noch nicht. Warum sehr wohl: Es macht natürlich Spaß. Andererseits entwickelt sich daraus vielleicht ein Projekt, auf das ich spekuliere: Eine Mikronation. Aber das führt jetzt zu weit. Erstmal muss die Welt her, dann das dazugehörige Spiel – und dann auch irgendwann das Buch. Der Name verpflichtet!?